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Timo Boll wurde im Januar 2003 als erster Deutscher Nummer Eins der Weltrangliste © getty

Der Deutsche steht im Reich der Mitte im Rampenlicht. Der WM-Dritte ist bei seinem Ausflug in die Super League heiß begehrt.

Shanghai - Diesmal zitterten die Chinesen ausnahmsweise mal mit Timo Boll. Das gesamte Fernsehteam des staatlichen Sportsenders "CCTV5" drückte dem Rekordeuropameister im Spiel gegen Wang Jian Jun die Daumen.

Es musste ein Sieg her, "sonst hätten wir mit der Geschichte wohl ein kleines Problem gehabt", sagte Yan Liang, der in der Redaktion von "Sports World" arbeitet.

Der Deutsche Boll ist im Reich der Mitte ein Star und daher zur besten Sendezeit im chinesischen Fernsehen zu sehen.

Auf Boll ist eben Verlass - auch bei seinem dritten Engagement in der chinesischen Super League. Im dritten Saisonspiel gewann der Linkshänder zum dritten Mal und ließ die Fernsehproduzenten neben der Platte aufatmen.

Das Stück über den Weltranglistenzweiten war gerettet, Boll konnte in einer Reihe mit NBA-Star Yao Ming, Hürdenstar Liu Xiang und French-Open-Siegerin Li Na - allesamt Stammgäste bei "World Sports" - über die Mattscheibe flimmern.

Boll als Highlight in der Show

Bolls 3:2-Sieg war der Höhepunkt der Reportage. Zuvor hatte das Kamerateam den beliebten "Staatsfeind" auf Schritt und Tritt begleitet, saß beim Abendessen im edlen Hotel in Shanghai mit am Tisch und lauschte Bolls chinesischen Worten.

Auch beim knallharten Training in der zwei Autostunden von Shanghai entfernten Halle in Hangzhou, wo Boll gemeinsam mit Olympiasieger Ma Lin derzeit die chinesische Liga aufmischt und auf Platz zwei der Tabelle steht, waren die Reporter dabei.

"Was den Unterschied zwischen 'CCTV' und anderen Medien ausmacht? Sie wollen immer etwas Privates wissen, immer. Das ist in Deutschland nicht so extrem", erzählte Boll.

In der kommenden Saison wird er wieder für Triple-Gewinner Borussia Düsseldorf aufschlagen.

Einblick in Fitness-Zustand

Seine Freundschaft zu NBA-Champion Dirk Nowitzki wurde thematisiert, ebenso die Leidenschaft für Pekingente und Bolls ungewöhnlichste Mahlzeit in diesem Jahr: Lebende Shrimps in Weißweinsoße bekam der 30-Jährige in China serviert.

Die Fragesteller von "CCTV5" waren jedoch auch über Bolls Heimat bestens informiert. So wussten sie etwa, dass Eintracht Frankfurts Fußball-Torwart Oka Nikolov ebenfalls im Odenwald aufgewachsen ist.

Im Vordergrund des Auftritts zur besten chinesischen Sendezeit am Dienstagabend standen aber natürlich Bolls Tischtennis-Künste.

"Hier zu trainieren und zu spielen, das ist noch einmal eine Spur härter als in Deutschland", sagte Boll und gab bereitwillig Einblick in seine körperliche Verfassung.

"Die Matches sind sehr anstrengend, das Training ebenfalls. Ich bin oft kaputt nach den Einheiten", so der Deutsche.

"Hier muss ich perfekt spielen"

Allerdings weiß Boll genau, warum er seine Sommerpause fern der Heimat opfert und warum er sich in zermürbenden Aufschlag-Rückschlag-Übungen quält.

"Wenn ich in Deutschland gut spiele, gewinne ich meistens. Hier kann es sein, dass das nicht ausreicht. Hier muss ich perfekt spielen", erklärte er den staunenden Chinesen.

Dass er in der Liga bislang nur gegen Spieler aus der zweiten Reihe antreten musste, stört ihn wenig: "Gegen mich sind sie alle besonders heiß. Außerdem hat China viele sehr gute Spieler. Sie müssen sich erst intern beweisen, bevor sie international auftreten dürfen."

Niederlagen gegen Boll sind kein gutes Markenzeichen, um im Ansehen der chinesischen Nationaltrainer zu steigen.

Boll will den Olympiasieg

Dabei weiß in China doch jedes Kind, dass neben ihren den Helden wie Weltmeister Zhang Jike, Olympiasieger Ma Lin und dem dreifachen WM-Champion Wang Liqin nur der Deutsche Weltklasse-Format besitzt.

Das will Boll bei den Olympischen Spielen im nächsten Jahr unter Beweis stellen. Im chinesischen Fernsehen stellt er klar: "Meine Motivation ist neben viel Spaß am Spiel, dass ich immer noch sportliche Ziele habe."

Eine Medaille soll es in London werden. Das ist den Produzenten der Show allerdings zu wenig. Okay - mit ein bisschen Chinesisch-Nachhilfe lächelt Boll in die Kamera und sagt: "Ich möchte Olympiasieger werden." Geht doch.

(Bericht: Boll auf dem Zahnfleisch: "Gerade noch gerettet")

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