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Fabian Hambüchen holte bei Olympia in Peking 2008 am Reck die Bronzemedaille © getty

Nach seiner langen Verletzungspause peilt der Turnstar die WM-Teilnahme in Tokio an. Gegen den Frust halfen die Hanteln.

München - In seiner sechsmonatigen Leidenszeit sah Fabian Hambüchen sogar aus wie der bärenstarke Matrose Popeye. Das lag beim deutschen Turnstar aber nicht am Spinat.

"Er hat seinen Frust am Oberkörper abgearbeitet. Da hat er ganz schön Muskelmasse zugelegt", sagte Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen. Nun ist das Schlimmste vorüber, und nach dem Achillessehnenriss am 15. Januar will Kraftpaket Hambüchen nun einen sanften Neuanfang starten. "Alles in Ruhe und ohne Druck", sagte sein Vater.

Am 13. August in Altendiez feiert der Reck-Weltmeister von 2007 bei der 1. Qualifikation für die Weltmeisterschaften vom 8. bis 16. Oktober in Tokio sein Comeback.

Einen Mehrkampf-Start bei der WM schließt Bundestrainer Andreas Hirsch bei "Bild" aber definitiv aus: "Davon gehe ich felsenfest aus. Am Boden und beim Sprung ist er in Tokio definitiv nicht dabei."

WM: "Nicht um jeden Preis"

Die WM - das sei nicht das Ziel von Fabian, erklärte Wolfgang Hambüchen schnell: "Die WM wäre schön, aber nicht um jeden Preis. Wichtig ist, dass er langsam wieder herankommt, dass der Fuß hält."

Es gebe schließlich ein anderes Ziel, dass sein Sohn im Kopf habe. Und das deckt sich mit dem von Bundestrainer Hirsch: "Wir wollen uns mit der Mannschaft im ersten Anlauf für Olympia 2012 in London qualifizieren."

Dazu benötigt die deutsche Boygroup um Mehrkampf-Europameister Philipp Boy und Barren-Champion Marcel Nguyen in Tokio Rang acht, sonst droht eine zweite Qualifikation um die vier letzten Startplätze (EXKLUSIV: Marcel Nguyen im Interview).

Hirsch sieht Risiko

Ob Fabian Hambüchen auf dem Weg zum Ziel in der japanischen Metropole bereits eine Hilfe sein kann, ist fraglich. "Er hat ein Jahr keinen Wettkampf mehr bestritten, ob sein Fuß hält, weiß man auch nicht. Da gibt es schon Risiken", sagte Hirsch, der aber grundsätzlich "sehr froh ist, dass sich Fabian zurückgemeldet hat".

Dieses Gefühl teilt er mit dem Protagnisten Fabian Hambüchen, der das Kunstturnen hierzulande auf eine neue Popularitätsstufe geführt hat. Denn die sechs Monate bedeuteten für Fabian Hambüchen rund 25 Prozent mehr Stress als üblich.

Muskelaufbau als Frustabbau

Vater Wolfgang schilderte: "Fabian hat in den vergangenen Monaten rund 40 Stunden wöchentlich mit Reha und Training in der Halle verbracht. Die Physiotherapie habe ich da nicht mitgerechnet. Eine normale Trainingswoche aber umfasst etwa 32 Stunden."

Gut habe sein Sohn die schwere Verletzung zunächst aufgenommen. Nach dem Frustabbau an den Hanteln folgten nach dreieinhalb Monaten in der Reha-Klinik in Bad Nauheim die ersten Gehversuche ohne Stützschuhe.

"Irgendwann ist ihm das alles natürlich auf die Nerven gegangen. Zwischenzeitlich habe ich gedacht, er schmeißt es hin. Dann aber ging es bergauf", sagte Wolfgang Hambüchen.

"Wut und Hass unerträglich"

Hambüchen gestand: "Klar gab es Tage, in denen die Wut und der Hass in mir unerträglich waren. Wo ich vor Zorn hätte platzen können und auch gezweifelt habe, ob ich vor den Trümmern meiner Karriere stehe. Da gab es schon ganz schlimme und harte Tage."

Für drei bis vier Geräte hat Fabian Hambüchen inzwischen vom behandelnden Arzt Johannes Peil die Erlaubnis bekommen, für Boden und Sprung wegen der hohen Belastung für den Fuß noch nicht. Auch die üblichen Wettkampfmatten für den Absprung sind noch tabu.

Vater bremst die Euphorie

"Wir haben dafür Weichbodenmatten", sagte Wolfgang Hambüchen, der hofft, dass diese Matten in Altendiez genehmigt werden, "sonst turnt er dort nicht."

Der Vater-Trainer ist aber bereits sehr angetan vom Leistungsstand seines Schützlings.

"Er kann schon einen Haufen an den vier Geräten. Da ist er im Training deutlich stärker als vorher. "

Doch sogleich bremste er jede Erwartung: "Wirklich, es soll nur ein verletzungsfreier Einstieg werden."

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