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Fabian Hambüchen belegte 2010 bei der WM in Rotterdam den dritten Platz © imago

Bei der WM in Antwerpen will Fabian Hambüchen seine zuletzt gezeigten Schwächen am Reck überwinden - erstmals ohne Sehhilfe.

Antwerpen - Fabian Hambüchens türkisfarbenes T-Shirt wurde von Durchgang zu Durchgang nasser und damit dunkler, der Farbkontrast zur hellgrauen kalten Betonwand im Hintergrund immer größer.

Traininghalle 1, Trainingsgruppe 2 hieß es schmucklos im gedruckten Tagesplan - beim WM-Abschlusstraining in der Expohalle von Antwerpen roch es folgerichtig nach harter Arbeit.

Und am Ende von zwei schweißtreibenden Stunden war der Olympiazweite mit seinem Tagewerk durchaus zufrieden.

"Eine Weltmeisterschaft im Jahr nach Olympia ist immer ein bisschen wie eine Probierphase. Man weiß nicht so recht, wo man steht, aber ich werde ein Gerät nach dem anderen konzentriert angehen", sagte der Wetzlarer.

Zuletzt ohne Medaillen

Dabei hat der 25-Jährige besonders am Reck durchaus Nachholbedarf.

Sowohl bei den Europameisterschaften in Moskau als auch bei der Universiade im russischen Kasan blieb er ohne Medaille, sogar den deutschen Meistertitel musste er beim Turnfest in Mannheim seinem WM-Teamkollegen Christopher Jursch aus Cottbus überlassen.

Höchstschwierigkeiten am Reck

Dennoch hat der Ex-Weltmeister auf seine Übung am "Königsgerät" weitere Höchstschwierigkeiten draufgesattelt, um in diesem Segment den Rückstand zu seinem Erzrivalen Epke Zonderland nicht zu groß werden zu lassen.

Der Olympiasieger aus den Niederlanden fehlte bei der EM, bietet den Kampfrichtern dafür aber in der Stadt der Diamanten auch einen Schwierigkeitsgrad zwischen 7,5 und 7,7 Punkten an. Hambüchen kann derzeit maximal 7,4 Zähler turnen.

"Sauber Durchturnen"

Bei der weichenstellenden Qualifikation am Montag will und muss der Wetzlarer aber noch nicht an seine Grenzen gehen.

"Da geht es um das saubere Durchturnen", glaubt Hambüchen und meint damit auch den Mehrkampf, in dem Titelverteidiger und Olympiasieger Kohei Uchimura aus Japan das Maß aller Dinge ist.

Aber auch zwei junge, noch unbekannte Chinesen "können über 90 Punkte turnen und sind daher zu beachten."

Endlich brillenfrei

Fehlender Durchblick ist keine Ausrede mehr, denn seit Juli kann der Managementstudent ohne störende Sehhilfen an die Geräte gehen.

Bei einem Kölner Spezialisten wurde die Sehschwäche Hambüchens, der vor neun Jahren bei Olympia 2004 in Athen als "Turnprofessor" mit Nerd-Brille zum Sportliebling der Deutschen avancierte, per Lasertechnik behoben.

"Auch meine Kontaktlinsen habe ich zuletzt immer schlechter vertragen, immer wieder gelangte Magnesia unter sie und ich hatte Beschwerden", sagte Hambüchen, der schon zwei Tage nach diesem operativen Eingriff wieder ins Training zurückkehren konnte.

Zusätzliche Sicherheit

Und seither plötzlich sogar am Reck zusätzliche Sicherheit erlangt hat.

"Manchmal sind meine Finger an der Stange weggeklappt, weil ich sie bei den Griffwechseln nicht richtig sehen konnte. Aber damit ist es nun vorbei", hat der Hesse erfreut festgestellt.

Allerdings: Greift er komplett an der Stange vorbei, wird Hambüchen auch in Zukunft krachend auf die Turnmatte stürzen. Aber er wird das Unglück so scharf kommen sehen wie noch nie...

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