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Fabian Hambüchen gewann bei Olympia 2008 in Peking Bronze am Reck © imago

Der Vorzeigeturner büßt seinen Status als uneingeschränkte Nummer eins im deutschen Team ein. Kritik erntet er wegen seiner Biografie.

Berlin - Verletzt am Fuß, verspottet von den Kollegen - für Fabian Hambüchen war die Luft bei den Deutschen Meisterschaften der Kunstturner in Berlin so dünn wie noch nie.

Statt wie gewohnt die nationalen Titelkämpfe fast nach Belieben zu dominieren, reichte es für den Europameister nur am Reck zu einer Goldmedaille.

Beim Mehrkampf hatte Hambüchen wegen einer Blessur an der linken Achillessehne Boden und Sprung auslassen müssen und deshalb seinen Titel nicht verteidigen können.

Hambüchen nicht nominiert

"Es war mir schon klar, dass es nicht einfach einen Durchmarsch für mich geben würde", sagte der 22-Jährige, der wegen seiner gesundheitlichen Probleme auch noch nicht fest für die Weltmeisterschaften vom 16. bis 24. Oktober nominiert wurde.

Ganz im Gegensatz zu seinem Nachfolger Marcel Nguyen: Der Unterhachinger bekam von Bundestrainer Andreas Hirsch die WM-Teilnahme bereits garantiert.

Fahrig verzichtet auf Fahrig

Der 23-Jährige sammelte bei den Gerätefinals vor 2000 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle am Barren einen weiteren Titel ein, beim Sprung und am Boden triumphierte erwartungsgemäß Boden-Europameister Matthias Fahrig.

Der Hallenser, gesundheitlich leicht angeschlagen, verzichtete allerdings auf den kürzlich nach ihm benannten "Fahrig" am Boden.

Nguyen mit Kampfansage

Nguyens Kampfansage an Hambüchen war eindeutig: "Ich möchte im nächsten Jahr meinen Mehrkampf-Titel erfolgreich verteidigen."

Meister am Seitpferd wurde Philipp Boy aus Cottbus, an den Ringen setzte sich Thomas Taranu (Straubenhardt) durch.

Harsche Kritik von Fahrig

Unverständnis und Kopfschütteln hatte schon vor den nationalen Titelkämpfen ausgelöst, dass Hambüchen mit pikanten Vorabdrucken Werbung für seine am Mittwoch erscheinende Autobiographie betrieben hatte.

"Für Literaturkritik ist in Deutschland Marcel Reich-Ranicki zuständig", sagte Rainer Brechtken, Präsident des Deutschen Turner-Bundes, noch diplomatisch.

Fahrig wurde allerdings deutlicher: "Ich weiß nicht, ob man mit 22 Jahren Anderen sein Leben erzählen muss."

Hambüchen bleibt zentrale Figur

Chefcoach Hirsch ließ keinen Zweifel daran, dass Nguyen für ihn ein sportlich würdiger Titelträger ist.

"Marcel war schon beim Japan-Cup im Juli bis auf einen Zehntelpunkt an Fabian dran", sagte der Berliner, der ungeachtet aller aktuellen Schwierigkeiten in Rotterdam eine WM-Riege um Hambüchen herumbauen will:

"Er ist und bleibt für uns eine zentrale Figur."

Seitz gewinnt vier Titel

Noch weit unersetzbarer als Hambüchen oder Nguyen bei den Männern ist bei den Frauen derzeit die neue Mehrkampf-Meisterin Elisabeth Seitz.

In einer erschreckend schwachen Konkurrenz wies die 16 Jahre alte Mannheimerin als einzige WM-Format nach und holte nach ihrem Triumph im Vierkampf in den Gerätefinals auch an Stufenbarren, Schwebebalken und Boden den Titel.

"Für mich als Cheftrainerin waren es enttäuschende Meisterschaften", sagte Ulla Koch.

Chusovitina bei WM dabei

Da mehrere ihrer Leistungsträgerinnen verletzungsbedingt bei der WM fehlen werden, kann die Bergisch Gladbacherin nach wie vor auch in Rotterdam nicht auf die Dienste von Oksana Chusovitina aus Köln verzichten.

Die Olympia-Zweite von Peking beim Sprung, inzwischen 35 Jahre alt, beschränkt sich aber auf Sprung und Schwebebalken und ist als Mehrkämpferin nicht mehr einzuplanen.

National ist die gebürtige Usbekin immer noch eine feste Größe, was sie mit Gold beim Sprung und Silber am Balken gegen zum Teil fast 20 Jahre jüngere Konkurrenten unter Beweis stellte.

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