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Hambüchen holte bei der EM 2008 Gold am Reck und Silber im Mehrkampf © getty

Hambüchen will seinen EM-Titel am Reck verteidigen. Auch Boy und Fahrig haben Chancen auf gute Platzierungen. Chusovitina fehlt.

Mailand - Erst der Crash, dann der Rekord?

Knapp zwei Wochen nach seinem gefährlichen Sturz vom Reck beim Weltcup-Turnier in Cottbus setzt Fabian Hambüchen zu einem neuen und vielleicht historischen Höhenflug an.

Bei den am Donnerstag beginnenden Europameisterschaften in Mailand könnte der Weltmeister an seinem Schokoladengerät seinen vierten Titel einsammeln und damit sogar den deutschen Turn-Heros Eberhard Gienger übertrumpfen.

Und "Ebse", mittlerweile Vizepräsident im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), wäre dem Titelverteidiger überhaupt nicht böse: "Er hätte es verdient, denn er hat in den vergangenen Jahren Großes für das deutsche Turnen geleistet. Ich wünsche ihm ganz viel Glück."

Der mittlerweile 57-Jährige hatte 1973, 1975 und 1981 EM-Gold am "Königsgerät" gewonnen.

Verletzungen überstanden

Die Folgen seiner Bruchlandung in der Lausitz, als er kurz vor dem Abgang neben die Matte auf den harten Hallenboden knallte, hat Hambüchen mit ein paar Hautabschürfungen am Arm fast folgenlos überstanden. Keine Schwierigkeit mehr ist auch die ebenfalls aus Cottbus stammende Fußprellung, auch sein im Dezember operierter Finger macht kaum noch Probleme.

Beim Abschlusstraining am Mittwoch musste der Olympiadritte von Peking allerdings gleich zweimal das Reck vorzeitig verlassen, erst im dritten Anlauf spulte Hambüchen seine Kür mit der gewohnten Akkuratesse ab.(Bangen um den verletzten Hambüchen).

Studium bremst die Vorbereitung

Als Top-Favorit sieht sich der 21-Jährige jedenfalls nicht. "Durch die Pause im Winter war meine Vorbereitung anders als sonst, deshalb kann ich mich nicht ganz so gut einschätzen" sagt Hambüchen, der zudem auch außerhalb der Turnhalle wieder stärker gefordert ist als in der Zeit vor Olympia in Peking.

Als Fernstudent der Betriebswirtschaftslehre sitzt der Hesse so manche Stunde über den Büchern, zudem steht in der kommenden Woche zusammen mit Freundin Viktoria der Umzug in die erste eigene Wohnung an.

Ambitionen auch im Mehrkampf

Über die Titelverteidigung am Reck hinaus will Hambüchen im Forum von Mailand auch seine Ansprüche untermauern, als kompletter Mehrkämpfer wahrgenommen zu werden.

Schon vor zwei Jahren in Amsterdam musste er sich im Sechskampf nur Maxim Dewiatowski knapp geschlagen geben, diesmal fehlt der Russe verletzungsbedingt.

Hambüchen: "Ich habe zwar dieses Jahr schon den American Cup in Chicago gewonnen, aber dort habe ich auf Sicherheit geturnt. Das wird in Mailand nicht reichen."

Cheftrainer Andreas Hirsch hat neben Hambüchen Philipp Boy aus Cottbus für den Mehrkampf nominiert. Hoffnungen auf Edelmetall machen darf sich speziell am Sprung der Hallenser Matthias Fahrig, der schon 2007 in Amsterdam an diesem Gerät Bronze gewann. "Das zu wiederholen, ist schon ein schöner Traum von mir", formulierte der 23 Jahre alte Halbkubaner.

Titelverteidigerin fehlt

Bei den Frauen hingegen fehlt nach Operationen an Achillessehne und Schulter Titelsammlerin Oksana Chusovitina.

Die 33-Jährige kann somit ihren Vorjahressieg am Sprung nicht wiederholen. Deshalb geht es für Anja Brinker aus Herkenrath und die Tübingerin Kim Bui bestenfalls um Finalplätze.

"2009 ist für uns ein Übergangsjahr, und Touristinnen wollte ich nicht mitnehmen", sagte dazu Bundestrainerin Ulla Koch, die das volle Startkontingent nicht ausschöpfte.

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