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Andreas Raelert erreichte bei Olympia 2004 Platz sechs im Triathlon © getty

Nach seiner Weltbestzeit hält Andreas Raelert im Interview weitere Steigerungen für möglich und nennt ein Erfolgsrezept.

Von Andreas Kloo

München - 14 Jahre lang schien die Ironman-Zeit des Belgiers Luc van Lierde mit 7:50 Stunden unantastbar.

Dann unterbot erst dessen Landsmann Mario Vanhoenacker diese Marke um fünf Minuten. Und nur eine Woche später setzte Andreas Raelert beim Ironman in Roth mit 7:41:33 Minuten noch einen drauf. (Bericht: Raelert triumphiert mit Fabel-Zeit)

Als Weltrekord wird die Zeit nur deshalb nicht bezeichnet, weil sich die einzelnen Strecken beim Triathlon zu sehr voneinander unterscheiden.

Dem 34-jährigen Rostocker gelang in der fränkischen Triathlon-Hochburg das Rennen seinens Lebens (Highlights Fr., 12.10 Uhr im TV auf SPORT1).

"Das Rennen war einfach von Beginn an richtig schnell und man wurde unheimlich gefordert. Und wenn alles perfekt läuft, dann klappt es eben mit einer neuen Bestleistung", erzählt er im Interview mit SPORT1.

Das Leistungspotential im Triathlon hält er aber nach seiner Weltbestzeit noch längst nicht voll ausgereizt.

Andreas Raelert hat außerdem noch einen nicht minder erfolgreichen Bruder. Michael Raelert holte sich bereits zweimal den WM-Titel über die halbe Ironman-Distanz.

Bei SPORT1 erklärt er, welche Vorteile das "Familien-Training" mit sich bringt. Außerdem schildert der Hawaii-Vorjahreszweite , wie er sich nach dem harten Ironman erholt und wie er mit dem Thema Doping umgeht.

SPORT1: Herr Raelert, wie geht es Ihnen? Haben Sie sich schon ein bisschen regenerieren können?

Andreas Raelert: Ehrlich gesagt noch gar nicht. Ich brauche auf jeden Fall zwei Wochen totale Regeneration. Die erste Woche werde ich mich kaum bewegen, in der zweiten Woche werde ich eine leichte Laufeinheit am Tag absolvieren, mit ein bisschen Schwimmen. Die dritte Woche steht auch noch im Rahmen der Regeneration. Ich denke, dass ich die fünfte, sechste Woche wieder richtig fit bin.

SPORT1: 14 Jahre lang hatte die Weltbestzeit Bestand, jetzt wurde sie innerhalb kurzer Zeit zweimal unterboten. Wie ist dieser Quantensprung zu erklären?

Raelert: Es wurde schon länger darüber gesprochen, dass die Entwicklung bei den Männern dahin geht, dass die Zeiten unter acht Stunden bleiben. Marino Vanhoenacker hat mit seinem Rennen in Klagenfurt gezeigt, dass es bei den Männern optimal läuft und die Bedingungen für schnelle Zeiten stimmen. Die Sportart ist noch so jung. Da ist es eine logische Konsequenz ist, dass es zur Weiterentwicklung kommt. Es gibt mit Sicherheit zehn andere Leute, die ein solches Potenzial haben. Das Rennen war einfach von Beginn an richtig schnell und man wurde unheimlich gefordert. Und wenn alles perfekt läuft, dann klappt es eben mit einer neuen Bestleistung.

SPORT1:Schwimmen, Radfahren oder Marathon: In welcher der drei Einzel-Disziplinen ist noch Luft nach oben?

Raelert: Ich glaube, dass bei den Männern im Marathon noch deutlich Entwicklungspotenzial vorhanden ist. Und ich denke, dass wir in der nahen Zukunft auch sehen werden, dass bei den Männern der Marathon deutlich unter 2:40 Stunden gelaufen werden muss, um einen Ironman zu gewinnen. Und auch beim Radfahren steckt noch Entwicklugnspotential. Wenn man betrachtet, was sich in den letzten 15 Jahren im Radsektor bei der technischen Entwicklung getan hat, dann sieht man, dass wir bei weitem noch nicht am Limit sind.

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SPORT1: Haben Sie bewusst auf die neue Weltbestzeit hin trainiert?

Raelert: Nein, überhaupt nicht. Bei dem Rennen in Roth war es einfach so, dass es in erster Linie darauf ankam, das Rennen zu gewinnen. Das war meine primäre Absicht. Da Sebastien Kienle dermaßen Druck ausgeübt hat, konnte man in dem Rennen zu keinem Zeitpunkt "locker" lassen, weil man ständig gefordert wurde. Es wurde schon im Vorfeld darüber diskutiert, dass man auf jeden Fall in die Nähe des Streckenrekords kommen muss, um zu gewinnen.

SPORT1: Beim Ironman auf Hawaii im Oktober wird diese Zeit wohl kaum möglich sein?

Raelert: Hawaii ist ein komplett anderes Pflaster. Das ist ein ganz anderes Rennen, zumal es eine Weltmeisterschaft ist. Die Witterungsbedingungen sind deutlich anders. Es ist wärmer, windiger und es wird vor allem ein taktisches Rennen werden. Im Vergleich zu Roth wird man nicht extrem schnell unterwegs sein. Außerdem haben zehn, fünfzehn andere Leute die gleiche Absicht, das Rennen zu gewinnen. Deswegen muss man, wie in den letzten Jahren, taktisch gewieft sein, um in Hawaii zu gewinnen.

SPORT1: Welchen Anteil hat ihr Bruder Michael an Ihrem Erfolg?

Raelert: Das ist ein großer Vorteil, dass wir beide tagtäglich fast alle Einheiten gemeinsam absolvieren. Wenn man die Möglichkeit hat, fast jeden Tag jede Einheit mit der absoluten Weltspitze zusammen zu trainieren, dann motiviert das natürlich einen selbst. Man geht im Training an die Belastungsgrenze. Das ist bei uns der Fall und ein großer Vorteil.

SPORT1: Beim Rennen in Roth hatte der Triathlon mal wieder die Aufmerksamkeit der breiten Masse. Das scheint aber nach wie vor eher die Ausanhme zu sein. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Raelert: Also ich muss sagen, dass der Stellenwert des Triathlons in den letzten Jahren gestiegen ist. Die Zahlen bestätigen, dass der Triathlon einen unglaublichen Sprung gemacht hat und keine Randsportart mehr ist, sonder eine Trend-Sportart. Ich glaube, dass die Sportart weiter Zuwachs erfährt und bin natürlich froh, wenn ich mit meiner Leistung dazu beitragen kann. Triathlon ist eine der wenigen Sportarten weltweit, in der es möglich ist, als Amateur und Profi in einem Rennen gegeneinander anzutreten. Der Profi und der Altersklassen-Athlet erleben im selben Rennen die gleichen Höhen und Tiefen. Das macht den großen Reiz dieser Sportart aus.

SPORT1: Sehen Sie eigentlich die WM-Serie der olympischen Distanz als Konkurrenz zu ihren Ironman-Rennen an?

Raelert: Nein, in keinster Weise. Das ist ebenfalls Triathlon. Wie andere Sportarten auch besteht der Triathlon aus verschiedenen Disziplinen. Ein Teil ist die olympische Distanz und der andere die Ironman-Distanz. Ich habe über Jahre hinweg die olympische Distanz betrieben und durfte zwei Mal bei den Olympischen Spielen starten. Es ist nur nicht möglich, die olympische Distanz und den Ironman gleichzeitig zu betreiben.

SPORT1: Können Sie sich vorstellen, dass Sie noch einmal auf die olympische Strecke zurückkehren oder bleiben sie bis zum Karriereende beim Iron Man?

Raelert: Ich wünschte, ich könnte noch einmal auf die olympische Distanz zurückkehren, aber das ist einfach nicht mehr möglich: Dazu bin ich zu lange aus dem Trainingsrhythmus dafür raus. Und auch auf der Olympischen Distanz hat sich die Sportart weiter entwickelt. .

SPORT1: Welche großen Ziele haben Sie in der näheren Zukunft? Das wird vor allem der Sieg auf Hawaii sein, oder?

Raelert: Also das ist ein ganz großer Traum, den ich und auch mein Bruder verfolgen. Diesen Traum wollen wir uns beide irgendwann verwirklichen. Ob wir es jemals schaffen, weiß ich nicht. Die Konkurrenz auf der Langstrecke ist unglaublich hart. Ich habe natürlich durch das letzte Rennen sehr viel Selbstvertrauen getankt. Aber ich weiß, dass Hawaii ein ganz anderes Pflaster ist und mich vor neue Herausforderungen stellt. Mit Platz zwei und drei in den letzten Jahren war ich immer knapp dran. Eine Garantie gibt es nicht, aber ich werde alles daran setzen, mir diesen Traum zu verwirklichen.

SPORT1: Jeder Erfolg hat auch seine Kehrseite. Bei Ihnen könnte es nach Ihrer Fabel-Zeit auch Diskussionen geben, ob Doping mit im Spiel war. Was antworten Sie auf solche Mutmaßungen?

Raelert: Dazu kann ich nur sagen, dass ich absolut null Toleranz habe, was das Thema Doping angeht. Seit Beginn meiner Karriere unterstütze ich das Anti-Doping-Programm tausendprozentig. Und wie ich vorher schon gesagt habe, sind wir eine vergleichsweise junge Sportart. Da sind dann eben auch noch große Entiwcklungen möglich. Ich selbst betreibe diesen Sport seit 1993, letztlich kann man also den Rekord als logische Konsequenz betrachten.

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