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Timo Boll verlor bei den German Open 2008 zu Unrecht gegen Adrian Crisan © getty

Booster ersetzen die verbotenen Frischkleber. Die ITTF hält bei der WM am veralteten Verfahren fest - das neue wird nur getestet.

Yokohama - Der Unmut vieler Athleten wächst, doch der Tischtennis-Weltverband ITTF schaltet auf stur:

Zwar werden die Weltmeisterschaften in Yokohama die ersten Titelkämpfe ohne Frischkleben sein, ein Ende der Belag-Manipulation ist jedoch noch lange nicht in Sicht.

"Die ITTF hat immer noch kein neues Verfahren eingeführt. Für mich ist das total unverständlich", sagte der dreifache Europameister von 2008 Timo Boll.

Chemische Zusatzstoffe

Dass Manipulation noch immer möglich ist, liegt an der ITTF und dem angewendeten Messverfahren.

Die derzeit verwendete E-nez-Box zeigt zwar an, ob frisch geklebt wurde oder nicht, deckt aber kein Schläger-Doping mittels chemischer Zusatzstoffe wie Tuner oder Booster auf.

Die von den neuen Mitteln abgegebenen Dämpfe können von der Box nicht erfasst werden, dabei ist jegliche Verwendung von Zusatzstoffen verboten.

"Vielleicht ein paar schwarze Schafe"

Durch das Tuning verändert sich die Konsistenz der Beläge, was sich wiederum auf die Schläge auswirkt. Die Bälle können härter und mit deutlich mehr Schnitt gespielt werden.

Wichtigstes Indiz auf die Verwendung von Zusatzstoffen ist die Belagdicke. Einige Spieler dopen ihre Schläger regelrecht an die erlaubten vier Millimeter heran.

"Es gibt vielleicht ein paar schwarze Schafe, die versuchen, diesen Bereich maximal auszunutzen", sagte Bundestrainer Richard Prause. ("Wir spielen auch für Timo")

Elize nur zu Testzwecken

Die gegenwärtige Diskussion schadet vor allem dem als fair und sauber geltendem Tischtennis selbst. Eine offizielle Änderung des Messverfahrens wird es erst nach der WM geben. Dann folgt Elize auf E-nez.

Elize ist keine Box, sondern ein Testmittel, das auf den Belag aufgetragen wird und viel akkurater misst. Dadurch soll auch die Anwendung von Tunern oder Boostern aufgedeckt werden.

In Yokohama wird Elize schon angewendet, allerdings nur zu Testzwecken. "Elize wurde nur ein paar Mal vor Yokohama genutzt. So wäre es unfair gewesen, die neue Methode einzuführen, ohne das die Spieler sie kennen", sagte ITTF-Präsident Adham Sharara.

Null-Toleranz-Grenze

Offziell soll Elize vom 1. Juli an zum Einsatz kommen. In Japan erhalten die Besitzer der mittels Elize positiv getesteten Schläger nicht einmal eine Verwarnung.

"Wir werden dem Spieler alle Informationen sozusagen zur Erziehung bereitstellen", sagte Sharara. Der Kanadier hält weiter daran fest, die Null-Toleranz-Grenze Schritt für Schritt einzuführen. Einige Spieler werden es ihm danken.

Dreifach-Europameister Boll verpasst die WM zwar wegen einer Rückenverletzung (Boll muss die WM absagen), beschäftigt sich aber intensiv mit dem Thema.

Boll fordert Abschreckung

Zumal er bei den German Open 2008 Opfer der Manipulation war. Der 28-Jährige verlor gegen den Rumänen Adrian Crisan, dieser spielte jedoch mit Belägen, die dicker als vier Millimeter waren und wurde daraufhin disqualifiziert.

Boll forderte: "Wenn einer positiv getestet wird, muss man den Sportler ein halbes Jahr sperren. Es muss eine Abschreckung geben."

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