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Elisabeth Seitz gewann bei den Deutschen Meisterschaften Gold im Mehrkampf © imago

Problemloser als erwartet haben die deutschen Turnerinnen bei der WM mit Rang 14 einen großen Schritt Richtung Olympia gemacht.

Rotterdam - Glückwünsche vom Präsidenten, Lob von der Trainerin und Anerkennung vom Sportdirektor.

Es war eine ungeteilte und ungewohnte Zuneigung zugleich, die die personell arg gerupften deutschen "Turnküken" nach ihrem Qualifikations-Wettkampf bei den Weltmeisterschaften in Rotterdam spürbar genossen.

"Erst war ich ja sehr nervös, aber dann habe ich mich richtig gut gefühlt", sagte die deutsche Mehrkampf-Meisterin Elisabeth Seitz, die den größten Anteil daran hatte, dass mit Rang 14 die erste Hürde auf dem Weg zu Olympia 2012 in London problemlos übersprungen wurde.

Ihr ganz persönliches Erfolgserlebnis feierte die Mannheimerin mit der Qualifikation für die Finals im Mehrkampf am Freitag (19 Uhr) und am Stufenbarren am Samstag (15 Uhr).

Ein Schritt Richtung Olympia

Doch diesmal war die Mannschaft der Star und Cheftrainerin Ulla Koch schlichtweg begeistert: "Rang 14 ist ein optimaler Platz zum Angriff nach vorn. Wir wurden schon totgeredet, aber es gab unerwartete Fortschritte. Ich sehe für 2011 reelle Chancen, weiter im Rennen zu bleiben."

Die nächste vorolympische Herausforderung wartet bei den Welttitelkämpfen 2011 in Tokio auf die Schützlinge der Rheinländerin.

Dort ist Rang 16 Mindestpflicht, um an der letzten Ausscheidung für London im Februar 2012 teilnehmen zu dürfen.

Rote Haare für einen Final-Platz

Wie Koch sah auch Rainer Brechtken, Präsident des Deutschen Turner-Bundes (DTB), die Mädchenriege auf einem guten Weg: "Jetzt kann noch ein Jahr intensiv gearbeitet werden. Ich bin sicher, dass da weitere Verbesserungen möglich sind."

Für einen Platz im Finale der acht besten Mannschaften am Mittwoch hätten sich die deutschen Trainerinnen sogar freiwillig die Haare rot färben lassen, doch davon waren ihre Athletinnen noch ein gutes Stück entfernt.

Deshalb gab es dann eben für jedes unerlaubte Verlassen der Bodenfläche eine rote Haarsträhne, auch Seitz kam nicht unkoloriert davon.

Rückkehr der verletzten Routiniers

Sollte in Tokio der nächste Stolperstein aus dem Weg geräumt werden, können die Olympia-Kandidatinnen Weihnachten und Silvester 2011 allerdings komplett vergessen.

"Da wird dann voll durchtrainiert, Kienbaum ist schon gebucht", kündigte DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam unmissverständlich an.

Der für Turner ungewohnte Wettkampftermin der letzten Olympia-Ausscheidung im Februar 2012 macht diese familienfeindliche Maßnahme unumgänglich.

Bis dahin rechnet man beim DTB auch fest mit der Rückkehr der momentan verletzten Routiniers Marie-Sophie Hindermann und Kim Bui (beide Tübingen) sowie Anja Brinker (Langenhagen) und damit auch mit mehr Erfahrung im Team.

Aus für Chusuvitina

Im Ahoy-Sportpalast beispielsweise war WM-Debütantin Lisa-Katharina Hill aus Chemnitz so nervös, dass sie beim Sprung die Markierung ihrer Anlauflinie vergaß, daraufhin beim Einturnen mit einem Tisch kollidierte und eine schmerzhafte eine Fleischwunde am Rücken erlitt.

Nach dem Wettkampf wurde die Wunde mit einem Spezialpflaster geklammert, genäht werden musste sie nicht.

Unverletzt, aber geknickt verließ Oksana Chusuvitina die Halle.

Die mittlerweile 35 Jahre alte Wahl-Kölnerin verpatzte bei ihrer zehnten WM ihren Sprung und fehlte damit bei der Medaillentscheidung am Samstag. Erklären konnte sie ihren Fauxpas nicht.

"Ich denke aber, dass ich der Mannschaft trotzdem ein bisschen helfen konnte, auch am Schwebebalken", sagte die Olympia-Zweite von Peking tapfer.

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