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Europameister Timo Boll iegt in der Weltrangliste auf Platz 5 © getty

Timo Boll ist in Europa weiterhin das Maß aller Dinge und straft damit die Kritiker Lügen. Olympia in Rio 2016 ist sein Ziel.

Herning - In China, das ist Timo Boll nicht anders gewohnt, warten stets die stärksten Gegner.

Also bricht der Rekord-Champion nur 24 Stunden nach dem Gewinn seines sechsten EM-Titels (BERICHT: Boll holt sechsten EM-Titel) zum Nabel der Tischtennis-Welt auf, um sich einer neuen Herausforderung zu stellen.

Golf mit Kaymer

In Shanghai erwarten ihn allerdings nicht Zhang Jike, Ma Long oder Ma Lin. Boll spielt vor den BMW Open eine Runde Golf mit den Stars Martin Kaymer und Rory McIlroy und gibt zu: "Davor habe ich gehörig Respekt. Mehr noch, als vor dem EM-Finale."

Dabei ist Boll ein passabler Hobby-Golfer mit dem Handicap 22. Er kokettiert ein wenig, wenn er sagt: "Ich habe ein bissel Angst, mich zu blamieren."

So bescheiden der Ausnahmespieler ist, so ehrgeizig ist er auch. Boll treibt Sport, um zu gewinnen. Und meistens tut er das auch. Kaymer und McIlroy dürfen sich nicht zu sicher fühlen.

Das gilt genauso für die asiatischen und europäischen Tischtennisspieler, denn trotz seiner Niederlage im Achtelfinale der Olympischen Spiele in London zählt sich Boll noch nicht zum "alten Eisen".

Kampfansage von Boll

Ohne einmal ins Trudeln zu geraten, pflügte der 31-Jährige im dänischen Herning durch die Europameisterschaften und schickte eine Kampfansage hinterher.

"Viele haben ja schon geglaubt, jetzt kommt die Wachablösung. Aber so schnell gebe ich mich nicht geschlagen. Ich bin noch fit und motiviert. Mit mir ist in den kommenden Jahren noch zu rechnen", sagt Boll.

Sein Ziel sei nun Rio 2016: "Wenn ich weiterhin in dieser Form bin, wird es schwer, an mir vorbeizukommen."

Hohe Ziele für 2013

Seine Golf-Karriere muss daher warten, das Handicap wird weiter leiden. Nach der langen Saison 2012 mit der Heim-WM in Dortmund, den Olympischen Spielen und den Europameisterschaften wird das kommende Jahr kaum weniger stressig.

Alle wollen etwas von Boll, denn der Linkshänder garantiert Spektakel in der Box.

Sein Verein Borussia Düsseldorf braucht ihn in Meisterschaft, Pokal und Champions League, in Bamberg soll er seinen zehnten deutschen Einzeltitel gewinnen, und bei der WM in Paris hat er eine Bronzemedaille zu verteidigen.

Gastspiel in der Super League

Zudem zieht es ihn immer wieder nach China. Im Sommer 2013 plant Boll sein viertes Gastspiel in der Super League, der besten Liga der Welt.

Dabei will Boll eigentlich mit seinen Kräften haushalten.

"In Zukunft werde ich weniger Turniere spielen", sagt er. Das Europe Top 12, eines der Traditionsturniere im Tischtennis, lässt er im kommenden Jahr zum zweiten Mal in Folge aus. Den Jahresbeginn hält sich Boll frei:

"Im Januar ist Pause. Bis dahin werde ich versuchen, mich über die Zeit zu retten."

Kurztrip nach Shanghai

Da kommt die Golf-Runde mit Kaymer und McIlroy gar nicht ungelegen, auch wenn der Kurz-Trip nach Shanghai selbst für den China-erprobten Boll eine neue Erfahrung ist.

"Ich komme Dienstag an, spiele ein bisschen Golf und ein Tischtennis-Doppel und fliege direkt wieder zurück", erzählt er.

Geschlafen wird im Flugzeug - Timo Boll liebt noch immer die Herausforderung, selbst nach sechs EM-Titeln.