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Philipp Boy (l.),Marcel Nguyen (r.) sind wie Hambüchen Jahrgang '87 © imago

Die neuen deutschen Turnstars feiern - und stecken bereits ihr Revier ab. Die Damen blicken motiviert in die Zukunft.

Berlin - Im Salon Rubin des feinen Hotels in Berlin ließen es sich die neuen Turn-Helden gut gehen.

Goldjunge Philipp Boy plauderte bei italienischer Pasta gemütlich mit den Teamkollegen.

Europameister Marcel Nguyen studierte am Handy die Berichte über die Berliner EM, die die Gerätartisten mit ihren vier Medaillen in ein "Deutsches Turnfest" verwandelt hatten.

"Wenn wir gesund bleiben, haben wir mit unserer Mannschaft bei Olympia 2012 Medaillenchancen", sagte Nguyen, der neben Bronze am Reck überraschend Gold am Barren gewonnen hatte.

"Als Sportler abwesend"

Mit "wir" meinte der 23 Jahre alte Sportsoldat auch Fabian Hambüchen, der dem Bankett mit 600 Athleten fern geblieben war.

Der verletzte Star (Achillessehnenriss) hatte sich mit seinem Vater die Wettkämpfe in der Max-Schmeling-Halle angeschaut, ehe er die Heimreise antrat.

"Er war ja jetzt bei dieser EM als Sportler abwesend, aber er wird wiederkommen", sagte Philipp Boy über Hambüchen.

Boy will auch am Reck Gold

Das Verhältnis der Rivalen gilt als angespannt, Boy blieb diplomatisch.

"Je mehr gute Turner wir haben, desto besser ist das für unsere Ziele bei WM und Olympia", sagte Boy.

Nach Gold im Mehrkampf reichte es für den Cottbuser am Lieblingsgerät Reck nur zu Silber.

"Das ist für mich ein großer Ansporn, es beim nächsten Mal besser zu machen", meinte der Lausitzer.

Drei Monate, die es in sich haben

In Boy, Nguyen und Hambüchen hat das deutsche Kunstturnen drei großartige Athleten, die allesamt 1987 innerhalb von drei Monaten geboren sind.

Dieser goldene Jahrgang steht jetzt in voller Blüte.

Allerdings birgt die Konstellation mit drei Top-Sportlern auch Zündstoff. So dürfen bei WM und Olympia im Mehrkampf-Finale nur zwei Turner pro Nation starten.

Kampfansasge von Boy

Und Boy, Ältester der "drei Musketiere", machte klar, dass er oder sein Kumpel Marcel nicht kampflos weichen würden, wenn der an der Achillessehne operierte Hambüchen im Sommer zurückkehrt:

"Marcel und ich werden unsere Plätze nicht kampflos abgeben."

Hambüchen glaubt an sich

Hambüchen sieht dem Dreikampf gelassen entgegen und lobte stattdessen die Stärke der 87er.

"Der Jahrgang ist wirklich etwas Besonders. Alle haben sich gut entwickelt", meinte der Wetzlarer, der in Berlin "gern mitgeturnt hätte".

Im Mehrkampffinale, das Boy hauchdünn für sich entschieden hatte, hätte Hambüchen nach eigener Einschätzung mithalten können:

"Ohne abgehoben klingen zu wollen - mit dem Vertrauen in das, was ich kann, wäre ich auch oben gelandet."

Frauen mit optimistischer Zukunft

Abseits aller Männer-Rivalitäten genossen die wiedererstarkten Frauen im Salon Rubin die Rückkehr ins Rampenlicht.

Elisabeth Seitz verzichtete auf Schampus oder Bierchen und beließ es bei Mineralwassser.

Die neue Vorturnerin sorgte mit Silber im Mehrkampf für die große Überraschung und riss die Kolleginnen mit.

"Alle Starterinnen haben hier gute Leistungen gezeigt. Sie sind nervlich stark und tolle Wettkämpferinnen", sagte Bundestrainerin Ulla Koch, deren Riege ähnlich optimitisch in die Zukunft schauen kann wie die der Männer.

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