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Timo Boll stand als erster Deutscher auf Platz eins der Weltrangliste © getty

Der einstige Vielspieler sagt die DM ab und bleibt gleichauf mit Schöler und Freundorfer. Sein Fokus richtet sich auf die WM.

München - Regeneration statt Rekord:

Die Absage des Weltranglistenersten Timo Boll für die DM in Bamberg kurz vor Turnierbeginn aus Rücksicht auf Körper und Gesundheit unterstreicht den Reifeprozess des bald 30 Jahre alten Europameisters.

Statt seinen zehnten Titel und damit verbundene Prämien abzuholen, verzichtet der zuletzt auch als "Kontinent-Hopper" stark beanspruchte Europameister auf seinen möglichen Aufstieg zum alleinigen DM-Rekordmeister.

Boll will zwei Monate vor der WM in Rotterdam (8. bis 15. Mai) kein unnötiges Risiko eingehen.

"Nach den kräftezehrenden Veranstaltungen in Katar, Dortmund und Peking braucht mein Körper eine Ruhepause", begründete Boll nach seiner Rückkehr vom Asien-Europa-Allstars-Turnier seine Entscheidung.

Zweite Kürzung des Turnierplans

Und weiter: "Jeder weiß, dass ich in diesem Jahr alles den WM-Vorbereitungen unterordne."

Der einstige "Vielspieler" Boll erkennt die Signale seines anfälligen Körpers inzwischen nur allzu gut - und richtet seine Prioritäten mittlerweile auch konsequent danach aus.

Die DM-Absage ist in der laufenden Saison schon die zweite Kürzung seines Turnierplanes, nachdem der Linkshänder bereits im vergangenen Herbst aufgrund unübersehbarer Erschöpfung kurzfristig eine Pause eingelegt hatte.

Boll verzichtete dafür auf seinen Auftritt beim lukrativen Super Cup in Russland. Zwei Tage vor Peking bestritt Boll bei den German Open in Dortmund ebenso wie davor bei den Katar Open in Doha noch das Endspiel.

Roßkopf: "Vernünftige Einstellung"

Bundestrainer Jörg Roßkopf, den Boll schon am Donnerstagabend unmittelbar nach der Heimkehr aus China über seinen Entschluss informierte, bescheinigt seinem Star denn auch eine vernünftige Einstellung.

"Katar, Dortmund und China - das war in letzter Zeit wieder ganz schön heftig für ihn. Aber seine Absage für Bamberg macht auch ganz klar, dass er aus den Erfahrungen im vorigen Herbst gelernt hat", kommentierte der frühere Doppelweltmeister den Startverzicht des EM-Rekordchampions (13 Titel).

Teilnahme an Polish Open noch offen

In Bolls Kalender steht für die kommende Woche zunächst die Teilnahme an einem Lehrgang der Nationalmannschaft.

Für den 11. März ist sein Einsatz für Titelverteidiger Borussia Düsseldorf im Champions-League-Match gegen den russischen Topklub UMMC Jekaterinenburg geplant.

Ob die Nummer eins der Welt in der darauffolgenden Woche wie derzeit noch vorgesehen bei den Polish Open in Cetniewo aufschlägt, ist laut Roßkopf allerdings noch offen.

Anlauf auf den Thron erst 2013?

Offen erscheint nunmehr auch, wann Boll sich zum alleinigen DM-Rekordgewinner küren wird.

Bamberg bedeutet für Boll nach der unerwarteten Finalniederlage im Vorjahr gegen seinen Düsseldorfer Klub- und Doppelkollegen Christian Süß schon die zweite ungenutzte Gelegenheit, den früheren WM-Zweiten Eberhard Schöler und den bereits verstorbenen Münchner Conny Freundorfer hinter sich zu lassen.

Gut möglich erscheint schon jetzt, dass Boll im Zuge seiner Fokussierung auf absolute Höhepunkte erst 2013 wieder einen neuen Anlauf auf den Ehrentitel nimmt - bedeutsamere Geschichte nämlich lässt sich nächstes Jahr bei Olympia in London viel besser schreiben.

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