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Timo Bracht ist vierfacher Ironman-Sieger über die Langdistanz © getty

Timo Bracht wähnt sich gewappnet für den Ironman in Frankfurt. McCormack und Raelert machen dem Tüftler kein Kopfzerbrechen.

Frankfurt/Main - Einen Tag vor dem Ritt durch die Hölle wird "Eisenmann" Timo Bracht den Himmel auf Erden erleben:

Lange schlafen, ausgiebig essen, viel trinken und mit Ehefrau Bettina ganz gemütlich auf einer Parkbank am Main sitzen.

Mit reichlich Regeneration bereitet sich der Titelverterteidiger aus Eberbach auf die bevorstehende Hitzeschlacht beim 9. Ironman Europe am Sonntag in Frankfurt/Main (ab 6.45 Uhr) vor.

Selbst die prognostizierten Temperaturen von bis zu 32 Grad Celsius können Profitriathlet Bracht vor der Schinderei in drei Akten nicht schocken.

"Mein Ziel ist die Titelverteidigung"

"Da werden viele platzen, aber ich bin gewappnet. Wenn es drauf ankommt, bin ich topfit", sagt Bracht und gibt sich selbstbewusst: "Mein Ziel ist die Titelverteidigung. Über die Konkurrenz zerbreche ich mir nicht den Kopf."

Zum großen Vorteil des 34-jährigen Odenwälders soll sein geringes Gewicht (rund 68 kg) werden, um das sich nach eigenen Angaben wahre Mythen ranken.

"Ich weiß gar nicht so genau, was ich gerade wiege. Aber ich bin leichter als manch anderer. Meine Oma hat schon immer gesagt, ich bin zu mager", witzelte der 1,82 m große Streckenrekordhalter Bracht (7:59:01 Stunden), der am Main auch schon 2007 gewann.

Großer Respekt

Der Hawaii-Sechste von 2009 mag die Hitze, weiß aber auch, dass hohe Temperaturen den Wettkampf unberechenbar machen können.

Gerade vor der Endphase eines Ironman hat Bracht ("Das wird am Sonntag ein Ritt durch die Hölle") größten Respekt: "Da bewegt man sich in einer Blackbox. Das kann man nicht trainieren. An diese Grenze stößt man nur im Duell mit den Besten."

Um für den Mehrkampf mit Chris McCormack (Australien), Andreas Raelert und Cameron Brown (Neuseeland) gerüstet zu sein, hat Bracht seinem Ruf als passionierter Tüftler und Taktiker bereits in der Vorbereitung wieder alle Ehre gemacht.

Bracht mit Spezialtraining

Mit speziellen Brückenläufen simulierte der zweimalige Europameister die Begebenheiten der Marathonstrecke rund ums Mainufer. Bracht: "Man glaubt gar nicht, wie sehr gerade das Bergablaufen auf den letzten Kilometern in den Oberschenkeln zieht."

Der umfangreichste Trainingstag des gesamten Jahres liegt gerade einmal einen Monat zurück. Angang Juni hieß es: 170 Kilometer Radfahren, 5 Kilometer Schwimmen und 15 Kilometer Laufen.

Doch gerade eine achtstündige Trainingsfahrt auf einem windschnittigen Hightech-Untersatz ist alles andere als ein Vergnügen.

"Grandiosester Triathlon der Welt"

"Es ist nicht das Glücksgefühl, das überwiegt, das sind vielleicht zwei Prozent. 98 Prozent geht es dir mies", sagte Bracht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), die ein Doppel-Interview mit dem "Eisenmann" und seinem Idol aus Kindheitstagen, Tote-Hosen-Sänger Campino, arrangiert hatte.

"Da war ich wirklich etwas aufgeregt", gestand Bracht. Minutiös hat der Familienvater die Tage vor dem "grandiosesten Triathlon der Welt" geplant.

Vorbei sind die Chaos-Zeiten. Vor ein paar Jahren musste Bracht bei einer Veranstaltung mit dem Sattel eines Holland-Rads starten, weil er seinen eigenen Rennsattel zu Hause vergessen hatte.

Zum festen Ritual in Frankfurt ist der "Rentner-Ausflug" an den Main geworden: Mit seiner Frau wird sich Bracht am Samstagnachmittag wie jedes Jahr auf einer Bank niederlassen - und vor dem Ritt durch die Hölle den Himmel auf Erden genießen.

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