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Fabian Hambüchen gewann bei Olympia in Peking Bronze am Reck © dpa Picture Alliance

Fabian Hambüchen kehrt nach achtmonatiger Verletzungspause zurück. Bei SPORT1 spricht er über die WM und sein großes Ziel.

Von Rainer Nachtwey

München - Nicht ganz sieben Monate ist es nun her, doch wenn Fabian Hambüchen vom Riss seiner Achillessehne erzählt, wirkt der 15. Januar immer noch sehr präsent.

Jener "schlimmste Moment meines Lebens" hatte nicht nur aufgrund der Verletzung große Bedeutung, mit jenem Tag begann er, sich auf das große Ziel Olympische Spiele zu fokussieren.

"Als die Sehne abgerissen war, haben wir uns gefragt: Was ist unser Ziel? Meine Gedanken waren immer Richtung London 2012", sagt der 23 Jahre alte Bronze-Medaillengewinner von Peking bei SPORT1.

Im Interview der Woche spricht Hambüchen über sein Comeback, die Beeinträchtigung durch die Verletzung, die WM in Tokio und sein großes Ziel Olympia 2012 in London.

SPORT1: Herr Hambüchen, wie geht es Ihnen? Zwickt die Achillessehne noch?

Fabian Hambüchen: Mein Fuß hält. Da habe ich keine Probleme und keine Schmerzen. Wir arbeiten daraufhin, dass ich bald wieder springen kann. Eins nach dem anderen. Aber es fühlt sich alles sehr gut an.

SPORT1: Fühlen Sie sich bei ihren Übungen noch beeinträchtigt?

Hambüchen: Bei Boden und Sprung kann ich den verletzten Fuß noch nicht hundert Prozent belasten. Aber bei den anderen vier Geräten, wo ich den Fuß nur zum Landen brauche, klappt es schon sehr gut.

SPORT1: Bei wie viel Prozent Leistungsfähigkeit sehen Sie sich im Moment?

Hambüchen: Meine Verletzung ist knapp sieben Monate her. Seitdem werde ich in der Sport-Rehaklinik in Bad Nauheim aktiv betreut. Ich schätze, dass ich noch ein, zwei Monate brauche, bis ich meine volle Leistungsfähigkeit erreicht habe. Ich bin immer mehr in der Turnhalle und weniger in der Klinik. Dennoch haben wir noch ein wenig zu tun.

SPORT1: Sie haben Ihren Comeback-Termin um eine Woche vorgezogen, treten jetzt in der Bundesliga an. Was sprach dafür?

Hambüchen: Dr. Peil hat den Heilungsverlauf als sehr gut eingeschätzt. Ich habe nachgefragt, ob ich nicht vor der WM-Qualifikation noch einen kleinen Test bestreiten kann. Nicht wegen der Fitness - die ist kein Thema -, aber für den Kopf. Es ist für meine mentale Vorbereitung wichtig, noch einen Wettkampf vor der Qualifikation zu bestreiten. Der Doktor hat mich freigegeben. Ich habe große Lust auf den Wettkampf.

SPORT1: Haben Sie die Verletzung im Hinterkopf, wenn Sie an die Geräte gehen?

Hambüchen: Nein, da bin ich relativ frei im Kopf. Es geht darum, ein Gefühl für die Wettkampfsituation zu bekommen, vor einer Übung den Druck zu spüren, die Anspannung zu haben. Ich will nicht bei der WM-Qualifikation direkt ins kalte Wasser geworfen werden. Aber es geht nicht nur um die WM-Qualifikation. Ich freue mich einfach, im Wettkampfgeschehen wieder dabei zu sein, will Spaß haben und meine Leistung bringen.

SPORT1: Sie haben lange keine Wettkämpfe mehr bestritten. Was ging Ihnen während dieser Zeit am meisten ab?

Hambüchen: Ich hatte meinen Blick immer nach vorne gerichtet, habe nichts nachgetrauert. Natürlich will jeder Sportler, der jeden Tag hart trainiert, bei Wettkämpfen starten. Aber ich habe mein großes Ziel vor Augen: die Olympischen Spiele 2012 in London. Dass ich jetzt so früh wieder Wettkämpfe bestreiten kann, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Aber dank der super Betreuung in der Klinik kann ich mich glücklich schätzen, dass ich jetzt wieder starten darf.

SPORT1: Im Oktober steht die WM in Tokio an. Wie sehen hierfür die Planungen aus? Ist die WM nur ein Übergangsturnier auf dem Weg zu Olympia?

Hambüchen: Bei der WM müssen wir uns erst für Olympia qualifizieren, das bedeutet mit der Mannschaft unter die ersten Acht zu kommen. Von daher ist es eine sehr wichtige und entscheidende WM. Aber wir haben mittlerweile eine starke Truppe, für die es unter normalen Umständen kein Problem sein sollte, unter die ersten Acht zu kommen - selbst wenn ich nicht hundert Prozent fit bin. Es ist klar: Jeder Sportler will bei einer WM dabei sein. Ich probiere jetzt, meine Wettkämpfe gut zu turnen. Wenn der Bundestrainer dann entscheidet, ich gehöre in die WM-Mannschaft, dann starte ich sehr gerne.

SPORT1: Haben Sie sich Ziele gesetzt, die sie bis zur WM erreichen wollen?

Hambüchen: Ich habe den Schwierigkeitsgrad meiner Übungen aufgestockt. Allerdings weniger wegen der WM, sondern in Vorbereitung auf London 2012. Ich werde nicht aus Taktik einfachere Übungen turnen, damit alles glatt läuft. Ich habe nichts zu verlieren und will mich bestens auf die Olympischen Spiele vorbereiten. Jetzt ist die Zeit, um schwierige Übungen in Wettkämpfen auszuprobieren.

SPORT1: Wie sehr hat die Aussicht auf London Ihre Rückkehr beeinflusst?

Hambüchen: Sehr stark. Als die Sehne abgerissen war, haben wir uns gefragt: Was ist unser Ziel? Die Antwort war London 2012. Es ging nicht, auf Teufel komm' raus die WM zu schaffen. Meine Gedanken waren immer Richtung London 2012 gerichtet. Das war von Anfang an in meinem Kopf. Das war für mich in der Reha eine große Motivation mich durchzubeißen.

SPORT1: Sie haben also nie daran gedacht, die Olympischen Spiele in London abzuhaken?

Hambüchen: Auch wenn es mal schwer wurde, war ich enorm motiviert. Geholfen hat mir auch das Krankenhaus-Team, die alle sehr positiv eingestellt sind und mich sehr unterstützen. Ich habe nie daran gedacht aufzuhören. Wir haben uns gemeinsam durchgefightet. Ich wurde Eins-zu-Eins betreut, das hat mich enorm gepusht und mir großen Spaß gemacht.

SPORT1: Nach Athen und Peking sind die Spiele in London Ihre dritten. Sie sind quasi ein alter Hase. Kribbelt es dennoch, wenn Sie an London denken?

Hambüchen: Olympische Spiele sind immer etwas Großes, etwas ganz Besonderes, sie gibt es nur alle vier Jahre. Doch es ist jetzt noch rund ein Jahr hin, das Kribbeln kommt kurz vorher. Aber jetzt habe ich die pure Vorfreude, dass es schon im kommenden Jahr wieder Olympische Spiele gibt. Dieses Ziel motiviert mich, in der Reha alles zu geben, um schnell wieder fit zu werden.

SPORT1: 2008 sind sie als große Goldhoffnung nach Peking gereist. Am Ende war es "nur" Bronze am Reck. Denken Sie manchmal noch an die Wettkämpfe?

Hambüchen: Ich freue mich, wenn ich meine Medaille von Peking zu Hause stehen sehe. Da muss ich schmunzeln. Ich denke, das war ein Riesenerfolg. An alles andere, was nicht so gut gelaufen ist wie erwartet, daran denke ich nicht mehr. Ich freue mich vielmehr auf eine neue Chance und will dort gut abschneiden.

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