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Cameron Newton ist der Star-Quarterback der Auburn Tigers © getty

Der Skandal um Cameron Newton erschüttert die Wahl um die begehrte Auszeichnung. Ohnehin hakt es im System College Football.

Von Eric Böhm

München ? Der College-Football hat seinen nächsten Skandal.

Und wieder steht die prestigeträchtige Heisman-Trophy, die dem besten College-Spieler verliehen wird, im Mittelpunkt.

Nach dem bis dato einmaligen Vorfall um Saints Running Back Reggie Bush, der die Heisman-Trophäe zurückgegeben hatte, erschüttert nun die Affäre um Cameron Newton die amerikanische Sportwelt.

Eine Umfrage unter stimmberechtigten Journalisten und ehemaligen Gewinnern stellt das gesamte College-Sport-System in Frage.

Strenge Regularien

Der Reihe nach: Der amerikanische College-Sportverband NCAA legt großen Wert auf die Tatsache, dass unter seinem Dach Studenten einen Sport betreiben und nicht zukünftige Profi-Sportler die vorgeschriebene Zeit in Klassenräumen absitzen.

Die Studenten dürfen von den Universitäten oder deren Gönnern, den sogenannten "Boosters", keine Vergünstigungen irgendwelcher Art annehmen. Offiziell existieren diesbezüglich strenge Regularien.

Die Realität sieht freilich nicht erst seit Reggie Bush ganz anders aus. Der College-Football ist knapp hinter der NFL des Amerikaners liebstes Kind, schließlich kann das favorisierte Team hier nicht einfach umziehen.

College-Sport ist Business

Die großen Universitäten wie Notre Dame, Alabama oder USC spielen regelmäßig vor 80.000 bis 110.000 Zuschauern und sind landesweit im Fernsehen zu sehen.

Und da beginnt auch schon das Problem: College-Sport ist ein riesiges Geschäft, bei dem die Universitäten, die Coaches und das Fernsehen richtig viel Geld verdienen - nur die Spieler nicht.

Um die besten Spieler des Landes anzuwerben, würden die meisten Trainer fast alles tun. Reggie Bush ist nur der Letzte in einer langen Reihe von Sportlern, die Geld oder Sachleistungen angenommen haben, um für ein bestimmtes College zu spielen.

Cam Newton ist Heisman-Favorit

Der neueste Skandal betrifft Cameron Newton, einen talentierten Spielmacher von der Auburn University in Alabama.

Newton spielt bisher eine großartige Saison und steht mit seinen bisher ungeschlagenen Auburn Tigers an der Spitze der College-Football-Welt.

Der Meistertitel liegt im Bereich des möglichen. Mit seinen starken Auftritten ist er auch der Top-Kandidat für die Heisman-Trophäe.

Newton käuflich?

Doch ein ehemaliger Spieler der Mississippi State University ließ vor einigen Wochen die Bombe platzen, dass Newtons Vater und ein Repräsentant gesagt haben sollen, Newton sei mit Geld zu rekrutieren. (DATENCENTER: Der NFL-Spielplan)

Die NCAA leitete umgehend eine Untersuchung an und die üblichen Dementis von der Familie sowie der Uni folgten prompt.

Doch ein Beigeschmack bleibt, denn im Grunde ist es ein offenes Geheimnis, dass es immer wieder Unis gibt, die Regeln etwas großzügiger auslegen. Die Strafen sind meist relativ glimpflich und betreffen oft nur die Spieler.

Heisman-Wahl im Dezember

Die Heisman-Wahl steigt im Dezember statt und ist der Höhepunkt der Saison. In diesem Jahr dürfte sie besonders interessant werden.

Ausgewählte Journalisten und alle ehemaligen Gewinner haben jedes Jahr ein Stimmrecht für die Trophäe. Laut einer "AP"-Umfrage würden 19 von 23 Wahlberechtigten dennoch für Newton stimmen - allerdings nur, wenn sich die Verdächtigungen nicht als wahr erweisen.

Eigentlich ist diese Wahl aber eher ein Referendum für oder gegen das bestehende System.

Newton hat keine weiße Weste

Denn Newton hat nicht das erste Mal Ärger.

Als er 2007 von einer High School in Georgia an die Universität von Florida kam, soll er eine Hausarbeit eines Komilitonen als seine eigene abgegeben haben, eine weitere kaufte er im Internet. Außerdem wurde er wegen Diebstahls verhaftet, aber nie verurteilt.

Daraufhin verließ er Florida und ging an ein kleines Junior College in Texas, wo sich sämtliche College-Coaches die Klinke in die Hand gaben, um ihn zu verpflichten.

Newton ist belastet

Eine Stimme für Newton wäre also in jedem Fall belastet und würde ein System, das schon lange zum Himmel stinkt, noch bestärken.

Stattdessen hätten die NCAA, die Universitäten und die Medien die Chance, eine Reform ins Auge zu fassen, um die angeblich so wichtige Glaubwürdigkeit des "Student-Athlete" wieder herzustellen.

Wenn Newton die Auszeichnung denn nun verwehrt bliebe...

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