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Ein Chinese ist immer stärker als Timo Boll: Im WM-Halbfinale ist es Zhang Jike © getty

Nach dem größten Einzelerfolg seiner Karriere, denkt der deutsche Tischtennis-Star an Olympia. Er hadert mit Chinas Übermacht.

Rotterdam - Das Festmahl nach großen Auftritten passt Timo Boll immer ein wenig der Bedeutung an.

Hatte der Düsseldorfer Tischtennis-Star einst seinen Weltcup-Triumph in Lüttich noch in einem Burger-Restaurant mit einer Pappkrone auf dem Kopf gefeiert, ließ er es nach dem größten Erfolg seiner Karriere deutlich gediegener angehen.

Nach der Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft in Rotterdam gab es für Boll und seine Frau Rodelia Pizza und Wein beim Italiener.

Die kulinarische Belohnung hatte sich der erste deutsche Gewinner einer WM-Medaille im Einzel seit 1969 nicht nur wegen seiner monatelangen Enthaltsamkeit "mit strenger Diät ohne Fast Food und Alkohol" verdient.

Boll will "die Lücke schließen"

Boll wäre indes nicht Boll, würde er sich nicht schon wieder neue Ziele stecken: "Im Sommer spiele ich wieder in Chinas Superliga. Im Training und in den Duellen mit den Chinesen werden meine Schwächen gnadenlos aufgedeckt."

Und weiter: "Das kann mir nur helfen bei dem Versuch, die Lücke, die allgemein zwischen China und dem Rest der Welt besteht, bis Olympia 2012 in London zu schließen."

"Das Furchtbare ist, dass es so viele gibt"

Tatsächlich konnten in Rotterdam nur die "Tischtennis-Kaiser" von China dem 30-Jährigen Grenzen setzen.

Im Halbfinale erhielt der Weltranglistenzweite vom späteren Weltmeister Zhang Jike (1:4) (Bericht), der gemeinsam mit Chinas jungen Wilden die Ablösung von Olympiasieger Ma Lin und dem entthronten WM-Champion Wang Hao längst eingeläutet hat, geradezu eine Lektion.

"Das Furchtbare ist, dass es so viele gibt. Einer ist immer in Hochform, und dann ist es fast unmöglich, ihn zu besiegen", beschrieb Boll in Rotterdam seinen ewigen Kampf.

Hoffen auf London 2012

Die dritte Niederlage in Serie gegen Chinas sieben Jahre jüngeren Newcomer, der in den Niederlanden zum ersten Mal im Einzel bei einer WM aufschlug, hat bei Boll jedoch mehr Ansporn als Frust ausgelöst.

"Ich bin Schläge wie die von Zhang Jike einfach nicht gewohnt. Er hat auf alles, was ich versucht habe, eine Antwort gehabt. Das war schon sehr beeindruckend. Ich muss mich aber nicht schämen. Der Abstand ist gering, und vielleicht läuft es in London ja auch besser."

Das "Triple" ist drin

Einen guten Lauf will Boll aber schon in den kommenden drei Wochen hinlegen.

Bis zum 5. Juni stehen mit seinem Klub Borussia Düsseldorf die Endspiele um die deutsche Meisterschaft gegen die TTF Ochsenhausen (21. Mai und 5. Juni) und besonders das zweite Champions-League-Finale in Russland bei Fakel Orenburg (27. Mai/Hinspiel 3:0) auf dem Programm.

"Für die Borussia sind diese Spiele enorm wichtig", sagt Boll und kündigt "noch einmal volle Konzentration" an.

Gut möglich, dass Boll mit den Borussen das "Triple" von 2010 wiederholen kann und danach wieder auftischen lässt - Ochsenhausen und Orenburg spielen jedenfalls ohne Chinesen.

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