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Fabian Hambüchen wurde 2009 Mehrkampf-Europameister © imago

Mit Bronze am Königsgerät wehrt Fabian Hambüchen bei der WM in Rotterdam den Ansturm von Kronprinz Phillipp Boy gerade nochmal ab.

Rotterdam - Als um Mitternacht im Cruise Terminal von Rotterdam auf seinen 23. Geburtstag angestoßen wurde, war die Anspannung von Fabian Hambüchen längst wieder abgefallen.

"Mit der Bronzemedaille am Reck habe ich mir selbst ein geiles Geschenk gemacht. Die Freude auf die nächsten Wettkämpfe ist riesig, ich bin wieder 'back on stage' sozusagen", formulierte der Mehrkampf-Europameister seine ganz persönliche Kampfansage.

Die ungewohnte Herausforderung durch Philipp Boy, der im Mehrkampf der WM in Rotterdam mit Rang zwei die Platzierung Hambüchens von 2007 in Stuttgart wiederholt hatte und auch am "Königsgerät" nur um eine Winzigkeit geschlagen Vierter wurde, hatte dem Hessen doch mehr zugesetzt als er nach außen hin zugeben mochte.

Nach sechs Jahren als Deutschlands Turnkönig rüttelte im Ahoy-Sportpalast nicht nur Boy kräftig an Hambüchens Thron.

"Händchen halten nicht leistungsfördernd"

Kleine Reibereien können für die sportlichen Perspektiven der deutschen Kunstturner durchaus förderlich sein, solange sie nicht aus dem Ruder laufen.

So sieht es auch Bundestrainer Andreas Hirsch: "Nur im Kreis stehen und Händchen halten, ist auch nicht leistungsfördernd. Wenn wir zwischendurch mal Luft holen und am Boden bleiben, haben wir eine gute Basis für die nächsten Jahre."

Trainer als Gewinner

Der Chefcoach ist der große Gewinner der WM-Tage von Rotterdam.

Hambüchens Ehrgeiz wurde neu angestachelt, Boy sieht die Chance, dauerhaft aus dessen Schatten zu treten, und Spezialist Matthias Fahrig wird noch einige Gelegenheiten bekommen, am Boden und am Sprung Medaillen zu sammeln.

Auch der in Rotterdam wegen eines Beinbruchs fehlende deutsche Mehrkampf-Meister Marcel Nguyen wird wieder mit Macht ins Team drängen. In eine Riege, die auch ohne den Unterhachinger WM-Dritter hinter den asiatischen Turn-Großmächten China und Japan wurde.

Professionalität zahlt sich aus

Boy jedenfalls machte deutlich, dass er die Kronprinzenrolle von ganzem Herzen leid ist.

Zu oft hatte sich der hochtalentierte Athlet geärgert, wenn er aufgrund eigener Nervenschwäche den Führungsanspruch Hambüchens selbst zementiert hatte.

Den daraus resultierenden Neid hat Boy mittlerweile hochprofessionell in leistungsfördernde Bahnen gelenkt. Der 23-Jährige schmiss seine Ausbildung zum Bankkaufmann, wurde bei der Bundeswehr zum Vollzeitathleten und hat einen Berater angeheuert.

Steigerung angekündigt

Und auch an den sechs Geräten will der Lausitzer hart arbeiten, um irgendwann mal im direkten Vergleich einen Mehrkampf gegen Hambüchen zu gewinnen, wohl wissend, dass der auf interne Konkurrenz in der Königsdisziplin besonders unwirsch reagiert.

"Ich bin sicher, dass ich noch härter und intensiver trainieren kann", sagte Boy.

Hambüchen ungeduldig

Genau das will auch Hambüchen tun, wenn seine Achillessehnen-Reizung im linken Fuß, die einen Mehrkampf-Start bei der WM nicht zuließ, restlos ausgeheilt ist.

"Ich bin richtig ungeduldig, weil ich wissen will, was ich für 2011 und 2012 noch draufpacken kann", sagte der Olympia-Dritte von Peking.

Dennoch ist Geduld gefragt, denn im vergangenen Jahr erlag der ehemalige Reck-Weltmeister den finanziellen Verlockungen der Champions Trophy und begann nach einer Bänderverletzung zu früh mit dem Training. Die Folgen waren monatelang unübersehbar.

Erstes Duell bei EM 2011

Und so werden sich Hambüchen und Boy sowohl beim DTB-Pokal vom 12. bis 14. Dezember in Stuttgart als auch beim Bundesliga-Finale zwei Wochen später in Berlin nur an einzelnen Geräten duellieren.

Das erste Kräftemessen im Mehrkampf wird es erst bei den europäischen Titelkämpfen im April 2011 in Berlin geben.

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