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Fabian Hambüchen wurde 2007 Weltmeister am Reck in Stuttgart © getty

Nach seiner Fingerverletzung und einer drohenden Operation erhebt das Team Hambüchen schwere Vorwürfe gegen den Mannschaftsarzt.

Von Felix Götz

München - Eigentlich sind die Olympischen Spiele in Peking seit fast drei Monaten Geschichte.

Nicht für Fabian Hambüchen: Den 21-Jährigen verfolgen die für ihn auf ganzer Linie enttäuschenden Spiele wie ein Schatten.

Jetzt attackiert Hambüchen den deutschen Mannschaftsarzt im Olympiateam, Hans-Peter Boschert.

Der Grund: Bei einer Untersuchung am Rande des Weltcups vergangene Woche in Stuttgart stellte man beim Reck-Weltmeister einen Sehnenriss und eine Knochenabsplitterung im kleinen Finger fest. Er muss wohl operiert werden.

Hambüchen reagiert geschockt

Die Verletzung soll von Olympia stammen und nicht richtig behandelt worden sein. Das behaupten jedenfalls die Hambüchens.

Während Hambüchen einfach nur "geschockt" war, sprach sein Vater und Trainer Wolfgang als Erster von einer Fehldiagnose.

Manager Klaus Kärcher erhob daraufhin gegen Boschert schwere Vorwürfe. "Eine Unverschämtheit. Das lässt die verpasste Goldmedaille in einem anderen Licht erscheinen", wetterte Kärcher.

"Das einzig Richtige getan"

Boschert ist sich keiner Schuld bewusst: "Ich habe das einzig Richtige und Machbare getan. Für eine andere Behandlung hätte man Fabian aus dem Wettbewerb nehmen müssen."

Hambüchen hätte sich gewünscht, dass man ihm wenigstens gesagt hätte, "dass man nach Peking noch mal genau nachsehen muss".

Siege am Boden und am Reck

Trotz des Handicaps gewann der Kunstturner in Stuttgart am Boden und am Reck, und die Verletzung schien ihn dabei nicht wirklich zu behindern. (Doppelsieg mit Schmerzen)

Wahrscheinlich konnte der junge Hambüchen dem ungeheuren Druck, der vor und während Olympia auf ihn ausgeübt wurde, einfach nicht standhalten.

Dafür spricht auch, dass er auf die Kritik von DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam nach Olympia so dünnhäutig reagierte.

Ablösung gefordert

"Er war seit längerem am Reck nicht in optimaler Verfassung", hatte Willam damals gesagt.

Hambüchen reagierte darauf mit Drohungen: "Er wird schon sehen, dass wir in Zukunft immer mehr unser eigenes Ding machen."

Und sein Vater war sogar noch weiter gegangen und hatte über die Medien die Ablösung des Sportdirektors gefordert.

Inzwischen hatte sich die Situation zwischen DTB und den Hambüchens leidlich entspannt. DTB-Präsident Rainer Brechtken sagte im Hinblick auf die Vorbereitung für die nächsten Großereignisse: "Darauf, was wir besser machen können, hat auch Wolfgang Hambüchen Einfluss." Jetzt droht neuer Ärger.

Platz 3 im Sechskampf

Beim Sechskampf kam Fabian Hambüchen auf den 3. Platz.

"Ich habe die Superstimmung richtig ausgekostet und genossen. Der Spaß am Turnen ist wieder da und mittlerweile bin ich richtig stolz auf meine Bronzemedaille von Peking", sagte Deutschlands "Sportler des Jahres", der bei der letzten Übung der gesamten Veranstaltung beim Kolman-Salto die Stange verfehlte und stürzte.

Mit 91,550 Punkten lag der Vize-Weltmeister vor 4000 Zuschauern in der Porsche-Arena am Ende hinter Maxim Dewiatowski aus Russland (92,.000) und dem Japaner Hisahi Mizutori (91,700). Philipp Boy aus Cottbus (87,750) belegte den achten und letzten Platz.

Absteiger am Seitpferd

Nach einem Absteiger am Seitpferd war Hambüchen zwischenzeitlich bis auf Rang fünf zurückgefallen, arbeitete sich aber von Durchgang zu Durchgang nach vorne.

Doch ein knapper Vorsprung vor dem Gang ans "Königsgerät" reichte letztlich nicht zum mit 15.000 Euro dotierten Sieg.

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