Miss Superlativ und ihr unglaublicher Weg
München - 37 Jahre alt, 17 internationale Medaillen für vier verschiedene Verbände und mit der sechsten Olympiateilnahme eine Rekordmarke in ihrer Sportart vor Augen - bei Oksana Chusovitina gehen einem langsam die Superlative aus.
Doch vor dem Sprung nach London macht sich bei der Altmeisterin aus Köln fast ein bisschen Altersmilde breit, bloß kein Druck.
"Ich will bei Olympia alles gut machen und einfach 'mal sehen, was noch geht", sagt die Ausnahmeathletin vor der zweiten Olympia-Qualifikation am Samstag (18 Uhr) in Frankfurt/Main.
Und zuletzt ging bei der gebürtigen Usbekin, die seit 2006 Deutsche ist, noch eine ganze Menge, besonders beim Sprung.
Olympiazweite in Peking, Vize-Weltmeisterin, Vize-Europameisterin - auch gegen Konkurrentinnen, die ihre Kinder sein könnten, ist Chusovitina immer noch für eine internationale Medaille gut.
Sport nicht mehr an erster Stelle
Dabei ist sie, anders als in der Vergangenheit, bei ihren Olympia-Vorbereitungen nicht mehr ausschließlich auf ihr sportliches Ziel fixiert.
"Ich denke nur an London, wenn ich täglich meine zwei bis drei Stunden in der Trainingshalle stehe. Danach ist dann Feierabend und ich gehe mit meinem Mann spazieren oder mit meinem Sohn ins Schwimmbad", berichtet "Chuso" über ihr sorgsam gepflegtes Familienleben, das vor zehn Jahren mehr als ernst bedroht war.
Sohn Alisher erkrankte an Leukämie, erst Spezialisten in Köln konnten dem schwerkranken kleinen Patienten entscheidend helfen.
Sohn Alisher als größtes Glück
So durchströmt Chusovitina, die schon 1991 für die Sowjetunion WM-Gold am Boden erturnte, immer noch ein wohliges Glücksgefühl, wenn sie mit ihrem mittlerweile 13 Jahre alten Sprössling und einem Fußball über die Wiese hinter dem Leistungszentrum in Bergisch Gladbach tollen kann.
Drei Jahre lang hat Alisher ebenfalls geturnt, nun aber jagt er lieber dem runden Leder hinterher.
Weit besser als seine Mutter, die dem Turnen auch nach den Spielen von London erhalten bleiben wird. Ihr bisheriger Nebenjob als Cheftrainerin der usbekischen Riege wird dann zur Hauptbeschäftigung: "Ich habe mehrere Jahre beides gleichzeitig gemacht, auf Dauer geht das nicht. Da ich aber weiter in Deutschland leben werde, müssen die Mädels eben häufiger hierher kommen, um bei mir zu trainieren."
Vorzeigeathletin fühlt sich als "Teil der Riege"
Sie reisen dann zu einer Athletin, die ihre beispiellose Erfolgsserie noch immer nicht so recht begreifen kann.
"Wenn mir früher jemand gesagt hätte, dass ich sechsmal Olympia hintereinander schaffen kann, hätte ihn wohl ausgelacht, Nun habe ich es fast geschafft und darüber freue ich mich. Über mich selbst, aber auch darüber, dass ich der deutschen Mannschaft noch einmal helfen kann", sagt Chusovitina bescheiden, die sich stets "nur als Teil der Riege" bezeichnet.
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