Boll meistert Auftakt mühelos - Ovtcharov schimpft
Herning - Während Timo Boll marschierte, schimpfte Dimitrij Ovtcharov.
Der Tischtennis-Kronprinz, der bei den Olympischen Spielen in London Bronze gewonnen hatte, kämpfte bei der Europameisterschaft im dänischen Herning gegen das Zweitrunden-Aus.
Boll war nach zwei Siegen ohne Satzverlust längst wieder im Hotel verschwunden, da verwandelte Ovtcharov gegen den Spanier Carlos Machado nach 46 Minuten endlich den erlösenden Matchball zum 4:2-Sieg.
Traumfinale rückt näher
Die beiden besten deutschen Tischtennisspieler, in Herning an Position eins (Boll) und zwei (Ovtcharov) gesetzt, haben sich das Traumfinale gegeneinander zum Ziel gesetzt.
Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg, vor allem Ovtcharov muss sich in der Runde der besten 16 gegen Tiago Apolonia (Portugal) steigern.
Der Russland-Legionär vom Champions-League-Sieger Fakel Orenburg ist noch nicht wieder in seiner London-Form. Wer kann es ihm nach den glanzvollen Olympia-Momenten verdenken?
Ovtcharov bittet um Geduld
"Ich konnte mich nicht so vorbereiten wie auf die Mannschafts-WM in Dortmund oder auf Olympia", sagte Ovtcharov und bat damit um Geduld.
Die Konstanz fehle ihm, dennoch sei er für den dritten Saisonhöhepunkt "extrem motiviert". Immerhin hat der 24-Jährige erst eine EM-Bronzemedaille im Einzel gewonnen. "Ich hoffe, dass es für den großen Wurf reicht", sagte Ovtcharov, der im Doppel bereits eine Medaille sicher hat. Gemeinsam mit seinem Vereinskollegen Wladimir Samsonow steht er im Doppel-Halbfinale. Der dritte Platz wird in Herning nicht ausgespielt.
Für den Fall, dass es nicht zum Titelgewinn langt, baut die Nummer eins des russischen Champions-League-Siegers Fakel Orenburg bereits vor: "Ich gehe relativ gelassen in das Turnier. Egal, wie es läuft: Dieses Jahr kann ich mir hier nicht mehr kaputt machen." Außerdem sei die EM ja "Timos Haus- und Hof-Turnier".
Entspannter Rekordchampion Boll
Dementsprechend entspannt ist auch Timo Boll, immerhin hat der 31-Jährige vom Bundesligisten Borussia Düsseldorf die EM nach eigener Aussage bereits "einige Male gewonnen".
15-mal, um genau zu sein. Alleine fünfmal im Einzel. Boll ist damit Rekord-Champion und untermauerte seine Ausnahmestellung im europäischen Tischtennis mit zwei 4:0-Erfolgen.
Tomas Konecny (Tschechien) und Jaroslaw Schmudenko blieben jeweils nur 20 Minuten am Tisch.
Der WM-Dritte hat durch den Finaleinzug beim World Cup in Liverpool das Selbstvertrauen zurückgewonnen, das ihm beim überraschenden Achtelfinal-Aus bei den Olympischen Spielen in London verlassen hatte. "Die letzten Wochen waren sehr gut. Ich habe die Umstellung von Olympia auf den Alltag sehr gut gemeistert", sagte der topgesetzte Boll.
Baum zieht ins Achtelfinale ein
Sein Düsseldorfer Vereinskollege Patrick Baum, in den letzten beiden Jahren Bolls Finalgegner bei der Europameisterschaft, steht ebenfalls im Achtelfinale.
Der Linkshänder setzte sich gegen den routinierten Griechen Kalinikos Kreanga 4:1 durch und spielt am Samstag gegen Adrian Crisan. Der Rumäne hatte Boll im Achtelfinale der Olympischen Spiele aus dem Turnier geworfen.
Insgesamt sechs deutsche Herren stehen im Achtelfinale. Neben Boll, Ovtcharov und Baum setzten sich auch Ruwen Filus, Bastian Steger und Patrick Franziska durch. Der 20 Jahre alte Qualifikant Franziska schaltete dabei den doppelt so alten Ex-Weltmeister Werner Schlager (Österreich) aus.
Zufriedene Damen
Zudem hat sich ein Damen-Quintett in die Runde der besten 16 gespielt. Neben den Mitfavoritinnen Jiaduo Wu und Vize-Europameisterin Irene Ivancan stehen auch Kristin Silbereisen und Sabine Winter im Achtelfinale.
Mindestens Bronze gewonnen haben derweil Wu und Silbereisen, die gemeinsam das Doppel-Halbfinale erreichten und dort am Samstag auf die topgesetzten Vorjahresfinalisten Daniela Dodean/Elizabeta Samara (Rumänien) treffen.
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