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Statt des verletzten Fabian Hambüchen sorgt Matthias Fahrig momentan für Schlagzeilen © getty

Die neue deutsche Turn-Hoffnung ist so ganz anders als der verletzte Superstar - und taugt auch als Rebell zum Sieger.

London - Nicht Fabian Hambüchen, Matthias Fahrig macht in London die Schlagzeilen.

"'Fahrig voll konzentriert' - das wär's doch", empfahl der Hallenser den deutschen Turn-Journalisten augenzwinkernd.

Bei den Weltmeisterschaften in der Olympiastadt 2012 ist der sprunggewaltige Halb-Kubaner für den verletzten Superstar Hambüchen im wahrsten Sinne des Wortes in die Bresche gesprungen.

Und Fahrig sich am Wochenende leise Hoffnungen machen, am Boden oder am Sprung seine erste WM-Medaille zu gewinnen.

Ende einer Reise zu sich selbst

Es wäre das vorläufige Ende einer jahrelangen Reise, die Fahrig einst als gerade 18-Jährigen zu Olympia 2004 nach Athen führte, aber auch vorbei an der Heim-WM 2007 in Stuttgart und Olympia 2008 in Peking.

Immer wieder schlug das lebenslustige Ausnahmetalent über die Stränge. Zechtouren im fernen Australien, nächtliche Spielrunden vor wichtigen Meisterschaften.

Irgendwann war Fahrig nicht mehr mittendrin im prallen Turnerleben, sondern völlig raus aus dem Geschäft.

Turnen auf Bewährung

Dass er dann bei Bundestrainer Andreas Hirsch ganz vorsichtig anklopfte und um einen Neuanfang bat, hat ihm der Chefcoach positiv angerechnet.

Aber ungeachtet seiner beiden diesjährigen EM-Medaillen von Mailand (Silber am Boden, Bronze am Sprung) turnt der 23-Jährige weiter auf Bewährung.

So langsam scheint allerdings sogar der misstrauische Hirsch an eine vorsichtige Wandlung seines Sorgenkindes zu glauben: "Für mich ist die Vergangenheit zunächst einmal abgehakt."

Kein Talent zum Asketen

Nicht nur Fahrigs leidgeprüfter Heimtrainer Uwe Ronneburg weiß, dass sein schwieriger Schützling nicht zum Asketen taugt.

"Nur Sport, da würde ich ja bekloppt werden", gibt Fahrig unumwunden zu. So übt er unverdrossen weiterhin nicht nur Salti und Schrauben, sondern auch den Spagat zwischen Hochleistungssport und Disco, behutsam gelenkt von Ronneburg: "Ich versuche ein wenig Einfluss zu nehmen, aber umerziehen kann ich Matze nicht mehr."

Als einen Trainingsweltmeister wie Hambüchen kann man sich Fahrig ohnehin nicht vorstellen.

Fast immer "aus dem Bauch heraus"

Während ein ganzer Clan jeden Schritt des Olympia-Dritten Hambüchen plant und organisiert, ist der angehende Sport- und Fitness-Kaufmann Fahrig sein eigener Herr. Er entscheidet "fast immer spontan aus dem Bauch heraus" - und möchte irgendwann einmal seinen leiblichen Vater auf Kuba besuchen.

Und wenn es bei den WM-Entscheidungen am Boden (Samstag/14 Uhr) oder beim Sprung (Sonntag/14 Uhr) nichts mit dem erhofften Edelmetall werden sollte, fliegt Fahrig am Montag zumindest mit dem guten Gefühl nach Hause, an einem ganz speziellen Ort gewesen zu sein: "Ich habe da geturnt, wo Michael Jackson eigentlich hätte stehen sollen."

Der verstorbene "King of Pop" hatte bekanntlich in der Londoner Arena ein Comeback mit einer Serie von Konzerten geplant.

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