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Timo Boll gewann 2002 als erster Deutscher das Europe-Top-12-Turnier © getty

Timo Boll muss den Traum vom WM-Gold begraben. Die Freude über die historische Medaille mag er sich aber nicht nehmen lassen.

Rotterdam - Nur wenige Minuten nach dem WM-Aus konnte sich Boll schon wieder über den größten Erfolg seiner Laufbahn freuen.

Der Rekord-Europameister aus Düsseldorf hatte bei der Tischtennis-WM in Rotterdam zwar das Halbfinale gegen den chinesischen Mannschaftsweltmeister Zhang Jike 1:4 (11:7, 5:11, 3: 11, 3:11, 9:11) verloren, war aber trotzdem ein Gewinner.

Denn mit Bronze hatte er seine erste WM-Einzelmedaille gewonnen und dem Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) damit das erste Edelmetall im Herren-Einzel seit 42 Jahren beschert.

"Daher fällt mein WM-Fazit sehr positiv aus. Die Medaille ist schon was", sagte Boll und schien mit sich im Reinen.

"Zhang war einfach unheimlich"

In der Vorschlussrunde, die Bolls Frau Rodelia nägelkauend in der Ahoy-Arena verfolgte, war der Weltranglistendritte Zhang eine zu hohe Hürde für das eine Position höher geführte DTTB-Aushängeschild.

"Ich habe teilweise wahnsinnig gute Bälle gespielt, doch er hatte immer die bessere Antwort", erklärte Boll anerkennend.

So sah es auch Eberhard Schöler, bis Rotterdam Deutschlands zuvor letzter WM-Medaillengewinner, auf der Tribüne. "Zhang war einfach unheimlich", sagte der 71 Jahre alte WM-Zweite von München 1969.

Auch Roßkopf lobt den Gegner

"Ich freue mich über die Bronzemedaille und insbesondere für Timo", so Schöler weiter. "Er hat es verdient. Diese Medaille ist für alle Welt endlich der sichtbare Beweis, dass er zu den besten Spielern der Welt gehört."

Bundestrainer Jörg Roßkopf analysierte noch die Taktik, während Boll auf der Pressekonferenz schon wieder zu Scherzen aufgelegt war und die Mikrofon-Anlage testete.

"Zhang Jike hat nicht nur viel Druck gemacht, sondern auch wahnsinnige Winkel gespielt. Timo hat versucht, den Spin rauszunehmen und den ersten Schlag entweder weicher oder fester zu spielen", sagte "Rossi".

Boll holt einen Titel

Boll selbst, der außerdem zum WM-Abschluss für sein sportliches Verhalten im gesamten Turnier den Fair-Play-Preis erhielt, wollte nicht derart ins Detail gehen: "Gegen die Chinesen muss die komplette Chemie stimmen. Hast du einen Tick zu wenig Rotation, gibt es eine mächtige Antwort."

Seinen lange vergeblich angestrebten Podestplatz hatte Boll im Viertelfinale durch ein 4:1 gegen Zhangs Weltmeister-Kollegen Chen Qi (4:1) perfekt gemacht.

DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig hielt sich ebenfalls nicht lange mit der Niederlage von Europas einzigem Medaillengewinner bei den "China-Festspielen" in den Niederlanden auf.

"Die Medaille war unser großes Ziel. Das haben wir erreicht, auch wenn eine andere Farbe natürlich schöner gewesen wäre. Doch insgesamt ist Bronze phantastisch für Timo und das deutsche Tischtennis", so Schimmelpfennig.

Chinesische Dominanz

Letztlich aber stellt Rotterdam, wo alle fünf Titel in chinesischen Finalduellen vergeben wurden, aber auch nur eine Zwischenstation dar.

"Der Blick geht in Richtung 2012. Das wird ein ganz entscheidendes Jahr. Für die Mannschafts-WM in Dortmund und die Olympischen Spiele in London haben wir viel Selbstvertrauen gesammelt", sagte Schimmelpfennig.

Natürlich überstrahlt Bolls Bronzemedaille alle weiteren Ergebnisse der DTTB-Herren, doch für Bundestrainer Roßkopf hat das gesamte Team überzeugt.

Sonderlob für Steger

Ein Sonderlob machte der Doppel-Weltmeister von 1989 dem deutschen Meister Bastian Steger, der im Einzel-Achtelfinale und an der Seite von Vize-Europameister Patrick Baum im Doppel-Viertelfinale stand: "Er hat tolle Spiele gemacht und sich weiter verbessert."

Bei den Damen dagegen mussten die DTTB-Talente Sabine Winter und Kathrin Mühlbach das erwartete Lehrgeld zahlen.

Nur Ex-Europameisterin Jiaduo Wu schaffte den Sprung unter die besten 16 Teilnehmerinnen der WM.

"Doch auch Zhenqi Barthel hat mit Runde drei gezeigt, was wir uns erhofft haben, und das Thema Olympia-Qualifikation für Kristin Silbereisen hat sich zum Glück trotz ihrer Niederlage in der ersten Runde auch positiv erledigt", sagte Bundestrainer Jörg Bitzigeio.

Zugleich freute er sich über das zweiten London-Ticket nach Wu.

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