vergrößernverkleinern
Fabian Hambüchen gewann bei Olympia in Peking die Bronzemedaille am Reck © getty

Die Turn-Koryphäe gibt Hambüchen noch wenige Jahre bis sein letzter Rekord fällt. Boy holt seinen ersten nationalen Titel.

Frankfurt/Main - Er kam, sah und räumte ab - ein schier unersättlicher Fabian Hambüchen hat sich zum Abschluss der deutschen Kunstturn-Meisterschaften wieder einmal als Titelhamster betätigt.

48 Stunden nach seinem Triumph im Mehrkampf gewann der Reck-Weltmeister im Rahmen des Internationalen Deutschen Turnfestes in Frankfurt an den Ringen, am Barren, beim Sprung und am Reck vier weitere Goldmedaillen.

Mit 15,20 Punkten am "Königsgerät" schloss der Publikumsliebling sein ganz persönliches Turnfest mit einem Jubelschrei und geballten Fäusten ab.

Auf den Spuren von Eberhard Gienger

Vor 5000 Zuschauern in der ausverkauften Ballsporthalle empfand der Reck-Weltmeister dabei seinen ersten Sieg an den Ringen als besonders wertvoll.

"Wahnsinn, gerade da vorn zu sein", entfuhr es dem 21-Jährigen von der TSG Niedergirmes, der an diesem Gerät jahrelang der Konkurrenz hinterhergeturnt hatte.

Nun aber ist der Hesse mit insgesamt 25 nationalen Titeln der immer noch führenden lebenden Turnlegende Eberhard Gienger weiter auf den Pelz gerückt.

34 nationale Titel sammelte "Ebse", mittlerweile CDU-Bundestagsabgeordeter und Vize-Präsident im Deutschen Olympischen Sportbund.

Noch drei Jahre sieht Gienger seinen Rekord halten

"Er wird nur noch zwei bis drei Jahre brauchen, dann hat er auch meinen letzten Rekord geknackt", sagte der Ex-Weltmeister fast demütig.

Doch während der inzwischen 57-jährige Gienger seinerzeit immer hart kämpfen musste, um seine nationale Spitzenposition zu behaupten, durfte sich der Mehrkampf-Europameister von der TSG Niedergirmes taktische Manöver erlauben.

Dabei brachte er seinen hochüberlegenen Mehrkampf-Sieg mit 90,9 Punkten vor dem Unterhachinger Marcel Nguyen (86,8) und Philipp Boy aus Cottbus (86,3) nie in Gefahr.

"Am Boden und am Reck konnte ich meine Übungen ein wenig reduzieren", erklärte Hambüchen seine Vorgehensweise.

Hambüchens Pech war das Glück von Philipp Boy

Am Boden, wo er bei den europäischen Titelkämpfen im April in Mailand noch die Goldmedaille gewonnen hatte, musste er im Finale allerdings gleich zweimal die Fläche verlassen und mit Rang drei zufrieden sein.

"Irgendwie kommt Fabian hier mit dem Belag nicht zurecht", mutmaßte Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen, denn das gleiche Missgeschick war seinem Sohn schon bei der Champions Trophy am Pfingstmontag an gleicher Stelle unterlaufen.

Hambüchens Pech war das Glück von Philipp Boy. Der 21-jährige Auszubildende aus Cottbus feierte seinen ersten nationalen Titel bei den Senioren geradezu überschwänglich: "Das ist unglaublich, ich habe so lange darauf gewartet."

Leistungsdichte viel zu klein

Nicht um seinen Sohn, sondern um die Gesamtsituation der deutschen Kunstturner sorgte sich indes Wolfgang Hambüchen.

"Im Moment haben wir nur drei Spitzenturner, der Rest fällt schon ab", stellte der Coach besorgt fest.

Gerade einmal fünf Turner, so Hambüchen senior weiter, hätten mehr als 83 Punkte geturnt, in Japan seien es bei den nationalen Meisterschaften mehr als 60 Athleten gewesen, die diese Hürde gemeistert hätten.

Allerdings bleibt noch genügend Zeit, diese Defizite aufzuholen, denn die diesjährigen Weltmeisterschaften im Oktober in London sind ohne Mannschaftswettbewerb ausgeschrieben.

Die neu zusammenzustellende deutsche Riege wird sich erstmals bei den Welttitelkämpfen 2010 in Rotterdam wieder auf internationaler Ebene beweisen müssen.

Hambüchens weibliches Pendant

Hambüchens weibliches Pendant war - mit Abstrichen - Kim Bui.

Die neue deutsche Mehrkampf-Meisterin erwies sich auch am Sprung und am Boden als beste deutsche Kunstturnerin und nötigte damit Cheftrainer Ulla Koch, in der Vergangenheit nicht immer ein Fan der Tübingerin, Respekt ab: "Kim hat sich nach Olympia nicht unterkriegen lassen und ist mit viel Elan durchgestartet."

Mit einer Goldmedaille durfte auch die EM-Dritte Anja Brinker die hessische Metropole verlassen, die Herkenratherin war am Stufenbarren zumindest national eine Klasse für sich.

Am Schwebebalken setzte sich Joeline Möbius aus Chemnitz durch, die ihren ersten Wettkampf nach langer Wettkampfpause (Zehenbruch) bestritt.

Überraschungs-Meister am Seitpferd wurde der Berliner Philip Sorrer. Das Turnfest wird am Freitag mit einer Stadion-Gala in der Frankfurter WM-Arena abgeschlossen.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel