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Fabian Hambüchen gewann bei Olympia 2008 Bronze am Reck © imago

Der deutsche Vorzeigeturner wischt alle Zweifel beiseite und führt Deutschland ins WM-Finale. Doch ihm droht interne Konkurrenz.

Rotterdam - Den Urschrei überließ er diesmal Mentaltrainer und Onkel Bruno Hambüchen, stattdessen boxte Neffe Fabian immer wieder seine Fäuste in die Luft.

"Da wäre wohl selbst ein Klitschko bei einem Treffer von mir auf der Intensivstation gelandet", sagte Fabian Hambüchen bei der Kunstturn-WM in Rotterdam.

Von wegen Krise. Mit dem besten Wettkampf des Jahres wischte er zugleich alle Zweifel vom Tisch: "Ich fühle mich an allen Geräten super."

Häme über seine kürzlich veröffentlichte Autobiografie, Kritik an seiner Sonderrolle in der deutschen Riege - das Rudel der Teamkollegen hatte in den vergangenen Wochen begonnen, nach dem über Jahre unumstrittenen Leitwolf zu schnappen.

Doch in Rotterdam zeigte Hambüchen seine Zähne, biss im positiven Sinne zurück und führte das deutsche Sextett auf Rang fünf und damit in die Team-Entscheidung am Donnerstag (17 Uhr).

Verletzung als Vorteil

Und sich selbst ganz unproblematisch in die Medaillenentscheidungen am Reck und erstmals auch am Barren.

Dabei geriet dem 22-Jährigen die entzündete linke Achillessehne, wegen der er auf einen Start am Boden und beim Sprung verzichtet hatte, letztlich sogar zum Vorteil: "Ich habe am Ende positiv gespürt, dass mir meine Bodenübung nicht in den Knochen steckte. Meine Entscheidung, nur vier Geräte zu turnen, war goldrichtig."

Fahrig: "Es kotzt mich einfach nur an"

Pech für die deutsche Riege und vor allem für Matthias Fahrig selbst, dass der Boden-Europameister dieses Vakuum nicht füllen konnte.

Sowohl am Boden als auch am Sprung verpasste er die Final-Qualifikation und war anschließend am Boden zerstört: "Gerade am Boden waren die Noten sehr niedrig, es wäre so leicht gewesen, ins Finale zu kommen. Es kotzt mich einfach nur an, wie schlecht ich war. Und ich konnte der Mannschaft nicht mehr richtig helfen."

Trainer nimmt Fahrig in Schutz

Bundestrainer Andreas Hirsch sah sich daraufhin genötigt, den 24-Jährigen auch im Hinblick auf das Teamfinale neu zu motivieren.

"Noch vor einem halben Jahr haben wir 'Matze' gefeiert, diesmal ist er untergegangen. Glück und Pech liegen eben oft sehr dicht beieinander. Wir wollen nicht vergessen, dass er wegen seiner Zahnprobleme zehn Tage lang Antibiotika nehmen musste", nahm er Fahrig in Schutz.

Umso zufriedener war der Chefcoach mit dem neuen alten Hambüchen: "Fabian hat an Leichtigkeit dazugewonnen, besonders seine Flieger am Reck sehen nicht mehr so gekämpft aus."

Konkurrenz aus dem eigenen Team

Dennoch ist ein Medaillengewinn für den Mehrkampf-Europameister im Finale am "Königsgerät" am Sonntag (16.50 Uhr) alles andere als ein Selbstgänger.

Nicht nur die internationale Konkurrenz, auch Teamkollege Philipp Boy präsentierte sich in der Mannschafts-Qualifikation in glänzender Verfassung.

Der Zeitsoldat aus Cottbus erreichte nicht nur erstmals in seiner Karriere ein WM-Finale, ihm gelang auch in der Mehrkampf-Qualifikation ein sensationeller zweiter Platz, bezwungen nur von Titelverteidiger Kohei Uchimura aus Japan, "der wunderschön und in einer eigenen Liga turnt", so Boy.

Noch Luft nach oben bei Boy

"Ein paar Sachen habe ich für das Finale am Freitag sogar noch offengelassen. Ich bin in einer guten körperlichen Verfassung, deshalb glaube ich auch an eine gute Leistung", sagte der Lausitzer.

Nicht zum ersten Mal hat er die Chance, einen zumindest kleinen Schritt aus dem großen Schatten Hambüchens zu machen.

Vielleicht gerade deshalb schreckte Hirsch vor allzu euphorischen Äußerungen über den 23-Jährigen zurück: "Schön, dass er diesmal in diesem Bereich gelandet ist. Aber ich denke, dass Philipp das erstmal verarbeiten muss."

Nguyen fehlt wegen Beinbruch

Vielleicht durch eine Leistungsbestätigung im Team-Finale, mit dessen Erreichen der Mannschafts-Europameister das Planziel schon erfüllt hat.

Und das mit einer Riege, die Hirsch ohne jede Despektierlichkeit als "nicht unser Dream Team" klassifizierte.

Denn dem neuen deutschen Mehrkampf-Meister Marcel Nguyen (Unterhaching), der beim WM-Testländerkampf in Schaffhausen das Bein gebrochen hatte, blieb von zu Hause aus nicht mehr übrig, als eine Glückwunsch-SMS zu schreiben.

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