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Eberhard Gienger wurde 1974 und 1978 zum Sportler des Jahres gewählt © getty

Eberhard Gienger ist ein Tausendsassa im Sport sowie im Beruf. Nun hat der ehemalige Kunstturner allen Grund zu feiern.

Köln - Fast hätte Eberhard Gienger seinen 60. Geburtstag am kommenden Donnerstag nicht mehr erlebt.

Denn elf Jahre nach seinem spektakulären Fallschirm-Unfall sprang der Reck-Weltmeister von 1974 dem Tod vor einigen Monaten erneut von der Schippe - diesmal weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit.

Als Philipp Boy (Cottbus) am Schlusstag der Berliner Kunstturn-EM am früheren Paradegerät Eberhard Giengers Silber am Reck gewann, wurde dieser nach einem Darmdurchbruch mit dem Notarztwagen in die Charitee eingeliefert.

"Der Arzt sagte mir, wenn dies fernab der Klinik passiert oder ich 20 Jahre älter gewesen wäre, hätte ich das nicht überlebt", berichtet der 36-malige Deutsche Meister, der nicht Eberhard Gienger wäre, wenn er vier Wochen später im Training nicht schon wieder den Doppelsalto vom Reck gestanden hätte.

Fallschirm streikt bei Benefiz-Sprung

Die nächste heikle Situation ließ nicht lange auf sich warten.

Vor wenigen Wochen öffnete sich der Hauptfallschirm zum siebten Mal in der Springerkarriere des dreimaligen Reck-Europameisters nicht, als Eberhard Gienger zusammen mit dem Konstanzer Pfarrer Andreas Rudiger zu Benefizzwecken aus 3000 Metern Höhe absprang.

"Der Pfarrer teilte mir in der Luft seine Begeisterung mit. Ich sagte ihm, ich könnte diese gerade nicht teilen, weil wir an Reserve hängen würden. Aber wir kamen heil an..."

Dramatischer Unfall vor elf Jahren

Vor elf Jahren war dies - ebenfalls am Schlusstag einer Turn-EM - noch ganz anders gewesen.

In Bremen erlitt Diplom-Sportlehrer Gienger bei einem dramatischen Unfall mehrere Becken- und Oberschenkelbrüche.

"Nur Kleinigkeiten", sagt Deutschlands Sportler des Jahres von 1974 und 1978 zur Frage nach den Spätfolgen.

Tausendsassa des Sports

Als Sportler war und ist er ein Tausendsassa, im Leben ein Multitalent:

1974 war Eberhard Gienger Weltmeister und 1976 Olympiadritter am Reck, ist seit 2002 Bundestagsabgeordneter, erfolgreicher Geschäftsmann, war bis Ende 2010 Leistungssportchef im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), ist Ehemann einer Universitätsprofessorin, Vater dreier Söhne, von denen es zwei bis in die Baseball-Nationalmannschaft brachten - und er war 1975 sogar Fluchthelfer beim früheren Vize-Weltmeister Wolfgang Thüne (DDR/Potsdam).

Politische Karriereleiter erklommen

Dem schlimmen Absturz folgte damals in der Gegenbewegung der Aufstieg auf der politischen Karriereleiter.

Seit 2002 repräsentiert der mit 42,0 Prozent bis 2013 direkt gewählte Eberhard Gienger den Wahlkreis Neckar-Zarb für die CDU im Bundestag, ist Mitglied des Sportausschusses, Stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung.

Eberhard Gienger, zuvor Vizepräsident Leistungssport im Deutschen Turnerbund (TB), hatte 2006 die gleich lautende Position im neugegründeten Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) übernommen.

Familie muss zurückstecken

Ende 2010 trat er nicht mehr zur Wiederwahl an, um sich stärker in der Politik engagieren zu können.

"Ich will im Bundestag auch nach der Wahl 2013 weitermachen. Im Bereich Europa und Energie gibt es große Herausforderungen", sagt Gienger.

Die Familie wird auch künftig oft ein bisschen kurz kommen: Ehefrau Sibylle, die unter dem Mädchennamen von Gleich mehrfache deutsche Meisterin in der Sportgymnastik war, die im Baseball erfolgreichen Söhne Andreas (32), Markus (30) sowie Snowboard-Fan Tobias (26).

Entlastung verspricht sich der Vater davon, wenn sein ältester Spross die Gienger Promotion GmbH übernimmt, die sich im Bereich Sportsponsoring und Sportmarketing über Berlin hinaus engagiert.

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