vergrößernverkleinern
Philipp Boy gewann 2010 bei der EM in Birmingham Gold mit der Mannschaft © getty

Die deutschen Turner gehen mit großen Ambitionen in die Heim-EM in Berlin. Philipp Boy will Hambüchen im Mehrkampf beerben.

München/Berlin - Auch ohne Fabian Hambüchen ist die deutsche "Boygroup" bei der Heim-EM in Berlin absolut hitverdächtig.

"Das Publikum ist für Deutschland und will Deutschland kämpfen sehen. Ich erwarte eine tolle Stimmung", sagt Vize-Weltmeister Philipp Boy vor den Kunstturn-Titelkämpfen, die am Mittwoch in Berlin beginnen.

Der Cottbuser hat die große Chance, in der Max-Schmeling-Halle erstmals aus dem Schatten seines internen Rivalen Hambüchen zu treten, der knapp drei Monate nach seinem Achillessehnenriss nur als TV-Experte in der Hauptstadt zum Einsatz kommen wird.

Gold-Hoffnung im Mehrkampf und am Reck

Der 23-jährige Boy könnte im Mehrkampf als neuer Europameister zum direkten Nachfolger des außer Gefecht gesetzten Titelverteidigers avancieren.

Auch am Reck ist der Lausitzer absolute Weltklasse, wie er erst am vergangenen Wochenende bei der EM-Generalprobe in Dessau bewies.

Boy: "Ich war noch nie Europameister und werde auf jeden Fall auf Angriff turnen und volles Risiko gehen."

Boy bleibt realistisch

Nach seinen letztjährigen WM-Erfolgen in Rotterdam, die ihm sogar die Wahl zum Sportler des Monats Oktober eintrugen, hat Boy gegen Hambüchen auch in der öffentlichen Wahrnehmung durchaus aufgeholt. (Verpatzte Generalprobe für DTB-Jungs)

Eingeholt hat der Zeitsoldat Vollprofi Hambüchen aber noch nicht.

"Es war ein schönes Gefühl, zu den Galas eingeladen zu werden, ich wollte einfach mal haben, was der Andere hat. Aber ich brauche auch noch zwei, drei Erfolge, um für die Medien noch attraktiver zu sein", sagt der Schützling von Trainer Karsten Oelsch und beweist damit Realitätssinn.

Fahrig bei der Bundeswehr

Ähnlich schmerzlich wie der Ausfall Hambüchens ist für Chefcoach Andreas Hirsch das Fehlen des sprunggewaltigen Hallensers Matthias Fahrig, der seine Grundausbildung bei der Bundeswehr absolviert.

Dagegen will Marcel Nguyen nach seinem im September erlittenen Wadenbeinbruch wieder nach EM-Medaillen greifen, besonders am Reck rechnet sich der Unterhachinger etwas aus: "Im Großen und Ganzen bin ich wieder stabil."

Medaillenkandidatin "Queen Mum"

Mit konstant guten Leistungen hat in den vergangenen Wochen auch Oksana Chusovitina aufgewartet. Auch mit fast 36 Jahren ist die "Queen Mum" des deutschen Kunstturnens drei Jahre nach olympischem Silber im Peking am Sprung weiterhin eine Medaillenkandidatin.

Eine Erklärung für diese phänomenalen Leistungen? "Habe ich nicht, ich liebe einfach diesen Sport. Vielleicht mache ich ja noch weiter, bis ich 40 bin."

Seitz mit Medaillenchance

Bundestrainerin Ulla Koch freut sich auf den EM-Auftritt der Wahl-Kölnerin, die ihr mittlerweile als Trainerin der Nationalriege ihres Geburtslandes Usbekistan sogar Konkurrenz macht.

Für die Zukunft im deutschen Frauen-Team steht die deutsche Mehrkampf-Meisterin Elisabeth Seitz aus Mannheim, die als WM-Achte am Stufenbarren zumindest an diesem Gerät bei den europäischen Titelkämpfen nicht ohne jede Medaillenchance ist.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel