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Timo Boll hier im Duell gegen Wang Hao im Weltmeisterschafts-Halbfinale 2007 © getty

Auch ohne den Europameister gibt der Bundestrainer große Ziele für den World Team Cup aus. Die Chinesen fordern mehr Gegenwehr.

München - Timo Boll hatte den World Team Cup in Magdeburg herbeigesehnt. Endlich kein Flug nach China, um sich mit den besten Tischtennis-Spielern der Welt zu messen.

Doch es folgte der Schock für Boll, die deutsche Nationalmannschaft und deren Fans: Der Rekordeuropameister fehlt verletzt beim Mannschaftsturnier - eine Reizung an der Lendenwirbelsäule.

Bolls anfälliger Rücken schmerzt jedoch auch im fernen Reich der Mitte.

Der Linkshänder aus dem Odenwald ist der einzige Konkurrent der übermächtigen Chinesen (Bericht: Boll nach EM-Gold: "Titel hat Kraft gekostet").

Als Staatsfeind Nummer eins wurde Boll daher ein ums andere Mal betitelt, doch ist der WM-Bronzemedaillengewinner eher ein Hoffnungsträger für die Zukunft des chinesischen Nationalsports. Ohne ihn wäre die Langeweile an der Spitze der Weltrangliste nicht mehr auszuhalten.

Kulturtransfer nach Europa

"Es ist definitiv nicht gut, wenn alle großen Titel bei internationalen Turnieren von Chinesen eingesammelt werden", sagte der chinesische Vizesportminister Cai Zhenhua, nachdem seine Athleten bei den Weltmeisterschaften in Rotterdam alle fünf Titel gewonnen hatten: "Es ist unsere Pflicht, der Welt das Geheimnis unseres Erfolgs zu offenbaren."

Wie der "Tagesspiegel" berichtet, plant der chinesische Tischtennis-Verband daher einen Kulturtransfer nach Europa. Mitte November wird auch in Deutschland eine Delegation erwartet, die mögliche Standorte für eine chinesische Tischtennis-Akademie in Augenschein nehmen will.

Die besten Trainer aus Fernost und einige der besten Ballkünstler sollen sich engagieren. Von einem sechs- bis siebenstelligen Betrag, der in ein "Tischtennis-Entwicklungsland" investiert werden soll, ist die Rede.

Tischtennis verliert an Bedeutung

Das alles klingt nobel und ungewohnt nach den Olympischen Spielen in Peking, als die Gastgeber durch sportliche Dominanz politische Stärke demonstrieren wollten. An den Platten des Milliarden-Reiches hat sich die Einstellung zur Konkurrenz allerdings längst geändert.

Tischtennis verliert gegen Sportarten wie Basketball und Fußball an Bedeutung, die Jugend interessiert sich nicht mehr für die Geschichte von Jung Kuo-Tuan, der 1959 in Dortmund als erster Chinese einen WM-Titel gewann.

Es ist an der Zeit, die Spannung zu erhöhen.

Finale ist möglich

Beim World Team Cup in Magdeburg wird es aller Voraussicht nach einseitig bleiben. Ohne Timo Boll ist Vizeweltmeister Deutschland derart geschwächt, dass es utopisch ist, China herausfordern zu wollen.

Bundestrainer Jörg Roßkopf gibt dennoch ein großes Ziel aus: "Wir haben eine starke Mannschaft, die auch ohne Timo Chancen hat, das Finale gegen China zu erreichen."

Nach dem fünften EM-Titel in Serie sind auch Dimitrij Ovtcharov (Orenburg/Russland), Patrick Baum (Düsseldorf), Bastian Steger (Saarbrücken) und der nachnominierte Ruwen Filus (Hanau) zuversichtlich.

Weltmeister sagt ab

Um den Gastgebern ein halbes Jahr vor der Team-WM in Dortmund (25. März bis 1. April) einen kleinen Hoffnungsschimmer auf einen Heimsieg zu lassen, haben die Chinesen anscheinend auf Bolls Absage reagiert.

Weltmeister Zhang Jike, der Boll in Rotterdam im Halbfinale bezwungen hatte, sagte die Reise nach Magdeburg wegen einer Hüftverletzung ab. Ihn ersetzt Wang Liquin, seines Zeichens dreifacher WM-Champion 466410(DIASHOW: Sportliche Namensgeber).

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