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Timo Boll (r.) stand als erster Deutscher auf Platz eins der Weltrangliste © getty

Sechs Jahre nach seiner letzten Top-Notierung springt der Hesse erneut auf Rang 1 der Weltrangliste und verdrängt einen Chinesen.

Lausanne/München - Rückkehr an die Spitze mit Rekord: Timo Boll hat sich mit seinem dritten Sprung an die Spitze der Weltrangliste einen Eintrag in die Tischtennis-Geschichtsbücher gesichert.

"Das ist nach so vielen Jahren ein tolles Gefühl", sagte der Europameister. "Ich war nicht sicher, ob mir das noch einmal gelingen würde, darum ist es umso schöner."

Boll kehrte nach sieben Jahren und zwei Monaten auf den ersten Platz zurück.

Ein Comeback nach so langer Zeit ist ein Novum in der 83-jährigen Geschichte des Rankings.

"Die Weltrangliste drückt das wahre Leistungsniveau aus"

Zweifel an seinem frisch verbrieften Status als bester Spieler der Welt tangieren den bislang einzigen Deutschen an der Spitze nicht wirklich.

Auch wenn ein WM-Titel oder ein Olympiasieg noch fehlen. "Natürlich ist es auch mein großes Ziel, bei Olympia und einer WM möglichst weit oben auf dem Treppchen zu stehen, doch dafür muss vieles zusammenpassen", sagte Boll.

"Die Weltrangliste aber drückt das wahre Leistungsniveau besser aus als einzelne Erfolge zu bestimmten Zeitpunkten, man kommt nicht durch Zufall ganz nach oben. Ich habe im vorigen Jahr konstant gut gespielt und dabei schließlich auch einige der besten Chinesen geschlagen."

43 Punkte Vorsprung auf Asienmeister Ma Long

43 Punkte Vorsprung hat der 29-Jährige zu Beginn des WM-Jahres in der Wertung des Weltverbandes ITTF auf den Asienmeister und vorherigen Spitzenreiter Ma Long aus China.

Ausschlaggebend für Bolls Comeback an der Spitze waren sein Erfolg beim ITTF-Eliteturnier Anfang Dezember in Braunschweig durch einen Finalsieg über Olympiasieger Ma Lin und die Abwesenheit von Chinas Weltmeistern beim Pro-Tour-Jahresfinale kurz vor Weihnachten in Seoul.

"Chinas Staatsfeind Nummer eins"

Exakt vor acht Jahren war Boll durch eine famose Serie großer Triumphe kometenhaft erstmals an die Spitze gestürmt und damit zu "Chinas Staafsfeind Nummer eins" (Ex-Doppelweltmeister Steffen Fetzner) avanciert.

Von August bis Oktober 2003 stand der Linkshänder nochmals auf Rang eins - danach führten bis Dienstag ausschließlich Chinesen aus gleich zwei Spieler-Generationen das Ranking an.

In dieser Zeitspanne hat sich aus Sicht des Nachfolgers von Schwedens Ikone Jan-Ove Waldner als EM-Rekordtitelgewinner in Deutschland die Wahrnehmung des Tischtennis-Sports auch dank seiner Erfolge spürbar verändert.

"Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ende angekommen. Wir haben einige Schritte nach vorne gemacht, die Menschen verfolgen das Geschehen in unserem Sport viel aufmerksamer."

Jüngstes Indiz für die Richtigkeit der Einschätzung war sein zweiter Platz bei der Wahl zu Deutschlands Sportler des Jahres 2010 hinter Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel.

Fairplay und Bescheidenheit als Markenzeichen

Bolls Strahlkraft hält auch Ehrenpräsident Hans Wilhelm Gäb vom Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB), zugleich Berater des Team-Olympiazweiten, für bedeutsam.

"Weltranglistenplätze sind wichtig, aber noch interessanter ist, dass Timo trotz Superathleten aus China wie Ma Lin und Ma Long, Wang Liqin oder Wang Hao in der globalen Welt der sportinteressierten Menschen wahrscheinlich der bekannteste Tischtennis-Spieler geworden ist", sagte der Ex-Nationalspieler.

"Er ist ein globaler Botschafter dieses Sports, eine unverwechselbare Marke", fügt Gäb hinzu. Als zentralen Bestandteil dieser Marke sieht er Bolls kreatives Spiel, sein Fairplay und Bescheidenheit auch im Sieg.

Vorbereitung auf Einzel-WM

Das nächste Ziel Bolls im vorolympischen Jahr ist die Einzel-WM in Rotterdam (8. bis 15. Mai).

"Ich möchte bei den Turnieren vorher möglichst viel gegen die beste Chinesen spielen. Das ist der beste Weg, um bei der WM vorne dabei zu sein."

Erinnerungen an 2003, als Boll während seiner ersten "Regentschaft" bei der WM schon in Runde zwei scheiterte, sind für den zweimaligen Weltcupsieger kein böses Omen: "Ich bin nicht abergläubig."

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