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Timo Boll holte im Einzel, Doppel und mit der Mannschaft je fünf Europameistertitel © getty

Deutschlands Herren fertigen bei der Team-WM Singapur ab und wahren die Weiße Weste. Japans Glücksbringer Kagawa sahnt ab.

Dortmund - Mit einer blütenweißen Weste und einem überragenden Timo Boll haben die deutschen Herren bei der Team-WM in Dortmund ihr erstes Etappenziel bei der Medaillenjagd dicht vor Augen.

Die Auswahl um den Rekord-Europameister aus Düsseldorf steht nach dem souveränen 3:0 gegen Singapur mit einem Bein im Achtelfinale. Mit einem weiteren Sieg am Dienstag (19 Uhr) gegen Portugal kann das deutsche Team sogar vorzeitig als Gruppensieger das Viertelfinale erreichen.

Auch die deutschen Damen triumphierten wie die Herren zum dritten Mal, hatten es am Montagnachmittag aber deutlich spannender gemacht.

Nach einem 3:2-Krimi gegen Spanien liegt die Auswahl der neuen Bundestrainerin Jie Schöpp in der Gruppe C ungeschlagen hinter Japan auf Achtelfinalkurs.

Mit einem Überraschungssieg am Dienstag (16 Uhr) gegen die Asiatinnen könnten die deutschen Frauen, die zwei Jahre nach ihrem Bronze-Coup bei der WM in Moskau die Runde der letzten Acht als Ziel ausgegeben haben, den vorzeitigen Gruppensieg perfekt machen.

Kagawa kommentiert

Prominenten Besuch gab es beim Turnier durch den Deutschen Meister Shinji Kagawa von Borussia Dortmund. Der Japaner outete sich als Tischtennis-Fan und wirkte zudem erfolgreich als Glücksbringer.

"Ich freue mich, dass Japan gewonnen hat, das war das Wichtigste für mich", sagte der 23-Jährige, der bei seinem Gastspiel in der Westfalenhalle für das japanische Fernsehen arbeitete und auf der Pressetribüne das 3:0 der japanischen Frauen gegen Polen kommentierte.

BVB-Trikot gegen Riesen-Schläger

Auch wenn Tischtennis als Sportart in Japan einen hohen Stellenwert besitzt, genießt Kagawa, in seiner Heimat eine höhere Popularität als die Athleten, die in Dortmund um die Medaillen kämfen.

"Fußballer sind noch bekannter", sagte Kagawa, der dem japanischen Superstar Ai Fukuhara nach dem Spiel ein BVB-Trikot überreichte und dafür zwei signierte überdimensionale Tischtennis-Holzschläger bekam.

Boll hält Ball flach

Deutschlands Ausnahmespieler Boll wollte das dritte 3:0 nach den Auftaktsiegen gegen Tschechien und Spanien und die Vorstellung beim ersten überstandenen asiatischen Prüfstein nicht überbewerten.

"Wir haben gut gearbeitet, aber mehr Angst hat deswegen keine Mannschaft vor uns", sagte der WM-Dritte von 2011 und warnte vor den Portugiesen: "Das wird morgen wohl einen Tick härter."

Das letzte Gruppenspiel bestreiten Boll und Co. am Mittwoch gegen Serbien (16 Uhr).

Gegen Singapur punkteten neben Boll, der auch in seinem dritten Auftritt in der Westfalenhalle ohne Satzverlust blieb, Dimitrij Ovtcharov und Bolls Düsseldorfer Teamkollege Patrick Baum für die Auswahl des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB), die wie vor zwei Jahren in Moskau mindestens WM-Silber gewinnen wollen.

Damen jetzt angstfrei

Damen-Bundestrainerin Schöpp war nach dem nervenaufreibenden Spiel gegen Spanien "unheimlich erleichtert" und hofft, dass die überstandene Zitterpartie nun neue Kräfte bei ihren Spielerinnen freisetzt.

"Jetzt kann alles kommen, wir haben keine Angst", sagte die 44 Jahre alte Ex-Nationalspielerin.

Silbereisen macht Deckel drauf

Das entscheidende fünfte Spiel der Damen gegen Spanien gewann Kristin Silbereisen, die wie Zhenqi Barthel aber auch eine Niederlage hinnehmen musste. Nur Ex-Europameisterin Jiaduo Wu hielt sich in ihren beiden Einsätzen schadlos.

Vize-Europameisterin Irene Ivancan, die Bundestrainerin Schöpp erstmals bei der WM nicht aufstellte, wurde wegen unerlaubten Coachings im vorletzten Spiel auf die Tribüne verwiesen.

Team ist Trumpf

Schöpp freute sich über den großen Zusammenhalt ihres Teams: "Man hat es an Irene gesehen, die ganze Mannschaft hat heute gekämpft."

Ivancan nahm den Schiedsrichterspruch gelassen. "Das war nicht meine erste Rote Karte", sagte die 28-Jährige, die nach dem wenig überzeugenden Auftritt von Barthel (1:3) gegen Japan wohl wieder an den Tisch zurückkehren wird.

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