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Philipp Boy hat bei Weltmeisterschaften 1x Silber und 2x Bronze gewonnen © AFP

Der 24-Jährige holt bei den Deutschen Meisterschaften in Göppingen seinen ersten Titel. Weltmeister Hambüchen patzt am Pferd.

Göppingen/München - Mission erfüllt: Europameister und Vize-Weltmeister Philipp Boy hat zum ersten Mal auch bei nationalen Titelkämpfen im Mehrkampf den Sieg davongetragen.

Der Cottbuser setzte sich bei den Deutschen Meisterschaften in Göppingen letztlich ungefährdet mit 89,85 Punkten und hat auch damit auch seine Nominierung für die WM im Oktober in Tokio in der Tasche.

Mit einem strahlenden Lächeln bedankte sich der "Sunny-Boy" beim Publikum für die Unterstützung.

Boy mit steifem Nacken

"Ich bin schon hammerhammerfroh, dass ich endlich diesen Titel geholt habe. Vor meiner Reckübung war ich schon sehr nervös. Dies zu bestreiten, wäre gelogen", sagte der 24-Jährige.

Nach dem Abschlusstraining am Freitag musste sich Boy noch mit einem steifen Nacken herumplagen. "Gut, dass unsere Physios da ganze Arbeit geleistet haben", sagte Boy.

Nguyen auf Rang zwei

Dem neuen Titelträger am nächsten kam Vorjahressieger Marcel Nguyen (87,95) (EXKLUSIV: Marcel Nguyen im Interview).

Nach einem Absteiger am Seitpferd musste der Unterhachinger eine Aufholjagd starten, um im letzten Durchgang noch an Routinier Eugen Spiridonov vorbeizuziehen.

Der Mannschafts-Europameister aus Bous zog unbeeindruckt von den Problemen seiner Konkurrenten lange einen soliden Sechskampf durch, ehe er vom Reck fiel und mit 85,35 Zählern Dritter wurde.

Hambüchen patzt

Wie Nguyen hatte auch Fabian Hambüchen (EXKLUSIV: Fabian Hambüchen im Interview) mit dem Pauschenpferd ganz erhebliche Probleme.

Gleich zweimal warf der "Gaul" den ehemaligen Reck-Weltmeister ab, dafür gab es nur desaströse 9,950 Punkte.

"Irgendwie war es ein unruhiger Wettkampf für die meisten Athleten", sagte Wolfgang Hambüchen, der seinen Sohn wie gewohnt betreute.

Noch Chancen am Reck

Nachdem der Wetzlarer, der wegen seines Achillessehnenrisses im Januar am Boden und beim Sprung noch nicht turnen kann und damit auch nicht in die Mehrkampf-Entscheidung eingreifen konnte, auch an den Ringen korrigieren musste, fand er gegen Ende des Wettkampfs wieder zu mehr Stabilität.

Am Barren und vor allem am Reck setzte der Olympia-Dritte ein Glanzlicht und könnte sich am Sonntag den Titel am "Königsgerät" holen.

Von den WM-Kandidaten fehlte in Göppingen lediglich Matthias Fahrig.

WM-Zug für Fahrig in weiter Ferne

Der Hallenser musste seine Teilnahme wegen einer Sehnenverletzung am Fuß absagen.

Ob der Mannschafts-Europameister, der der deutschen WM-Riege an Sprung und Boden weiterhelfen könnte, nachträglich noch eine Bewährungschance erhält, ist fraglich.

"Sein letzter Leistungstest ist schon eine ganze Weile her", sagte dazu Cheftrainer Andreas Hirsch.

Seitz gewinnt Frauen-Konkurrenz

Ebenso wie Boy wurde bei den Kunstturnerinnen Elisabeth Seitz ihrer Favoritenrolle gerecht.

Die Vize-Europameisterin aus Mannheim übernahm nach dem zweiten von vier Durchgängen die Führung und siegte am Ende mit 55,80 Punkten.

Der 17-Jährigen am nächsten kamen Ex-Meisterin Kim Bui aus Stuttgart (55,45) sowie die Detmolderin Nadine Jarosch (54,85).

Schwerer Unfall von Jentsch

Wegen eines Unfalls der Leipzigerin Tina Jentsch musste die Frauen-Konkurrenz für zwölf Minuten unterbrochen.

Die ehemalige deutsche Vize-Meisterin stürzte am Boden bei der Schlussbahn beim doppelten Rückwärtssalto gebückt schwer und wurde wegen des Verdachts auf Wirbelverletzungen umgehend ins Krankenhaus gebracht.

Nach Auskunft von Rainer Brechtken, Präsident des Deutschen Turner-Bundes (DTB), wird die 22-Jährige aber keine bleibenden Schäden davontragen. "Wir gehen derzeit nur von Stauchungen aus", berichtete Brechtken.

Zu einer zusätzlichen Wettkampfverzögerung kam es, nachdem der Stufenbarren nach dem ersten von vier Durchgängen wegen eines Defektes abgebaut werden mussten.

Pechvogel Wittenberg-Voges

Ein Ersatzgerät wurde aus dem benachbarten Esslingen herangeschafft.

Ein weiterer Pechvogel war Max Wittenberg-Voges. Beim Abgang vom Barren zog sich der Hannoveraner bereits zum zweiten Mal in seiner Karriere einen Kreuzbandriss zu.

Die nationalen Titelkämpfe werden am Sonntag (13.00 Uhr) mit den insgesamt zehn Gerätefinals abgeschlossen.

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