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Rangiert in der Weltrangliste derzeit auf Platz fünf: Timo Boll © imago

Nach dem Eklat um den verbotenen Schläger seines Achtelfinal-Gegners bei den "German Open" geht Timo Boll in die Offensive.

Berlin - Timo Boll war mittendrin, als bei den German Open in Berlin eine Lawine losgetreten wurde.

"Hätte ich gegen Adrian Crisan gewonnen, hätte man alles unter den Tisch kehren können", sagte der Europameister.

Boll aber verlor sein Achtelfinale mit 3:4 gegen den Rumänen, der sich mit einem verbotenen Schläger einen Vorteil verschafft hatte.

Die anschließende Disqualifikation Crisans, die Erklärungsnot der Offiziellen und die unberechtigten Pfiffe der Fans gegen den späteren Turniersieger Boll ("Boll triumphiert nach Nervenspiel") deckten das aktuelle Regel-Chaos im Tischtennis schonungslos auf.

Boll fordert schärfere Kontrollen

In Sorge um seine Sportart forderte Boll härtere Konsequenzen für die Betrüger.

Die Schläger sollten stichprobenartig in Labore geschickt und untersucht werden, meinte der Weltranglisten-Fünfte aus Düsseldorf:

"Wenn einer positiv getestet wird, muss man den Sportler ein halbes Jahr sperren. Es muss eine Abschreckung geben."

Jegliche Belags-Manipulation verboten

Das Thema Doping im Tischtennis nervt Boll schon lange.

Dabei geht es nicht um verbotene Substanzen im Spieler, sondern im Schläger.

Zwar ist inzwischen jegliche Manipulation der Beläge verboten, doch es scheren sich offenbar nur wenige darum.

Um das gut nachzuweisende Frischkleben zu umgehen, greifen einige Athleten auf chemische Zusatzstoffe wie "Tuner" und "Booster" zurück.

Diese können mit heutigen Messverfahren kaum nachgewiesen werden.

Dicke der Beläge maßgebend

So bleibt als wichtigster Hinweis für das Tuning die Dicke der Beläge.

Laut Weltverband ITTF dürfen sie nicht dicker als 4,0 Millimeter je Seite sein, bei Crisan wurde ein deutlich höherer Wert gemessen.

Durch das Tuning verändert sich die Konsistenz der Beläge, was sich wiederum auf die Schläge auswirkt.

Die Bälle können härter und mit deutlich mehr Schnitt gespielt werden.

90 Prozent Betrüger?

"Früher war das Tuning verpönt", erklärte Boll. Doch inzwischen würden viele bis an die Grenzwerte "herandopen", manchmal auch darüber hinaus.

Herren-Assistenztrainer Jörg Roßkopf schätzt die Zahl der Betrüger auf 70 Prozent, Österreichs Ex-Weltmeister Werner Schlager geht sogar von bis zu 90 Prozent aus.

"Namen will ich keine nennen", sagte Boll.

Er selbst spiele mit Schlägern, die auch Otto Normalverbraucher im Laden kaufen könne.

Klare Regelung gefordert

Für Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Tischtennis-Verbandes (DTTB), ist jetzt der Weltverband am Zug.

"Wir brauchen bessere Messverfahren und klare Regeln", meinte der Limburger:

"Wenn zum Beispiel jemand im Fußball die Rote Karte bekommt, dann muss er vom Platz. Da gibts keine Diskussion. Das ist im Tischtennis noch nicht so."

So droht Betrügern, deren Schläger vor einem Spiel positiv getestet werden, derzeit keine Strafe.

Sie dürfen einfach auf ihr Ersatzgerät zurückgreifen.

Der Weltverband trägt an der Situation also zumindest eine Teilschuld, da er das Problem der Schläger-Manipulation zu lange vor sich hergeschoben und verkannt hat.

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