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Jamie Skeens Hauptfach an der VCU ist Soziologie © getty

Der Außenseiter überrennt Topfavorit Kansas und steht im Final Four von March Madness. Auch ein Deutscher macht sich Hoffnungen.

Von Eric Böhm

München - Das NCAA-Turnier hat sich im Laufe der Jahre den Beinamen "March Madness" redlich verdient.

Seit der Einführung des Meisterschaftsturniers der besten College-Basketball-Teams 1939 gab es immer wieder große Überraschungen, doch der Lauf der Virginia Commonwealth University (VCU) aus Richmond ist besonders bemerkenswert.

Kein Experte erwartete, dass die Rams überhaupt unter die 68 besten Mannschaften rutschen würden, schließlich hatten sie während der Saison nicht einen nennenswerten Sieg aufzuweisen.

Doch mit ihrer "Wir gegen den Rest der Welt"-Einstellung hat es die Truppe von Coach Shaka Smart tatsächlich zum Final Four nach Houston geschafft.

Reihenweise Favoriten überrannt

Spieler und Betreuerstab machten von Anfang an kein Geheimnis daraus, dass die riesige Kritikwelle eine unschätzbare Quelle der Motivation ist.

"Niemand hat uns etwas zugetraut. Aber meine Jungs haben an sich geglaubt und wollten es den sogenannten Experten und Zweiflern zeigen", sagte Smart nach dem eindrucksvollen Sieg gegen die topgesetzten Kansas Jayhawks.

Der haushohe Favorit wurde in der ersten Hälfte förmlich überrannt und wurde nach den Schwergewichten USC, Georgetown, Purdue und Florida State zum letzten Opfer der neuesten "Cinderella-Story".

Kein Einzelfall

Durch die große Spieler-Fluktuation - im Gegensatz zum Football bleiben die besten Spieler nur ein oder zwei Jahre am College - gibt es immer wieder kleinere Unis, die mit ihrer Eingespieltheit für Überraschungen sorgen.

1986 und 2006 schafften es die ebenfalls an Nummer elf gesetzten Mannschaften von Louisiana State und George Mason unter die letzten Vier.

VCU sorgte mit dem heutigen NBA-Profi Eric Maynor (Oklahoma City Thunder) 2007 für Schlagzeilen, als Duke, das Team des amerikanischen Nationalcoaches Mike Krzyzewski, überraschend eliminiert wurde.

Mit derart dominanten Vorstellungen pflügte allerdings noch kein Außenseiter durch das Feld.

Skeen ist der Schlüsselspieler

Sie nehmen den Kontrahenten mit ihrer druckvollen Verteidigung förmlich die Luft zum atmen und gewinnen mit durchschnittlich zwölf Punkten Vorsprung.

"Die Leute glauben wahrscheinlich immer noch, dass wir nur Glück haben. Wenn wir so weitermachen, sind wir nicht zu schlagen", beschrieb Flügelspieler Jamie Skeen das grenzenlose Selbstvertrauen der Rams.

Skeen (15,4 Punkte pro Partie), der sein letztes College-Jahr bestreitet, ist neben Aufbauspieler Joey Rodriguez und Bradford Burgess (23 Zähler, acht Rebounds gegen Kansas) der Schlüsselspieler im Team.

Er begann seine Karriere bei der renommierten Universität von Wake Forest, die unter anderem Tim Duncan hervorbrachte, kam dort aber nicht zum Zug und wechselte nach Virginia.

Außenseiter-Duell

Im Halbfinale am Samstag wartet nun mit den Butler Bulldogs ein weiterer Außenseiter. Das Team aus Indiana legte im letzten Jahr einen ähnlichen Lauf wie VCU hin und stand sogar im Endspiel, dort behielt jedoch Duke knapp die Oberhand.

Nachdem sie in Gordon Hayward ihren besten Spieler an die NBA verloren, hätte auch ihnen niemand den Trip nach Houston zugetraut.

Doch Butler vertraute auf die erfahrenen Stammkräfte Matt Howard, Ronald Nored sowie Shelvin Mack, die im letzten Jahr allesamt schon dabei waren, und eliminierte ebenfalls große Namen, wie zum Beispiel die Pittsburgh Panthers.

"Sie sind ein sehr gutes Team, aber wir sind noch nicht am Ende unseres Weges angekommen", richtete VCUs Burgess bereits die erste Kampfansage in Richtung Bulldogs.

Giffeys UConn will 3. Titel

In einem potenziellen Finale könnte der letzte verbliebene Favorit lauern.

Denn die an drei gesetzte Universität von Connecticut (UConn) mit dem Berliner Niels Giffey trifft im zweiten Halbfinale auf die Kentucky Wildcats und will nach 1999 und 2004 den dritten Titel für Coaching-Legende Jim Calhoun gewinnen.

Der Göttinger Enosch Wolf gehört ebenfalls zum Aufgebot, wird aber in dieser Saison kaum eingesetzt.

Als Außenseiter wird VCU nun allerdings nicht mehr ins Spiel gehen. Schließlich hat sich das Aschenputtel in den letzten beiden Wochen in eine gefeierte Prinzessin verwandelt. Mittlerweile traut jeder Beobachter den Rams im Reliant Stadium von Houston auch den ganz großen Wurf zu.

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