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Marcel Nguyen ist Sohn eines Vietnamesen und einer Deutschen © getty

Der Unterhachinger sorgt zum EM-Abschluss für einen weiteren Paukenschlag, triumphiert am Barren. Boy holt SIlber am Reck.

Berlin - Marcel Nguyen ließ sich von seinem Trainer Waleri Belenki durch die Halle tragen und streckte dem jubelnden Zuschauer immer wieder die Siegerfaust entgegen.

Der 23-Jährige sorgte am Abschlusstag der Turn-EM mit Gold am Barren für die große Überraschung und stahl Philipp Boy die Schau.

Der Cottbuser Boy musste sich zwei Tage nach seinem phänomenalen Triumph im Mehrkampf am Reck mit Platz zwei begnügen. Nguyen wurde am Königsgerät Dritter.

"Zu Hause Europameister zu werden, dass ist ein Hammer-Gefühl. Und dazu noch Bronze am Reck, was ich will ich mehr", sagte Nguyen.

Auch Boy war einigermaßen zufrieden mit Silber. "Das war ein perfektes Ende für mich. Ich habe ein wenig von den Fehlern der anderen profitiert", sagte der Lausitzer, der sich am Reck mit 15, 575 Punkten nur dem Niederländer Epke Zonderland (15,575) geschlagen geben musste.

Erwartungen übertroffen

Auch ohne Gold am Reck konnten die Gastgeber mit der EM-Bilanz mehr als zufrieden sein. In Abwesenheit des verletzten Superstars Fabian Hambüchen und von Europameister Matthias Fahrig holten die Männer vier Medaillen.

Auch die Frauen übertrafen mit drei Medaillen die Erwartungen und sorgten für das beste EM-Ergebnis seit 1985. "Wir sind mehr als zufrieden", sagte DTB-Präsident Rainer Brechtken.

Für das Glanzstück sorgte Nguyen. Der Sportsoldat aus Unterhaching holte am Barren 15,525 Punkte und verwies Epke Zonderland (Niederlande) und Vasileios Tsolakidis (Griechenland) auf die Plätze zwei und drei.

Nguyens Exklusiv-Tsukahara

Der 23-Jährige turnte seine schwierigen Übungsteile wieder mit großer Leichtigkeit, zeigte vier Flugteile und glänzte mit einem gelungenen Tsukahara zum Abgang. Dieses Element zum Ende einer Barren-Übung hat Nguyen in der Weltspitze exklusiv.

"Das war bombig. Ich habe eine Super-Übung geturnt. Ich musste vorlegen. Das war gar nicht so schlecht für mich", sagte der neue EM-Champion.

Schon im Mehrkampf hatte der 1,62 m kleine Turner mit spektakulären Übungen auf sich aufmerksam gemacht. Allerdings sprang dort nur der sechste Platz heraus.

Wadenbeinbruch noch im Herbst

Erst im vergangenen Herbst hatte Nguyen beim Dreiländerkampf in Schaffhausen einen Wadenbeinbruch erlitten und danach monatelang pausieren müssen.

Vor 6600 Zuschauern fehlte Boy zum Abschluss am Reck die nötige Kraft. Der 23-Jährige musste vorlegen und ging wieder hohes Risiko. Der Lausitzer turnte seine Übungen nicht ganz so perket wie üblich.

Auch beim Abgang gab es einige Abzüge, so dass er am Ende an Doppel-Gold vorbeiturnte.

Bundestrainerin Koch "sprachlos"

Angeführt von der neuen Vize-Europameisterin Elisabeth Seitz aus Mannheim traten die wiedererstarkten Frauen endlich aus dem Schatten der Männer.

Neben Seitz (Mehrkampf) sicherten sich Oksana Chusovitina (Sprung) Silber und Kim Bui (Stufenbarren) Bronze und machten die EM für die Frauen zu einem "deutschen Turnfest".

"Ich bin sprachlos", sagte Bundestrainerin Ulla Koch über die Erfolgsserie ihrer Schützlinge. "Wir haben genau die richtigen Mädels nominiert. Alle drei Finalistinnen habe Medaillen gewonnen", sagte Koch.

Seitz wird avanciert zur "Strahlefrau"

Seitz freute sich über die neue Aufmerksamheit: "Wir wurden von den Männern immer in den Schatten gestellt. Dass wir das jetzt hier in Berlin mal umgedreht haben, ist besonders schön."

Die 17 Jahre alte "Eli" Seitz bescherte dem DTB mit Silber die erste EM-Medaille im Mehrkampf überhaupt und avancierte zur neuen "Strahlefrau".

"Das war der beste Wettkampf ihres Lebens", sagte Heimtrainerin Claudia Schunk. Und auch Altmeister Eberhardt Gienger war hin und weg: "Man hatte nicht den Eindruck, dass sie etwas zugeschanzt bekam. Sie hat ihren Körper immer unter Kontrolle gehabt."

Chusovitina erlebt x-ten Frühling

In den Gerätefinals glänzten andere. Die 35 Jahre alte Turn-"Oma" Chusovitina aus Köln erlebte ihren x-ten Frühling und holte Silber am Sprung.

"Ich habe in den vergangenen zwei Jahren oft gezweifelt, ob es noch reicht. Doch jetzt weiß ich, dass es bis Olympia geht", sagte Chusovitina.

2012 will sie in London ihre sechsten Spiele erleben. Zu guter Letzt holte die Tübingerin Kim Bui am Stufenbarren noch Bronze.

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