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Marcel Nguyen gewann im April 2013 die Gesamtwertung der Weltcupserie © getty

Die leichte Drosselung der Wettkampfbelastung zahlt sich für Nguyen und Hambüchen bislang aus. Der Nachwuchs enttäuscht.

Moskau - Schweißnass, erschöpft, aber eben auch glücklich stapften Marcel Nguyen und Fabian Hambüchen vom türkisblauen Turnpodium im Olimpiski Sportkomplex von Moskau.

Die in zahlreichen kräfteraubenden Mehrkämpfen erprobten Olympia-Zweiten hatten sich beim EM-Auftakt in der russischen Hauptstadt als Teilzeitarbeiter mehr als bewährt und insgesamt drei Medaillenchancen gewahrt (BERICHT: Traumstart für deutsche Turner).

Mit weniger mehr erreichen - diese Taktik von Bundestrainer Andreas Hirsch könnte bei den europäischen Titelkämpfen erste Früchte tragen.

"Ich will mit diesen Sportlern nach Rio. Da kann man nicht immer nur haben wollen. Da beginnt auch mal ein Studium, da wird die Lebenspartnerin wichtiger", sagte der Berliner, der jedoch auch umgehend relativierte: "Wer einmal die Luft aus den Reifen lässt, der hat einen Platten."

Nguyen hat noch Reserven

Nguyen, zusätzlich gestresst vom ungewohnten Trubel um seine Person nach dem olympischen Mehrkampfsilber in London, erreichte sowohl an den Ringen als auch am Barren das Finale, dort könnte der Unterhachinger zum dritten Mal in Folge Europameister werden.

"Ich habe noch drei bis vier Zehntel liegenlassen, da ist noch Luft nach oben", sagte der 25-Jährige nach Rang vier in der Qualifikation.

Hambüchen mit Kampfansage

Hambüchen, 2009 europäischer Mehrkampf-Champion, ließ an der Moskwa Sprung und Barren aus, auch bei dem Wetzlarer die richtige Entscheidung.

Denn ungeachtet eines kleinen Patzers präsentierte sich der ehemalige Reck-Weltmeister am Königsgerät in prächtiger Form, greift am Sonntag nach der Goldmedaille und warnte die Konkurrenz vorab schon einmal verbal: "Noch habe ich nicht alles rausgekloppt."

Kein Umbruch im DTB-Team

Chefcoach Hirsch muss die Belastungen seiner Routiniers auch fein dosieren, weil der Nachwuchs noch keinen wirklichen Druck auf die Arrivierten ausübt.

Die beiden Chemnitzer EM-Debütanten Andreas Bretschneider und Ivan Rittschik turnten weit an den Finals vorbei, und auch der Hannoveraner Andreas Toba lieferte als einziger deutscher Mehrkämpfer mit Rang 13 nur eine durchschnittliche Leistung ab.

"Einen totalen Umbruch können wir uns überhaupt nicht leisten", stellte Wolfgang Willam, Sportdirektor des Deutschen Turner-Bundes (DTB), folgerichtig fest.

Starker Auftritt von Fahrig

Im Gegenteil: Der sprunggewaltige, aber nicht leicht zu führende Matthias Fahrig erhielt in Moskau mit 27 Jahren seine wohl letzte Chance in der Nationalriege und nutzte sie mit Qualifikationen für die Endkämpfe am Boden und beim Sprung.

Der impulsive Hallenser hat mittlerweile gelernt, in den Vorkämpfen auch mal eine Höchstschwierigkeit wegzulassen und nicht alle Karten aufzudecken.

Aber das gilt natürlich auch für Nguyen und speziell für Hambüchen, der seit mittlerweile zehn Jahren zur Weltspitze gehört.

Hirsch: "Er ist in dieser Zeit vom wilden Stürmer zum cleveren Taktiker gereift."

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