vergrößernverkleinern
So wie 2004 wollen Faris Al-Sultan und Normann Stadler auch 2009 wieder feiern © getty

Vorm Ironman-Start suchen die deutschen Triathleten Entspannung. Der Respekt vor Hawaiis Naturgewalten ist aber allgegenwärtig.

Frankfurt - Sandra Wallenhorst muss beim Einfangen ihres kleinen Sohnes noch eine zusätzliche Trainingseinheit absolvieren.

Und der zweimalige Gewinner Normann Stadler genießt "die Atmosphäre wie in einer Riesenfamilie". Auch Timo Bracht fühlt sich in Kona "wie im Olympischen Dorf mit Badehose".

Deutschlands Top-Triathleten gehen am Samstag trotz der bevorstehenden Schinderei entspannt und zuversichtlich an den Start des legendären Ironman auf Hawaii.

"Mein Sohn hält mich auf Trab, aber alles ist gut. Ich möchte meiner Familie im Rennen etwas zurückgeben für die kleinen Opfer, die sie bringen", sagt Wallenhorst, die einen Rad-Sturz im Training glimpflich überstand.

Wellington als Maß aller Dinge

Nach Platz drei bei ihrem Debüt auf Big Island im Vorjahr gehört die Siegerin des Ironman Europe in Frankfurt zu den Mitfavoritinnen.

Doch als Maß aller Dinge bei der inoffiziellen WM gilt die britische Titelverteidigerin Chrissie Wellington.

Wie bei Wallenhorst gibt der Nachwuchs auch dem zweimaligen Hawaii-Triumphator Stadler neue Kraft: "Meine Frau und ich haben zweimal sehr spät während der Schwangerschaft unser Kind verloren."

Vaterfreuden als Motivator

Und weiter: "Das hat mich aus der Bahn geworfen. Jetzt bin ich endlich Vater, fühle mich gut und sage: Ich fahre nach Hawaii, um zu gewinnen", sagte Stadler der "Welt".

Auch Bracht fühlt sich auf Hawaii pudelwohl.

"So stelle ich mir in etwa ein Olympisches Dorf vor - nur, dass in Kona alle in Badehose rumlaufen", sagt der Eisenmann aus Eberbach, der wie Wallenhorst mit einem Sieg in Frankfurt zur Mutter aller Ironman-Rennen reist.

Al-Sultan peilt Top-Ten-Rückkehr an

"Ich glaube, dass ich noch einen Tick stärker als in Frankfurt bin", sagt Bracht, der nach seiner Disqualifikation im Vorjahr "noch eine Rechnung offen hat".

Stadlers Kommentar dazu: "Wenn das so ist, müssen wir gar nicht mehr antreten. Timo, dann hast du keine Gegner mehr!" Bracht und Stadler sind Teamkollegen.

Doch "sobald der große Zeh im Wasser ist, kämpft jeder für sich alleine", sagt Bracht.

Auch der Sieger von 2005 Faris Al-Sultan will nach seinem 11. Platz im Vorjahr wieder unter die Top-Ten kommen.

Er wolle wieder "voll rangehen und voll reingehen" um wieder vorne "bei den schnellen Jungs" dabei zu sein.

"Es geht mitten durch die Lava"

Respekt haben Stadler und Brecht vor den Bedingungen auf Hawaii. "Wenn es richtig windig ist, ist es das schwerste Rennen überhaupt. Und die Naturgewalten sind so brutal, alles ist so ursprünglich und kahl."

Und weiter: "Auf der Radstrecke kann ich 30 Kilometer geradeaus schauen. Da flimmert die Hitze über der Straße. Und beim Laufen geht es mitten durch die Lava", sagt Stadler.

Bracht fügt hinzu: "Auf Hawaii wird jede Schwächephase unglaublich hart bestraft."

Hochachtung für Amateure

Hochachtung haben Stadler und Bracht vor den Amateuren, die das Rennen in Angriff nehmen.

"Viele Teilnehmer sind so stolz, dass sie morgens in Badehose und Trikot in den Supermarkt gehen", sagt Stadler.

Bracht weiß, dass die Quälerei über 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad fahren und 42,195 km Laufen für die Amateure noch härter ist: "Am Ende laufen sie im Dunkeln mit einem kleinen Licht am Trikot auf einem Highway durch die Wüste."

Stadler und Bracht hoffen, dass sich einer von ihnen dann schon längst als Sieger feiern lassen kann.

Zum Forum - jetzt mitdiskutierenZurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel