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Alles andere als in Bestform: Jung-Nationalspieler Dimitrij Ovtcharov © getty

Während Deutschlands Tischtennis-König wie vom anderen Stern agiert, beklagt sein Kronprinz erneut gravierende Leistungsschwankungen.

Bielefeld - Ein zufriedener Timo Boll, ein nachdenklicher Dimitrij Ovtcharov:

Während sich Europas Tischtennis-König bei den deutschen Meisterschaften schon in WM-Form präsentierte, offenbarte der Kronprinz erneut seine gravierenden Leistungsschwankungen.

Sieben Wochen vor dem ersten Saisonhöhepunkt in Yokohama ist im deutschen Team nur der Star sorgenfrei.

"Ich bin jetzt schon eine ganze Weile in Top-Form, das stimmt mich sehr zufrieden. Ich muss das Niveau halten, dann ist eine WM-Medaille drin", sagte Boll nach seinem neunten nationalen Titel.

Statistik ist erst später wichtig

Das zugleich erspielte Prädikat deutscher Rekordmeister kümmerte ihn wenig: "Die Statistik ist erst nach der Karriere interessant, wenn man zurückblickt."

In Bielefeld spazierte Boll durch die Konkurrenz. Selbst ohne sein ganzes Können zu zeigen, geriet er an seinem 28. Geburtstag nie in Bedrängnis.

Auf die Ende März in Bremen stattfindenden German Open und die WM will sich Boll nun mit einem speziellen Konditionsprogramm vorbereiten: "Durch die ganzen Reisen ist die Fitness in der letzten Zeit etwas zu kurz gekommen."

Neue Varianten einstudiert

Was Boll momentan so stark macht, ist jedoch weniger die Fitness als vielmehr sein unglaublich sicheres Spiel. Der Linkshänder von Borussia Düsseldorf hat sein System weiterentwickelt, neue Varianten eingebaut.

"Ich kann jetzt in bestimmten Situationen einfach besser reagieren", meinte Boll. Diese Situationen gab es bei der DM für Boll sicher nicht, auch nicht beim 4:1-Finalerfolg gegen seinen Doppel-Partner Christian Süß. (VIDEO: Boll entscheidet das DTTL-Spitzenspiel)

"Timo kann locker noch zwei Gänge hochschalten", sagte der Boll-Entdecker und hessische Landestrainer Helmut Hampl. Der Ausnahmeathlet wird wohl erst bei der WM gegen Chinas Asse voll gefordert werden.

Jungstar überfordert

Dagegen wirkt Jungstar Dimitrij Ovtcharov momentan etwas überfordert. Der 20-Jährige schied im Halbfinale sang- und klanglos mit 0:4 gegen Süß aus.

"Ich habe schlecht gespielt. Christian war unglaublich aggressiv. Er hatte sich richtig gut auf das Spiel vorbereitet. Mir fehlte die Spritzigkeit", sagte Ovtcharov.

Der EM-Dritte von 2007 wirkte dabei etwas ratlos. "Mal spiele ich wie ein Top-5-Spieler und mal verliere ich gegen Leute, die in der Rangliste weit hinter mir stehen", klagte "Dima". Er habe in der vergangenen Woche viel trainiert, bis zu drei Einheiten pro Tag seien vielleicht etwas zu viel gewesen.

Extreme Leistungsschwankung

Seine extremen Leistungsschwankungen ziehen sich schon seit Monaten hin. Im Januar spielte er bei den Danish Open groß auf und wurde erst im Endspiel vom Weltranglisten-Dritten Ma Long gestoppt.

Dann war im Februar bei den Kuwait Open schon in Runde eins Endstation, bei den folgenden Katar Open in Runde zwei.

Ovtcharov analysiert seine Schwächen knallhart und versucht, daraus seine Stärke zu ziehen. Seine Jahresplanung ist ohnehin nicht auf die WM ausgelegt: "Der Höhepunkt ist ganz klar die EM in Stuttgart. Das ist vom Stellenwert her wie Olympia im letzten Jahr."

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