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Marcel Nguyen holte bei Olympia in London Silber
Marcel Nguyen gewann bei Olympia 2012 Silber am Barren und im Mehrkampf © getty

Keine EM-Medaille für deutsche Turner: Bei Hambüchen mangelt es an der Vorbereitung. Nguyen schrammt am Titel vorbei.

Moskau - Keine Medaillen, aber auch kein Frust - nach seinem Sturz vom Reck und einem mageren sechsten Platz konnte Fabian Hambüchen den ersten Europameisterschaften ohne deutsches Edelmetall seit neun Jahren sogar noch etwas Positives abgewinnen.

"Es verdeutlicht nur, dass sportlicher Erfolg nie ein Selbstläufer ist", sagte der ehemalige Reck-Weltmeister und knetete dabei seine schwieligen Turnerpranken.

Ein "Adler" hatte den 25-Jährigen am Königsgerät gestoppt, der gleichaltrige Olympia-Zweite Marcel Nguyen gewann nur Blech am Barren - so hatte sich auch Bundestrainer Andreas Hirsch die europäischen Titelkämpfe in Moskau nicht vorgestellt, wiegelte aber ab: "Man hat uns schon in glücklicheren Phasen gesehen, aber jedes Schlechtes hat auch etwas Gutes. Ich muss es jetzt nur finden."

Hambüchen landete beim ungeliebten Übungsteil mit dem Bauch auf der Reckstange, wollte aber von einem grundsätzlichen "Adler"-Problem nichts wissen: "Im letzten Jahr ist der Kolman öfter schiefgegangen und auch das haben wir wieder in den Griff bekommen."

Nguyen verpasst Hattrick

Titelverteidiger Nguyen kostete an seinem Schokoladengerät ein Flüchtigkeitsfehler die schon sicher geglaubte Bronzemedaille, er wurde Vierter.

Bei seiner neuen Aufgangfelge leistete sich der Halb-Vietnamese einen Beinfehler, exakt diese 0,3 Zähler fehlten ihm am Ende zum Titelhattrick.

"Ich trainiere diesen Beginn noch nicht so lange, da kann das schon einmal passieren", sagte Nguyen, der auch das Ringe-Finale am Samstag erreicht hatte, dort aber nicht über Rang acht hinauskam.

Coach Belenki optimistisch

Trainer Valeri Belenki hatte den kleinen sportlichen Rückschlag für seinen Schützling schnell abgehakt, schon kurz nach Wettkampfende blickte der ehemalige Seitpferd-Weltmeister schon wieder nach vorne.

"Trotz dieses Patzers war es insgesamt eine gute Übung von Marcel. Er hatte jetzt schon den höchsten Schwierigkeitsgrad von 6,8 Punkten. Wir werden bald auf 7,1 aufstocken", erklärte Belenki.

Fahrig enttäuscht

Weit am Treppchen vorbei sprang gleich zweimal vor 4000 Zuschauern im Olimpiski Sportkomplex der ehemalige Boden-Europameister Matthias Fahrig. Rang sieben am Boden folgte für den Hallenser ein achter Platz (13,849) bei der Entscheidung am Sprung.

Der 27-Jährige stürzte beim gebückten Roche und musste auch den Kasamatsu mit eineinhalb Schrauben mit der Hand abstützen.

"Es war ein starkes Feld, da hätte alles funktionieren müssen. Aber über einen vierten Platz hätte ich mich mehr geärgert", sagte Fahrig, der erstmals seit drei Jahren wieder zur deutschen EM-Riege gehörte.

Am Ende einer langen Woche war "einfach die Kraft ein bisschen flöten."

Tränen bei Scheder

Auch die deutschen Kunstturnerinnen gingen in der russischen Hauptstadt leer aus.

Am dichtesten dran am Medaillentreppchen war noch Sophie Scheder. Die 16 Jahre alte Realschülerin aus Chemnitz verpasste Bronze am Stufenbarren nur um 0,034 Punkte und kämpfte anschließend vergeblich gegen die Tränenflut.

"Ich habe es schon so gesehen, dass die Russinnen einen Heimvorteil hatten", sagte die letztjährige Junioren-Europameisterin enttäuscht.

Mit der letzten Übung des Finaldurchgangs schnappte Maria Paseka Scheder doch noch den dritten Platz weg. Die beiden letzten EM-Titel bei den Frauen gingen an die Rumänin Larisa Iordache am Schwebebalken und Xenia Afanasjewa am Boden.

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