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Timo Boll war und ist die bisher einzige deutsche Nummer eins der Weltrangliste © getty

Der Weltranglistenzweite bezwingt bei der WM in Rotterdam den Chinesen Chen Qi - und sichert Deutschland die Bronzemedaille.

Rotterdam - Beim Matchball huschte ein Lächeln über Timo Bolls Gesicht.

Der Rekord-Europameister wusste, seine erste WM-Einzelmedaille ist ihm nicht mehr zu nehmen.

Noch ein Schlagabtausch und der Jubel in der Rotterdamer Ahoy-Arena kannte kaum noch Grenzen - zum ersten Mal seit Eberhard Schölers Silbermedaille 1969 in München hat ein deutscher Tischtennisspieler Edelmetall bei einer Weltmeisterschaft gewonnen.

Bronze hat der Düsseldorfer nach dem 4:1 (11:5, 5:11, 11:6, 11:7, 11:3)-Sieg im Viertelfinale gegen den chinesischen Mannschaftsweltmeister Chen Qi sicher.

Doch nach der Meisterleistung des Weltranglistenzweiten und letzten nichtchinesischen Spielers im Wettbewerb sind Hoffnungen auf mehr zumindest berechtigt.

"Hier habe ich Heimvorteil"

"Ich bin erstmal erleichtert, dass der Makel, noch keine Medaille gewonnen zu haben, jetzt weg ist", sagte Boll nach dem Sprung über die erste chinesische Hürde im Turnier.

"Hier habe ich Heimvorteil", lobte er die Fans, die ihn fünf Sätze lang nach vorne getrieben hatten.

Die La-Ola-Welle schwappte durch das weite Rund, der viermalige Einzel-Europameister startete wie beflügelt und machte gleich die ersten vier Punkte. Die Zuschauer feierten jeden Punkt ausgelassen mit "Timo, Timo"-Rufen und peitschten den 30-Jährigen immer wieder nach vorne.

"Ich traue ihm alles zu"

So überwand Boll auch den schnellen Verlust des zweiten Satzes und dominierte die Ballwechsel immer öfter.

"Das war schon sehr solide", sagte Boll später und gab sich ein wenig zu bescheiden. Dirk Schimmelpfennig, Sportdirektor des Deutschen Tischtennis Bundes (DTTB), schwärmte dagegen: "So wie Timo gespielt hat, traue ich ihm alles zu. Wir sind überglücklich."

2003 war letzter nicht-chinesischer WM-Sieg

Noch Minuten nach dem letzten Ballwechsel strahlte Boll übers ganze Gesicht und erklärte sein Erfolgsrezept.

"Zuerst war ich das ganze Jahr über gesund. Dann war auch der Verzicht aufs Doppel im Nachhinein richtig, auch wenn es mir leid getan hat", sagte er und ergänzte: "Zudem hatte ich nie Torschlusspanik, obwohl manche Leute mich ja schon als alt bezeichnet haben."

Erst vier Sätze hat der Linkshänder im Turnierverlauf abgeben müssen und tritt so stabil auf, dass die übermächtigen Chinesen um ihren Einzeltitel fürchten müssen. Zuletzt war dies 2003 in Paris der Fall, als der Österreicher Werner Schlager in die Phalanx der Chinesen eindringen konnte.

Seitdem gingen die Goldmedaillen in allen Disziplinen an die Top-Nation des Tischtennis.

Publikum als "zwölfter Mann"

Als nächster Gegner aus dem Reich der Mitte wartet nun der Weltranglistendritte Zhang Jike auf Boll. Im Finale der German Open Ende Februar in Dortmund war der Deutsche chancenlos.

"Da bin ich ganz schön verprügelt worden", sagte Boll schmunzelnd. Auch beim bislang letzten Duell wenige Tage später beim Europa-Asien-Turnier in Peking hatte der zweimalige Weltcupsieger Zhang zum Sieg gratulieren müssen.

Ein Sieg über den Mannschaftsweltmeister von Moskau 2010 steht für Boll in dieser Saison aber auch schon zu Buche: "In Katar Mitte Februar habe ich ihn geschlagen. Das Spiel werde ich mir noch einmal anschauen", meinte Boll.

"Gegen ihn werde ich aber wieder jede Unterstützung brauchen. Aber die Halle steht ja wie ein zwölfter Mann hinter mir", erklärte er breit grinsend.

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