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Fabian Hambüchen wurde in Stuttgart Reck-Weltmeister © getty

Der Reck-Weltmeister hat das Olympia-Desaster von Peking abgehakt. Jetzt hat der beste deutsche Turner wieder große Pläne.

München - Der Frust ist abgebaut, die Lust wieder da und Fabian Hambüchen weiß mittlerweile auch, was in Peking schiefgelaufen ist.

"Ich war angespannt, nervös und viel zu verbissen. Die Lockerheit war weg", sagt der Reck-Weltmeister im Rückblick auf seine olympischen Tage, die mit einer riesigen persönlichen Enttäuschung endeten.

Der Topfavorit griff am "Königsgerät" an der fest eingeplanten Goldmedaille vorbei, ein dritter Platz war da zunächst nicht mehr als ein desillusionierender Trostpreis.

Doch mittlerweile hat die Bronzemedaille einen Ehrenplatz in seinem Zimmer im heimischen Blasbach.

Resultat des Reifeprozesses

Resultat eines Reifeprozesses, den der 21-Jährige nach Olympia schmerzlich durchleben musste: "Der Goldtraum ist immer noch vorhanden und einfach um vier Jahre verschoben. Immerhin habe ich aber schon Bronze, und das kann mir keiner mehr nehmen. Als ich das vor kurzem realisiert habe, habe ich mich dann doch mächtig gefreut."

Und so ist der DTB-Pokal am Wochenende in Stuttgart so etwas wie der erste kurze Schritt auf dem langen Weg zu Olympia 2012 in London.

Beim gemeinsamen Urlaub mit Freundin Viktoria hat der Ausnahme-Athlet die Akkus wieder derart gut aufladen können, dass seine Form vor dem Weltcup-Turnier in der Porsche-Arena besser kaum sein könnte.

Weltklassepunktzahl erreicht

Am vergangenen Wochenende erturnte Hambüchen in der Bundesliga für die KTV Straubenhardt die Weltklassepunktzahl von 93,15 Zählern.

Auch der in Peking ausgebrochene Streit zwischen Hambüchen und seinem Vater Wolfgang auf der einen sowie dem Deutschen Turner-Bund (DTB) auf der anderen Seite ist weitgehend beigelegt - vorerst.

Heftigst kritisiert hatten die Hambüchens Äußerungen von DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam, Hambüchen junior sei schon vor den Spielen nicht in optimaler Verfassung gewesen, sogar der Rücktritt des Funktionärs war gefordert worden.

Eigene Wege

"Erstmal ist das Thema für mich erledigt", erklärt Deutschlands Sportler des Jahres, doch klar ist auch, dass Hambüchen in den kommenden Jahren noch mehr als bisher schon seine eigenen Wege gehen wird.

So hat er beispielsweise sein Mitwirken bei der Premiere der DTB-Show "The Blue" zugesagt. Ob der Reck-Europameister allerdings die deutschen Farben beim Weltcup-Finale in Madrid vertreten wird oder beim Bundesliga-Endkampf für Straubenhardt an die Geräte geht, ist noch offen.

Um diese und andere Fragen zu klären, ist für Freitag ein Gespräch mit der DTB-Führung angesetzt, an der auch Hambüchens Manager Klaus Kärcher teilnehmen wird.

Bald kein Vollprofi mehr

DTB-Präsident Rainer Brechtken erwartet allerdings nicht, dass es zu neuen Schärfen kommt: "Ich sehe dieser Unterhaltung mit Ruhe und Gelassenheit entgegen."

Ein Ergebnis dieser Unterredung wird auch sein, dass es den turnenden Vollprofi Hambüchen auf absehbare Zeit nicht mehr geben wird. Denn auch wenn der Hesse noch bis 2016 turnen möchte, irgendwann beginnt sein zweites Leben außerhalb der Sporthallen.

Und deshalb "brauche ich auch etwas für den Kopf", wie der Modellathlet dem "kicker" verriet. Konkret ist das ein Fernstudium der Betriebswirtschaft, das im März beginnen soll.

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