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Fabian Hambüchen zog sich vor der WM einen Bänderriss zu © imago

Der lädierte Weltmeister sieht den Titel seines Kumpels Uchimura als Bestätigung seiner Zukunftspläne. Er müsse kürzertreten.

London - Als der neue Weltmeister Kohei Uchimura seinen glanzvollen Mehrkampf mit einer brillanten Reckübung abschloss, fühlte sich Fabian Hambüchen bei seiner Neuorientierung bestätigt.

"Ich muss bei meiner Termingestaltung für 2010 egoistischer werden. Bis jetzt habe ich mich zu oft auf Kompromisse eingelassen", sagte der noch amtierende Reck-Weltmeister und blickte bekümmert auf seinen lädierten linken Fuß.

Humpeln an Krücken

Denn statt seinem Kumpel, den er in jedem Sommer zu einem gemeinsamen Trainingslager in Japan besucht, ein heißes Duell um die Krone des "Turnkönigs" zu liefern, humpelte der Europameister an Krücken durch die Londoner Olympia-Arena.

Sein beim WM-Abschlusstraining vor einer knappen Woche erlittener Bänderriss, davon ist der 21-Jährige überzeugt, ist auch eine Folge der Terminhatz des Wetzlarers in der nacholympischen Saison.

"Fabian war müde"

"Schon vor sechs Wochen war Fabian etwas müde und wir haben einige Dinge abgesagt. Aber klar ist, dass wir bei PR-Terminen und Schauturnen kürzertreten müssen. Fabian muss den Spaß am Turnen behalten", gab Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen die neue Marschroute vor.

Die quasi um seinen Sohn herum konzipierte Champions Trophy steht dabei ebenso auf dem Prüfstand wie der Japan-Cup oder Bundesliga-Termine im Trikot der KTV Straubenhardt.

Uchimura glaubt an Gold

Schließlich machte der neue Champion es seinem verhinderten Herausforderer vor, wie man ganz an die Spitze kommt. Der 20 Jahre alte Ausnahmeathlet aus Tokio gilt als extrem sportfokussiert, als sein einziges Hobby ist das Lesen historischer Bücher bekannt.

"Die Goldmedaille ist mittlerweile für mich erreichbar", analysierte der Asiate kühl. Eine Sicherheitsübung am Reck, um seinen Sieg nicht zu gefährden, war für Uchimura außerhalb jeder Diskussion, er ging volles Risiko: "Dafür habe ich nicht 17 Jahre lang hart trainiert."

Die Konstanz des Olympia-Zweiten aus dem fernöstlichen Kaiserreich war derart frappierend, dass selbst Hambüchen nach Ansicht von Bundestrainer Andreas Hirsch einen schweren Stand gehabt hätte: "Uchimura zu schlagen, wäre für Fabian nicht einfach gewesen. Ansonsten hätte er hier natürlich auch eine Medaille gewinnen können."

Nguyen will ranklotzen

Von Edelmetall ist Marcel Nguyen noch weit entfernt, der Unterhachinger verpasste mit Rang zwölf auch die erstrebte Platzierung unter den Top 10.

Wie schon im Vorkampf patzte er auch im Mehrkampf-Finale ausgerechnet an seinem Paradegerät, dem Barren, und verlor dort durch einen Sturz für die Endabrechnung wichtige Punkte.

"Erst einmal müssen wir damit zufrieden sein. Wenn Marcel weiter nach vorne will, darf er keine Fehler machen", sagte Hirsch zum WM-Auftritt des 22-Jährigen.

Der Sportsoldat Nguyen, betreut vom ehemaligen Seitpferd-Weltmeister Waleri Belenki, gab sich nach seinem ersten Mehrkampf bei einem großen internationalen Championat mit Blick auf die Zukunft einsichtig und auch ein bisschen kleinlaut: "Ich habe hier gelernt, dass ich im Training noch mehr ranklotzen muss als bisher."

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