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Lisa Hütthaler (r.) gewann dreimal, zuletzt 2007, den Triathlon in Klagenfurt © imago

Epo vom Kinderarzt, Parkplatz-Deals mit Bernhard Kohls Ex-Manager: Die überführte Triathletin Lisa Hütthaler packt aus.

Wien/Frankfurt - Im österreichischen Doping-Skandal hat die überführte Triathletin Lisa Hütthaler ausgepackt und tiefe Einblicke in die kriminellen Doping-Praktiken gegeben.

Dabei belastete sie sowohl den früheren Manager des gesperrten Radprofis Bernhard Kohl (Holczer: "Ich will wissen, wer dahinter steckt), Stefan Matschiner, als auch den Kinderarzt Andreas Zoubek schwer.

Sie habe von beiden Personen sowohl das Blutdopingmittel EPO als auch Wachstumshormone bezogen, sagte Hütthaler im Interview mit dem "Wiener Kurier".

Übergabe auf abgelegenem Parkplatz

Es klingt wie eine Folge aus "Tatort", wenn Hütthaler über den Doping-Sumpf spricht.

"Matschiner hat gefragt, welche Vorstellungen, welche Ziele ich habe. Danach habe ich gleich einmal die Ware bei ihm gekauft. Auf einem abgelegenen Parkplatz in Linz. Man parkt nebeneinander, steigt ins Auto und nimmt ein Sackerl mit", sagte die 25-Jährige.

"Bis zu meiner positiven Dopingprobe 2008 habe ich von Matschiner etwa fünf weitere Male Epo gekauft", erklärte die frühere U23-Europameisterin: "Da stand natürlich nicht Epo-Doping drauf, sondern 'Trainingsplan' oder so was."

Fachmann in Sachen Epo

Als Gegenleistung habe Matschiner, der als Freund des in Untersuchungshaft sitzenden Ski-Trainers Walter Mayer gilt (Mayer weiterhin in U-Haft), etwa 15.000 Euro von ihr bekommen.

Aus dem Umfeld des ehemaligen Mittelstreckenläufer Matschiners, der am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, waren in den vergangenen Monaten immer wieder Dopingsünder überführt worden, unter anderen Kohl.

Matschiner habe laut Hütthaler gewusst, "wie man Epo für den Tag X richtig einsetzt, wie viele Einheiten man nehmen muss" und ihr erklärt, "wie man EPO richtig spritzt". Matschiner soll sie auch mit dem Wachstumshormon Testosteron versorgt und zudem ihr Blut manipuliert haben.

Martin Pröll geht auf Distanz

Zur Tarnung soll sie bei ihm unter dem Decknamen Cinderella geführt worden sein. "Er hat Cindy auf den Blutbeutel geschrieben", sagte Hütthaler.

Als Folge der Doping-Enthüllungen ging am Freitag der österreichische Leichtathlet Martin Pröll auf Distanz zu Matschiner und beendete mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit mit seinem schwer belasteten Sportmanager. "Ich bin immer zu Stefan gestanden, weil es keine Beweise gegen ihn gegeben hat. Die jetzigen Aussagen sind für mich aber der Anlass, die Zusammenarbeit zu beenden", erklärte der Olympiateilnehmer von 2004 und U23-Europameister im Hindernislauf.

Der 28-Jährige erklärte zugleich, dass Matschiner ihm nie etwas angeboten und "auch keine Chance bei mir gehabt hätte".

"Dann muss man immer lügen"

Hütthaler belastete unterdessen auch den Kinderarzt Zoubek: "Er hat mir einmal Epo im St. Anna-Kinderspital gespritzt. In seinem Büro. Ich bin einfach zu ihm raufgegangen. Er hat dann die Tür zugesperrt", erklärte Hütthaler. Zudem habe Zoubek den Kontakt zu Matschiner hergestellt.

Hütthaler geriet durch ihren damaligen Freund und Ex-Trainer in die Dopingszene. "Du sitzt da wie der ärgste Junkie und haust dir die Spritze rein", sagte Hütthaler: "Und wenn man da mal richtig drin ist, muss man immer lügen. Man muss das Lügen systematisieren. Man lügt sich so sehr an, dass man irgendwann selber nicht mehr weiß, was die Wahrheit ist."

Hütthaler will mit Österreichs Nationaler Anti-Doping-Agentur (NADA) kooperieren, um die Hintermänner aufzudecken.

Gedanken ans Auswandern

"Ich werde alles, was ich weiß, bei der NADA offen legen", sagte Hütthaler. Zugleich macht sie aus ihrer Angst keinen Hehl: "Ich überlege, ob ich übersiedle."

Allerdings muss sich Hütthaler selbst in Österreich wohl vor Gericht verantworten. Bei einem möglichen Strafprozess geht es um den Vorwurf der Bestechung.

Hütthaler soll am 20. Mai 2008, als im Labor in Seibersdorf ihre B-Probe geöffnet wurde, versucht haben, eine Mitarbeiterin mit 20.000 Euro dazu zu bringen, ihre Probe zu manipulieren. Hütthaler drohen sechs Monate bis fünf Jahre Haft.

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