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Andreas Raelert wurde 2009 Dritter beim Ironman auf Hawaii © getty

Shootingstar Raelert gewinnt bei den Männern und enttrohnt den großen Favoriten. Bei den Frauen verteidigt Wallenhorst den Titel.

Frankfurt - Shootingstar Andreas Raelert und Titelverteidigerin Sandra Wallenhorst haben in der Hitzeschlacht von Frankfurt kühlen Kopf bewahrt und für einen deutschen Doppelsieg beim Ironman Europe gesorgt.

Der frühere Kurzstreckenspezialist Raelert bestieg zum ersten Mal den Europameister-Thron der Eisenmänner. In 8:05:15 Stunden und bei schwülwarmen Temperaturen von 31,5 Grad Celsius verwies der Rostocker Titelverteidiger Timo Bracht (Eberbach/8:10:22) auf Platz zwei.

"Das war ein perfekter Tag, das Rennen meines Lebens. Das sind die Momente, von denen ein Sportler träumt", sagte Raelert: "Vielleicht sah es souverän aus, aber ich war komplett am Limit."

Wallenhorst verteidigt Titel

Dritter wurde der Australier Chris McCormack, der für 3,8 km Schwimmen, 185 km Radfahren und den abschließenden Marathon über 42, 195 km 8:14:43 Stunden benötigte.

Wallenhorst verteidigte nach einer furiosen Aufholjagd in 9:04:27 ihren Titel von 2009 erfolgreich.

66 Prozent Luftfeuchtigkeit

Die 38 Jahre alte Rechtsanwältin überflügelte bei Marathon-Kilometer 36 die bis dahin führende Schweizerin Caroline Steffen (2./9:06:42) und trotzte der Frankfurter "Waschküche" mit einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 66 Prozent.

"Das ist sensationell, ich freue mich tierisch. Mir fehlen die Worte", sagte Wallenhorst. Auf Rang drei landete die Niederländerin Yvonne van Vlerken (9:10:21).

Wallenhorst und Raelert weckten damit Hoffnungen auf einen deutschen Erfolg bei der WM im Mekka Hawaii am 9. Oktober.

Raelert lief mit einer schwart-rot-goldenen Flagge um den Hals Richtung Ziel und ließ sich im Laufschritt schon Sekunden vor dem großen Triumph feiern.

Weichenstellung auf Radstrecke

Der zweimalige Olympia-Teilnehmer stellte die Weichen bei seiner vierten Ironman-Teilnahme auf der Radstrecke auf Sieg.

Der 33-Jährige, der bei seinem Eisenmann-Debüt in Frankfurt 2009 gleich Vierter geworden war, war als zweiter Athlet hinter Christian Ritter (Leipzig) nach gut 47 Minuten aus dem Langener Waldsee gekommen. Wegen der Wassertemperatur (26 Grad Celsius) mussten die 2360 Starter ohne Neoprenanzug schwimmen.

Neuer Rekord für Raelert

Raelert übernahm bei der zweiten Disziplin der EM schnell die Führung und schaffte einen neuen Radstreckenrekord (4:20:35).

Als Erster wechselte er mit einem großen Vorsprung von elf Minuten vor seinem ärgsten Verfolger Bracht auf die Laufstrecke am Mainufer.

Dort ließ sich Raelert auch von den immer weiter steigenden Temperaturen nicht bremsen, büßte zwar über die Hälfte seines Vorsprungs ein, verteidigte aber letztlich seine Führung souverän.

Defekt bei Bracht

Pech hatte der zweimalige Europameister und Streckenrekordhalter Bracht. Der 34-Jährige musste wegen eines Defekts sein hinteres Scheibenrad gegen ein Speichenrad umtauschen und verlor auf der wegen einer Baustelle um fünf Kilometer verlängerten Radstrecke rund eine Minute.

"Andi Raelert hat ein Super-Rennen gezeigt. Ich war vielleicht etwas zu schockiert von seiner Leistung auf dem Rad", sagte Bracht.

Raelert ist in der Ironman-Szene ein Rookie. Als Kurzstrecken-Athlet hatte er bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 und Sydney 2000 Platz sechs beziehungsweise zwölf belegt.

Dritter auf Hawaii

Nach seinem Umstieg auf die Langdistanz hatte er gleich herausragende Erfolge gefeiert. Nach seinem vierten Rang vor einem Jahr am Main belegte Raelert wenige Monate später im Ironman-Mekka Hawaii als bester Deutscher einen überraschenden dritten Platz.

Raelert profitiert auch vom Training mit seinem Bruder Michael, dem amtierenden Weltmeister auf der Ironman-Halbdistanz. "Unser Verhältnis ist sehr innig", erklärte Andreas Raelert, der sich mit Michael beim Trainingslager auf Fuerteventura für die Frankfurter Quälerei in drei Akten wappnete.

500.000 Zuschauer

Auch diesmal war der Ironman am Main eine Veranstaltung der Superlative: Während des Wettkampfs wurden insgesamt 60.000 Liter Getränke, 18.000 Brötchen, 15.000 Energieriegel, 10.000 Bananen, 7000 Frankfurter Würstchen, 8000 Stück Kuchen und 250 kg Melonen gereicht.

Geschätzte 500.000 Zuschauer säumten die Strecke beim zweitwichtigsten Ironman der Welt. Insgesamt wurden 120 Qualifikationsplätze für die WM auf Hawaii vergeben.

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