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Timo Boll war 2003 als erster Deutscher die Nummer eins der Weltrangliste © imago

Der Europameister sagt seine Teilnahme an den Titelkämpfen in Yokohama nun ganz ab: "Mit halber Kraft macht es keinen Sinn."

Höchst/Yokohama - Timo Bolls Traum von einer WM-Medaille ist vor dem ersten Ballwechsel geplatzt.

Der Weltranglistenvierte musste seine Teilnahme an der Tischtennis-WM in Yokohama/Japan ab Dienstag schweren Herzens wegen einer Verletzung an der Lendenwirbelsäule absagen.

"Es bringt nichts, nur mit halber Kraft zu spielen. Das hat gar keinen Sinn", sagte der traurige Boll nach dem Aus. "Ich habe das letzte Fünkchen Hoffnung gesucht, doch wenn der Körper nicht mitmacht, hat man keine Chance."

Der 28-Jährige verzichtete am Sonntagmorgen auf den Flug nach Japan, informierte Bundestrainer Richard Prause per Telefon über die Absage und zog sich mit Frau Rodelia und Hündin Carry im heimischen Odenwald ganz in sein familiäres Umfeld zurück.

Traum der ersten Einzelmedaille futsch

Boll wollte in Japan nach mehreren vergeblichen Anläufen seine erste Einzelmedaille gewinnen: "Ich war zuletzt in einer tollen Form. Aber mein großes Ziel kann ich nur erreichen, wenn ich hundertprozentig fit bin."

Bei der letzten Trainingseinheit vor der WM am Samstag seien die Beschwerden wieder enorm gewesen. Bereits am Freitag hatte Boll seinen Verzicht auf das Doppel an der Seite von Christian Süß erklärt, um die Belastung im Wettkampf zu minimieren.

Wegen der Verletzung hatte der Linkshänder seine Vorbereitung kürzlich für zwei Tage unterbrechen müssen, nach kurzer Behandlung aber vom Münchner Arzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt grünes Licht bekommen.

Bittere Pille - weil in Bestform

"Es sind kleine Gelenkblockaden mit der Folge, dass die tiefe Muskulatur, die man mit Massagen nicht erreichen kann, zumacht", sagte Boll der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Für Boll ist die Verletzung die wohl bitterste Pille seiner Karriere. Der Hesse befand sich nach eigenen Worten in der Form seines Lebens und hatte seit dem Herbst neun nationale und internationale Turniere gewonnen.

Dabei hatte er unter anderem Chinas Olympiasieger Ma Lin im Finale der Katar Open besiegt. Zudem ist es die zweite WM-Absage in Serie: Im vergangenen Jahr musste Boll auf die Team-WM wegen einer Knieverletzung verzichten.

Medaillenchancen auf dem Nullpunkt

Irgendwie scheint ein WM-Fluch über Boll zu liegen. Bisher kam der Weltklasse-Spieler nie über das Viertelfinale hinaus. Selbst als er 2003 als Weltranglistenerster in das Turnier ging, war in der zweiten Runde Endstation.

Bundestrainer Prause gab sich trotz des Schocks optimistisch: "Natürlich ist Timo traurig, er hatte sich sehr auf die WM gefreut. Aber er wird noch seine Chancen bekommen."

Die Medaillen-Chancen des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) sind mit der Absage Bolls auf den Nullpunkt gesunken. Und ohne Boll dürfte die WM zur chinesischen Meisterschaft werden. Allein die vier topgesetzten Spieler bei den Männern kommen aus dem Reich der Mitte.

Ovtcharov soll's richten

Ausgerechnet der zuletzt in seiner Form schwankende Dimitrij Ovtcharov (Düsseldorf) soll das deutsche Team anführen. Der 20-Jährige trifft in der ersten Runde auf Kou Lei (Ukraine), Patrick Baum (Frickenhausen) spielt gegen Gustavo Tsuboi (Brasilien).

Auf Christian Süß (Düsseldorf), Bastian Steger (Frickenhausen) und Zoltan Fejer-Konnerth (Grenzau) warten Qualifikanten.

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