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Philipp Boy holte 2010 bei der Turn-WM in Rotterdam Silber im Mehrkampf-Einzel © getty

In Abwesenheit von Fabian Hambüchen rückt der unglamouröse Philipp Boy endgültig ins Rampenlicht. "Zickenkrieg" will er nicht.

Hamburg - Boy ohne Group.

Als Turnsolist beginnt für Philipp Boy am Samstag der lange Weg zu weiteren sportlichen Erfolgen und gesteigerter Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.

Denn während Medienliebling Fabian Hambüchen nach seinem Achillessehnenriss noch monatelang um ein Comeback kämpfen muss, fühlt sich der Vize-Weltmeister im Mehrkampf in guter Verfassung.

Und darf sich am Samstag beim Weltcup-Auftakt in Jacksonville/Florida erstmals beweisen.

"Ich bin gut vorbereitet. Aber da ich meine Übungen zum Teil ausgebaut habe, weiß ich natürlich nicht genau, wie es laufen wird", sagt der 23-Jährige.

Berlin als erster Höhepunkt

Der Lausitzer hat sich nach seinem WM-Erfolg in Rotterdam lediglich einen viertägigen Wellness-Urlaub in Bad Saarow gegönnt, seither schuftet der Zeitsoldat hart für einen guten Start in die vorolympische Saison.

Deren erster Höhepunkt die Europameisterschaften vom 6. bis 10. April in Berlin sein werden.

Auch dort wird Hambüchen fehlen, die Rolle des Vorturners fällt Boy zu. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

"Werde Fabian nicht kopieren"

Er nimmt sie gerne an, will sie aber anders interpretieren als sein gleichaltriger nationaler Rivale: "Ich werde einen Fabian Hambüchen nicht kopieren. Fast jeder kennt ihn, er war als Erster da, er hat eine andere Philosphie."

Freunde fürs Leben werden die beiden so unterschiedlichen Gerätartisten nicht mehr werden, wissen aber ganz genau, dass sie sich spätestens bei den Welttitelkämpfen im Oktober in Tokio im Sinne einer erfolgreichen Olympia-Qualifikation zusammenraufen müssen.

"International sind wir ein Team, Zickenkrieg wie damals bei den Eisschnellläuferinnen brauchen wir nicht", stellt der Cottbuser klar.

Öffentliche Aufmerksamkeit nimmt zu

Ungeachtet des harten Trainings hat das in Schwedt geborene Ausnahmetalent den frischen Ruhm genutzt und zunehmend die Öffentlichkeit außerhalb des Kunstturnens gesucht und auch mehr und mehr gefunden.

Eine eigene Homepage ist mittlerweile ebenso selbstverständlich wie ein persönliches Management.

Ein exklusives Foto-Shooting über den Dächern von Frankfurt/Main für das Modemagazin GQ Style gehörte dazu und auch beim Ball des Sports in Wiesbaden brachte sich Boy mit einer Turnshow bei Medien und potenziellen Sponsoren in Erinnerung.

"Promi-Dinner ist nichts für mich"

Doch mit solchen Auftritten ist für den Mannschafts-Europameister das Ende der Reckstange schon erreicht: "Turmspringen oder Promi-Dinner im TV - das ist nichts für mich."

Und auch eine Autobiografie, wie sie Hambüchen im vergangenen September auf den Büchermarkt brachte, liegt für Boy außerhalb der eigenen Vorstellungskraft.

Vorstellen kann er sich hingegen eine EM-Atmosphäre in der Max-Schmeling-Halle, die der Begeisterung bei der WM 2007 in Stuttgart sehr nahe kommt.

"Es kann sensationell dort werden. Berlin ist eine Stadt, die ich liebe und in der ich viele Wochenenden verbringe", sagt der Schützling von Trainer Carsten Oelsch hoffnungsvoll.

In Cottbus als Lokalmatador

Das übernächste Wochenende allerdings wird Boy in seiner Heimatstadt Cottbus verbringen.

Zwar zählt das traditionsreiche Turnier der Meister nicht mehr zur Weltcup-Serie, dennoch stand eine Teilnahme des Lokalmatadoren nie in Frage: "Hier ist schließlich mein Lebensmittelpunkt, hier möchte ich nie weg."

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