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Fabian Hambüchen gewann die Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen 2008 © getty

Der Europameister ist zurück, ein Sturz verhindert aber den großen Coup. Ein Russe schnappt sich den Champions-Trophy-Preis.

Stuttgart - Comeback gelungen, aber Nobel-Karosse verpasst: Rang zwei beim Finale der Champions Trophy in Stuttgart hat für Fabian Hambüchen nicht zum Gesamtsieg gereicht.

Mit einem schwarzen Luxusauto im Wert von 50.000 Euro durfte hingegen Maxim Dewiatowski aus der Porsche-Arena fahren. Der Russe wiederholte damit vor 4000 Zuschauern seinen Erfolg aus dem Vorjahr.

Mit einer spektakulären Flugshow am Reck schloss der 22-jährige Hambüchen seinen Wettkampf und lieferte dabei die Tageshöchstnote von 16,025 Punkten ab. Auch der Schwierigkeitswert (7,0) war absolute Spitze.

Verletzung noch spürbar

Anschließend fiel er überglücklich seinen deutschen Teamkollegen Matthias Fahrig (Halle) und Marcel Nguyen (Unterhaching) in die Arme, die mit den Plätzen drei und vier ebenfalls hochzufrieden sein konnten.

Dass der Hesse seinen vor fünf Wochen erlittenen Bänderanriss im linken Knöchel mental aber noch nicht völlig verarbeitet hatte, zeigte sich gleich zum Auftakt am Boden.

An genau der gleichen Stelle wie beim WM-Training in London fand Hambüchen keinen sicheren Stand, musste sich mit der Hand abstützen und kassierte dafür einen saftigen Punktabzug. Sein linker Fuß allerdings nahm bei diesem erneuten Missgeschick keinen weiteren Schaden.

Kontinuierlich verbessert

"Das war mehr eine Kopfsache. Fabian hat sich noch nicht richtig getraut, voll dagegenzustemmen", sagte dazu Mannschaftsarzt Bernhard Simmelbauer, in den achtziger Jahren Mitglied der deutschen Nationalriege.

Danach allerdings fing sich der Mehrkampf-Europameister, der bei der dritten Tour-Station in Hannover vor drei Wochen nur Zuschauer gewesen war, immer besser und verbesserte sich von Rang sechs nach zwei Geräten kontinuierlich.

Als zweiter Publikumsliebling neben dem Olympia-Dritten entpuppte sich Fahrig. Der Boden- und Sprungspezialist, nachträglich für diesen Mehrkampf nominiert, zeigte einen für seine Verhältnisse beachtlichen Sechskampf und spielte gekonnt mit dem Publikum.

Fortführung fraglich

Am Ende reichte es für den Halbkubaner zu Rang drei, direkt vor Nguyen.

Ob die erstmals in dieser Form ausgetragene Champions Trophy allerdings 2010 eine Neuauflage erleben wird, ist weiterhin fraglich. Die bisher erreichten Einschaltquoten bei den Live-Übertragungen stellten ARD und ZDF nicht zufrieden.

Ohne eine erneute Sendegarantie für das kommende Jahr würden wohl mehrere Sponsoren der mit insgesamt 220.000 Euro dotierten Veranstaltung abspringen.

Kim Bui mit Titel-Premiere

"Ohne das Fernsehen würde es ganz schwer werden", räumte Robert Baur, Geschäftsführer des ausrichtenden Schwäbischen Turnerbundes ein.

Cheftrainer Andreas Hirsch würde das Ende des zuschauerfreundlichen Wettbewerbs auch aus sportlicher Sicht bedauern: "Die Champions Trophy bringt gute Mehrkämpfer hervor, die wir in den kommenden Jahren auf dem Weg zu Olympia 2012 in London brauchen werden."

Im Schatten Hambüchens hatte bereits am Samstag Kim Bui den ersten Weltcupsieg ihrer Karriere eingefahren. Die 20 Jahre alte Tübingerin triumphierte am Stufenbarren und komplettierte ihre Erfolggeschichte mit einem zweiten Platz am Boden sowie Rang drei am Sprung.

"Man kann durchaus zufrieden sein"

Weltcup-Debütantin Maike Roll aus Söllingen überraschte als Zweite am Schwebebalken, Dritte am Boden wurde die Mannheimerin Elisabeth Seitz.

Teamchefin Ulla Koch war jedoch die eher durchschnittliche Besetzung der Frauen-Wettbewerbe nicht entgangen, dementsprechend relativierte sie die Platzierungen ihrer Schützlinge:

"Man kann durchaus zufrieden sein, aber wir dürfen uns jetzt nicht vormachen, dass wir schon Weltklasse sind."

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