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Timo Boll war bereits vier Mal Europameister im Einzel © imago

Bei der Operation WM-Medaille steht Timo Boll sein Freund im Weg - doch die Nummer 2 der Welt verdrängt ihr Glücks-Tableau.

Rotterdam - Sie sind Freunde, Trainingspartner und haben zusammen schon Olympia- und WM-Silber gewonnen: Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov sind die deutschen Hoffnungsträger bei der Tischtennis-WM in Rotterdam.

In der Ahoy-Arena schlagen beide am Dienstag in der ersten Einzel-Runde auf und versuchen bis dahin, ihr mögliches Duell im Achtelfinale noch weit weg zu schieben.

Der Weltranglistenzweite Boll entspannt bis zu seinem Einstieg in die "Operation WM-Medaille" auf seinem Hotelzimmer im Rotterdamer Vorort Ridderkerk.

An die Auslosung am Samstag verschwendete der EM-Rekordchampion keinen Gedanken.

"Erst 'Dima' hat mir erzählt, dass wir im Achtelfinale aufeinandertreffen können", sagte Boll hinterher und versicherte glaubhaft: "Sonst weiß ich nichts von der Auslosung."

Hoffnung auf "perfekte Woche"

Der viermalige Einzel-Europameister will sich mit einem Studium des Tableaus nicht noch mehr Druck aufhalsen.

Als einziger echter Herausforderer der chinesischen Übermacht steht Boll im Fokus.

Nicht nur die deutschen, sondern auch die europäischen Fans wünschen ihm seine erste Einzel-Medaille bei einer WM und hoffen, dass er die "perfekte Woche" erwischt, um in die Phalanx der Weltmeister aus dem Reich der Mitte einzudringen.

Günstige Auslosung

Dazu braucht der 30-Jährige an der Platte das Glück, das er bei der Auslosung schon hatte.

Denn auf dem Weg zur erträumten Medaille droht Boll nur gegen den Weltranglistenzwölften Chen Qi ein Duell mit einem Chinesen.

Boll lässt sich davon nicht beirren: "Ich schaue tatsächlich nur von Runde zu Runde."

Verzicht aufs Doppel

Im ruhigen Teamhotel sammelt er seine Kräfte für das große Ziel.

Zu den Trainingseinheiten bricht Boll, anders als seine Teamkollegen, nur einmal am Tag mit dem Shuttle-Bus auf.

Nach der zielgerichteten Vorbereitung mit deutlich weniger Turnieren als in den vergangenen Jahren und dem Verzicht auf das Doppel mit seinem Europameister-Partner Christian Süß soll dies ein weiterer Baustein für den Erfolg sein.

"Ein gutes Gefühl"

Ovtcharov lässt dagegen keine Gelegenheit aus, um sich an die Bedingungen in der Arena zu gewöhnen, auch wenn er sich im WM-Gewusel die Platten mit mehreren Spielern teilen muss. "Ich habe ein gutes Gefühl", sagte der Weltranglisten-15.

Dem Reiz eines möglichen Duells gegen seinen früheren Düsseldorfer Vereinskollegen Boll kann sich Ovtcharov trotz aller Konzentration auf seine Auftaktpartie kaum entziehen.

"Immerhin habe ich gegen Timo schon einmal gewonnen, gegen Wang Hao noch nie", sagte der 22-Jährige und war froh, der Begegnung mit dem chinesischen Weltranglistenersten und Titelverteidiger aus dem Weg gegangen zu sein.

Bei einem großen Turnier waren Boll und Ovtcharov schon einmal 2007 bei der EM in Belgrad im Halbfinale aufeinander getroffen - mit dem besseren Ende für Boll.

Entspannung mit "Dark Prophecy"

Während der deutsche Topspieler und seine Teamkollegen die "coole Arena" (Boll) bereits kennengelernt haben und am Frühstücksbuffet den Gastgebern, Schweden und US-Amerikanern begegneten, blieben die deutschen Damen einen Tag länger in der Heimat und reisten erst Sonntag an.

Bundestrainer Jörg Bitzigeio entspannte bis dahin mit der Familie und einem guten Buch.

Der Psychothriller fesselte den Coach.

Luxuswoche für die Damen

Einen Thriller erwartet Bitzigeio in den Niederlanden allerdings nicht: "Die WM hat ein hohes Niveau. Für uns vielleicht noch zu hoch." Daher sind die Ziele im Vergleich zu Bolls Medaillenjagd eher bescheiden.

"Das ist eine Luxuswoche für meine Spielerinnen und entschädigt für die Zeit, in der sie sich zu Hause geplagt haben", sagte der Damen-Trainer.

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