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Der 23-Jährige Phillipp Boy gewann bereits Bronze mit der Mannschaft © getty

Der neue Vizeweltmeister schenkt den kleinen Zipperlein aber wenig Beachtung - und schielt nun auf eine Krönung am Reck.

Rotterdam - Oh Boy! - nach 18 Übungen binnen drei Tagen kämpfte Philipp Boy am Samstag weniger gegen die Nachwirkungen einer kurzen Nacht.

Vielmehr plagte den neuen Vize-Weltmeister im Mehrkampf ein gehöriger Muskelkater.

"Den muss ich jetzt schnell wieder wegtrainieren", sagte der 23-Jährige aus Cottbus, ehe es wieder in die Übungshalle ging. Schließlich ist der überaus positive WM-Stress für den Zeitsoldaten noch nicht vorbei:

Nach Bronze mit der Mannschaft und Silber im Sechskampf hinter dem alten und neuen Champion Kohei Uchimura aus Japan wäre am Sonntag (16.50 Uhr) ein Titel am Reck die Krönung einer grandiosen Weltmeisterschaft.

Aus Hambüchens Schatten heraus

Doch daran mag Boy nicht wirklich glauben: "Es wäre natürlich schön, aber ich könnte jetzt schon mit einem guten Gewissen nach Hause fahren."

Einer der sieben hochkarätigen Konkurrenten am Königsgerät ist schließlich auch Fabian Hambüchen (Niedergirmes), aus dessen Schatten der Lausitzer im Ahoy-Sportpalast von Rotterdam erstmals heraustreten konnte.

Es geht also zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Typen auf und neben dem Turnpodium auch um den Platz an der Sonne in der öffentlichen Wahrnehmung, nachdem sie im Team-Wettbewerb noch gemeinsam mit Erfolg um Edelmetall kämpften.

"Jeder wird Tunnelblick einschalten"

"Jeder von uns wird seinen Tunnelblick einschalten, das ist völlig normal", sagt Mehrkampf-Europameister Hambüchen, der bei der WM verletzungsbedingt (Achillessehne) auf Boden und Sprung verzichten musste.

Auch Boy geht nüchtern an die Entscheidung heran: "Keiner hat etwas zu verschenken."

Es wird auch taktiert werden, Hambüchen muss als Sechster ans Gerät, unmittelbar gefolgt von Boy, ehe der starke Chinese Zhang Chenglong - 2009 Zweiter am Reck beim DTB-Pokal in Stuttgart - den Schlusspunkt setzt.

Ehrung als elegantester Turner

Hambüchen hat allerdings noch ein zweites Eisen im Feuer, einen Tag vor seinem 23. Geburtstag hat er sich auch für den Endkampf am Barren (15.30 Uhr) qualifiziert.

Eine weitere Auszeichnung kann Boy aber keiner mehr nehmen.

Zusammen mit der Japanerin Rie Tanaka wurde der deutsche Seitpferd-Meister als elegantester Turner dieser Welttitelkämpfe geehrt, mit einer wertvollen Schweizer Uhr und einem Scheck über 5000 Euro als angenehme Draufgabe.

Schwiegervater in spe einziger Sponsor

Nicht wenig Geld für den Mannschafts-Europameister, dessen einziger Sponsor bislang sein Schwiegervater in spe ist.

Bundestrainer Andreas Hirsch schätzt an Boy, den er seit dessem zehnten Lebensjahr kennt, besonders die absolute Professionalität.

"Was Disziplin angeht, duldet Philipp keinerlei Schwäche, deshalb ist ihm dieser Erfolg zu gönnen. In Rotterdam ist aus Talent ein Resultat geworden", sagte der Chefcoach.

Früher mentale Probleme

An der physischen Stärke Boys habe er ohnehin nie Zweifel gehabt.

Eher war die psychische Seite das Problem: "Was das Mentale angeht, haben wir oft miteinander kämpfen müssen", so Hirsch.

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