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Eberhard Schöler spielte 155 Mal für die deutsche Nationalmannschaft © imago

Als Spieler war Eberhard Schöler erfolgreich, als Funktionär prägt er den Sport. Nun feiert "Mr. Pokerface" seinen Siebzigsten.

Düsseldorf - Nein, als Ruheständler fühlt sich Eberhard Schöler wirklich nicht.

"Manchmal frage ich mich, wie man das alles mit einem Beruf schaffen konnte. Aber das ist mir lieber, als Däumchen zu drehen und mich zu fragen, was ich denn als nächstes tun könnte", beschreibt das deutsche Tischtennis-Idol seinen Alltag vor seinem 70. Geburtstag.

Besonders seine Tischtennis-Leidenschaft hält Schöler nach dem Rückzug aus dem Berufsleben auf Trab.

Der Vizepräsident Sport im Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) sagt: "Ich habe noch viele gute Kontakte in die Szene. Das beschäftigt."

Schöler ist ein noch viel beschäftigter Mann

Seinen Ehrentag indes hat der Vizeweltmeister von 1969 für die Familie reserviert.

"Das feiern wir im kleinen Kreis. Für eine größere Feier mit Freunden bieten sich im Frühjahr bessere Gelegenheiten."

Bis dahin wird Schöler seine vielen Freunde in der Tischtennis-Welt längst wiedergesehen haben. Denn als stellvertretender Präsident des Europa-Verbandes ETTU ist der frühere Glas-Unternehmer noch häufig unterwegs.

Charakterstärke als Mentalität

Weiterhin stellt der Wahl-Düsseldorfer wichtige Weichen für seinen Sport.

"Vor Entscheidungen ist es ratsam, alle Konsequenzen zu berücksichtigen", lautet dabei sein Credo: "Wenn nicht alles klar ist, können einige Minuten, ein paar Stunden oder auch ein Tag Bedenkzeit nicht schaden."

Auch diese Devise machte Schöler in den 60er Jahren zum weltbesten Abwehrspieler und später zu einem der verlässlichsten Spitzenfunktionäre. Sein Spielsystem hält er für keinen Zufall.

"Das entsprach vielleicht meiner Mentalität: abwarten und im vermeintlich richtigen Augenblick die Initiative ergreifen - das ist sicher Teil meines Charakters", meinte Schöler - der in Matches teils sechs Meter hinter der Platte stand - einmal.

Die gefürchtete "Schöler-Peitsche"

Was der vorbildliche Sportsmann, den DTTB-Ehrenpräsident Hans Wilhelm Gäb 2007 zum Abschied vom Verband auch als enger Freund "den Sachkundigsten unter den Sachkundigen, Fairsten unter den Fairen, Tolerantesten unter den Toleranten und Anständigsten unter den Anständigen" nannte, als Initiative bezeichnet, war von der zweiten Hälfte der 50er bis Mitte der 70er Jahre gefürchtet:

Die harten Konterschläge des Mannes, dem die charakteristische Brille die Optik eines harmlos aussehenden Buchhalters verlieh, hießen in der Tischtennis-Welt nur die "Schöler-Peitsche".

Zudem entnervte der in Flatow/Pommern geborene Träger des Silbernen Lorbeerblattes und Bundesverdienstkreuzes mit enormer Konzentrationsfähigkeit und stoischer Ruhe, die ihm den Beinamen "Mr. Pokerface" einbrachten, seine Rivalen.

Ein großer Titel fehlt

Sein wichtigstes Match allerdings ging verloren: Im WM-Finale 1969 in München verspielte der WM-Dritte von 1965 und 1967 gegen Shigeo Itoh (Japan) ein 2:0 und musste sich nach dem 2:3 wie schon zuvor im Mannschafts-Turnier mit Silber begnügen (WOLLES WELT: Schöler vs. Itoh).

"Ich trauere dem Titel nicht hinterher, das liegt mir nicht", sagt Schöler: "Ich war schon in der Mannschaft stark beansprucht und am WM-Ende kaputt."

12 Jahre später und nicht mal 24 Monate nach seinem Rücktritt als Spieler wechselte der erste DTTB-Ativensprecher ("Ich habe früher ganz schön gemeckert") ins Funktionärs-Lager. Der damalige Rekordnationalspieler (155 Länderspiele) übernahm 1981 nach Gäbs Wahl zum DTTB-Präsidenten im Verband das Leistungssport-Ressort.

"Man wird nicht jünger"

Verantwortung für seinen Sport trägt Schöler, der 1966 Englands Ex-Doppelweltmeisterin Diane Rowe heiratete und mit der Mutter seiner beiden Kinder 1971 auch WM-Bronze im Mixed gewann, immer noch gerne.

Über die Verlängerung seines ETTU-Mandats über 2012 hinaus denkt der neunmalige DM-Titelgewinner, der trotz "Erben" wie Jörg Roßkopf und Timo Boll immer noch zu den Rekordhaltern gehört, noch nicht nach: "Aber an Tagen wie dem 70. Geburtstag wird einem schon bewusst, dass man nicht jünger wird."

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