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Timo Boll (l.) holte in Rotterdam seine erste WM-Einzelmedaille © imago

Düsseldorf schreibt mit dem zweiten Triple in Serie Sportgeschichte. Für Boll bleibt auch nach Saisonende keine Zeit zur Erholung.

Düsseldorf - Erfolgreich, aber mit den Kräften am Ende: Auf dem Gipfel war Timo Boll ein Spiegelbild der gesamten Situation bei seinem Klub Borussia Düsseldorf.

"Es ist natürlich ein unbeschreiblich schönes Gefühl, etwas Einmaliges erreicht zu haben. Aber man muss schon sagen, dass wir uns so gerade noch ins Ziel gerettet haben", sagte der WM-Dritte ebenso erleichtert wie erschöpft nach dem ersten "Double Triple" eines deutschen Vereins in einer olympischen Sportart.

Boll hatte die 24. Meisterschaft der Rheinländer nach der erfolgreichen Titelverteidigung in Pokal und Champions League beim 3:2-Zittersieg im Finalrückspiel gegen die TTF Ochsenhausen (Hinspiel 3:1) in seinem zweiten Einzel perfekt gemacht (Bericht).

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Vorsprung ist keiner geworden

Zuvor war es allerdings ausgerechnet der ansonsten so zuverlässige Weltranglistenzweite gewesen, der im Eröffnungseinzel nach ungewohnt fahriger Vorstellung durch seine insgesamt vierte Saisonniederlage im Borussen-Trikot den Erfolg noch einmal in große Gefahr gebracht hatte.

Düsseldorfs Manager Andreas Preuß wertete die Nöte seines Teams beim 0:2-Zwischenstand auch als Signal gegen den Eindruck drohender Langeweile in der Bundesliga.

"Dieses Finale hat bewiesen, dass wir uns gar nicht zu Tode siegen können. Ochsenhausen hat im dritten Einzel nur ein Satz zum sogenannten Wunder gefehlt. Wenn ich die ganze Saison bilanziere, muss man nicht nur wegen dieses Finales sagen, dass der Abstand zwischen uns und der Konkurrenz eher kleiner und keinesfalls größer geworden ist", sagte der Ex-Profi.

Borussia nicht mehr unschlagbar

Entsprechend sieht Preuß für die Mannschaft des niederländischen Coaches Danny Heister, der gleich in seiner Debüt-Saison als Cheftrainer den maximalen Erfolg verbuchen konnte, noch genügend Verbesserungspotenzial:

"Timo hat zum ersten Mal seit Jahren viermal in einer Saison verloren. Das darf ohne Frage passieren, aber trotzdem müssen wir nach den Gründen suchen und daran genauso arbeiten wie an der einen oder anderen Schwachstelle. Unschlagbar kann man uns jedenfalls nicht nennen."

Terminhatz schlaucht Boll

Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig vom Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) führte Bolls Durchhänger unter anderem auf die Termindichte in der entscheidenden Saisonphase zurück. (Bericht: Boll schmettert Düsseldorf zu Königen von Europa)

"Das Finale hat gezeigt, wie viel Energie die vergangenen Wochen mit der WM in Rotterdam als absolutem Höhepunkt auch im mentalen Bereich gekostet haben", sagte der Kölner.

Abgespeckter Olympia-Fahrplan

Für 2012 allerdings sieht Schimmelpfennig speziell für Boll weniger Verschleißgefahr:

"Die Mannschafts-WM 2012 findet bereits im März weit vor dem Bundesliga-Finale und das Olympia-Turnier in London erst im August deutlich nach Saisonende statt. Positiv wird sich auch auswirken, dass durch die Umstellung des Modus auf nur noch ein Finale in den Bundesliga-Playoffs ein Termin gespart wird. "

Spionieren für London

Neue Kraft tanken kann Boll bis zum Saisonstart allerdings nur bedingt:

Bereits Ende Juni beginnt für den Europameister das einmonatige Gastspiel bei Hangzhou Nirui TTC in Chinas Super League.

Boll erhofft sich davon wertvolle Erkenntnisse für Olympia: "Im Hinblick auf London 2012 kann ich von den direkten Duellen mit den Chinesen nur profitieren."

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