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Anne Haug belegte bei den Olympischen Spielen in London den 11. Platz © getty

Triathletin Anne Haug schafft Historisches und holt WM-Silber. Bei SPORT1 spricht sie über ihren Triumph und Olympia-Träume.

Von Julian Buhl

München - Gleich zweimal hat sich Anne Haug in die Geschichtsbücher des deutschen Sports eingetragen.

Als erste deutsche Triathletin überhaupt gewann sie am Wochenende im neuseeländischen Auckland ein Rennen bei der 2009 eingeführten World Championship Series über die olympische Distanz (NEWS: Haug schreibt Geschichte).

Durch ihren Triumph bei dem Saisonfinale über 1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren und 10 km Laufen sicherte sie sich gleichzeitig als erste deutsche WM-Silber in der Gesamtwertung.

Die 29-Jährige schließt damit die Saison, nach einem elften Platz bei den Olympischen Spielen in London, erfolgreich ab.

Dabei startete Haug ihre Profikarriere als Triathletin erst vor zwei Jahren, nun ist sie in der Weltspitze angekommen.

Im Interview mit SPORT1 spricht Anne Haug unter anderem über ihren Triumph in Auckland, ihren Quereinstieg und den Traum von einer olympischen Medaille.

SPORT1: Frau Haug, Sie haben in Auckland einen sehr emotionalen Moment durchlebt, als Sie mit Tränen in den Augen auf dem Siegerpodest standen. Was ist Ihnen da durch den Kopf gegangen?

Anne Haug: Ich habe da die ganze Saison ein wenig Revue passieren lassen. Ich dachte daran, wo ich letztes Jahr noch stand. Und jetzt auf einmal gewinne ich das WM-Finale. Das ist ein Sprung von Null auf Hundert. Vor der Saison habe ich mir die Top-Ten in der Gesamtwertung mal als kühnes Ziel gesetzt. Jetzt bin ich Vizeweltmeisterin. Das ist schon Wahnsinn.

SPORT1: Der Wettkampf war eigentlich typisch für Sie. Als Sie aus dem Wasser kamen, hatten Sie noch knapp eine Minute Rückstand. Geht es beim Schwimmen für Sie grundsätzlich um Schadensbegrenzung, bevor Sie in Ihren beiden Paradedisziplinen angreifen können?

Haug: Ich werde wahrscheinlich niemals eine super Schwimmerin werden. Das ist auch noch meine große Baustelle. Da kann und muss ich mich noch weiter verbessern. Klar betreibe ich da immer Schadensbegrenzung. Ziel ist immer, so wenig Rückstand wie möglich auf die Spitze zu haben. Dann muss ich mich auf ein hartes Radfahren einstellen und dann schauen, was die Beine noch beim Laufen hergeben.

SPORT1: Ist es trotzdem eine besondere Motivation für Sie, nach dem Schwimmen, die Gegnerinnen vor sich zu haben und jagen zu können?

Haug: Ich würde schon sagen, dass es ein psychologischer Vorteil ist, wenn man von hinten kommt und nicht vorne die Gejagte ist. Es motiviert ungemein, wenn man aufholt und sich nach vorne arbeiten kann.

SPORT1: Ihr Weg dorthin ist alles andere als gewöhnlich. Sie gelten als Quereinsteigerin und haben Ihre Profikarriere erst vor knapp zwei Jahren mit 28 gestartet.

Haug: Das ist schon ungewöhnlich. Ich würde aber nicht sagen, dass es ein Nachteil ist. Ich habe sportlich alles mal ausprobiert und auch das "normale" Leben, wie reguläre Schule und Universitätsabschluss, erlebt. Dann konnte ich mich ganz bewusst für den Leistungssport entscheiden. Da ist die Motivation und der Heißhunger auf Erfolg vielleicht größer, als bei manchen, die schon immer in der Leistungssportstruktur waren.

SPORT1: War der Traum von den Olympischen Spielen ein Antrieb dafür?

Haug: Die Olympischen Spiele sind der Traum eines jeden Sportlers. Aber bis vor zwei Jahren, hätte ich mich es nie gewagt, auch nur davon zu träumen. Den Wunsch Profisportlerin zu werden, hatte ich schon lange. Mir war es aber sehr wichtig zuerst mein Sportwissenschafts-Studium abzuschließen. Dann dachte ich: Jetzt habe ich eine sichere Ausbildung und kann es riskieren.

SPORT1: Nach einer durchwachsenen ersten Profisaison haben Sie sich dazu entschieden, für ein halbes Jahr zu dem Spezialisten Darren Smith ins Trainingscamp nach Canberra in Australien zu gehen. Warum?

Haug: Weil ich dachte: jetzt oder nie. Ich wollte den für mich besten Trainer und die für mich beste Trainingsgruppe finden. Damit ich nichts bereuen muss und sagen kann: Ok, ich habe jetzt mal ein Jahr alles versucht, was in meiner Macht steht, um mich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. So bin ich auf Darren Smith gestoßen.

SPORT1: Was hat sich dann verändert?

Haug: Der größte Unterschied war, dass ich dort in leistungssportliche Strukturen gekommen bin. Bei jeder Trainingseinheit war ein Trainer vor Ort. Ich war in einer Trainingsgruppe mit den besten der Welt. Du siehst dort jeden Tag, wie weit du weg bist und wo du dich noch verbessern musst. Das motiviert und inspiriert unheimlich. Man kann sich 24 Stunden nur um den Sport kümmern. Zuhause in München musste ich alles selber organisieren und habe immer alleine trainiert. Das waren ganz andere Voraussetzungen, eben Amateur-Voraussetzungen.

SPORT1: Welche Ziele haben Sie sich für die Zukunft gesetzt?

Haug: Mein Fernziel ist natürlich Rio 2016. Darauf wird jetzt wieder vier Jahre hingearbeitet.

SPORT1: Ist das Träumen vom Gewinn einer Olympischen Medaille mittlerweile erlaubt?

Haug: Ich würde lügen, wenn ich da nein sagen würde. Ich weiß, dass eine Medaille im Laufen gewonnen wird. Zurzeit gehöre ich da zu den Schnellsten. Deshalb träume ich da schon davon. Das ist meine Motivation und auch das Ziel.