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Jacory Harris (2. v.r.) ist der aktuelle Spiel- macher der Miami Hurricanes © getty

Die Hurricanes verletzen im großen Stil College-Regeln. Parties mit Prostituierten und Kopfgelder auf Gegner gehören zur Tagesordnung.

Von Eric Böhm

München - Dass im amerikanischen College-Football einiges im Argen liegt, ist hinlänglich bekannt.

Anwerbung mit Geld und Betrug bei Tests und Hausarbeiten sind bei den "Student-Athletes" der großen Universitäten fast schon alltäglich.

Die ohnehin skandalumwitterte Universität von Miami erreichte zwischen 2002 und 2010 aber offenbar ein ganz neues Level.

Ein ehemaliger Gönner - im College-Jargon "Booster" genannt - spricht von Sonderprämien für verletzte Gegner, Parties mit Prostituierten und jede Menge Geld und Schmuck für die Spieler.

Regelverletzung im großen Stil

Nevin Shapiro, der wegen Beteiligung an einem 930 Millionen Dollar schweren Schneeballsystem hinter Gittern sitzt, beschuldigt insgesamt 72 Spieler und diverse Coaches Regeln im großen Stil gebrochen zu haben.

Angefangen haben der damalige Sportagent - College-Spieler dürfen mit dieser Berufsgruppe überhaupt keinen Kontakt haben - sowie mehrere Football- und Basketballtrainer 2002 damit, High-School-Schüler mit Geld anzuwerben.

"Klar habe ich Spieler für Miami rekrutiert. Ich habe sie in Bars oder Strip-Clubs mitgenommen. Sie hatten kein Geld, also habe ich nachgeholfen", bekannte Shapiro bei "Yahoo Sports".

"Wir haben gerockt"

Dem Basketballer DeQuan Jones zahlte er demnach 10.000 Dollar für seine Zusage an "The U", wie die Hurricanes ehrfürchtig genannt werden.

Das ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs, nach eigenen Angaben engagierte er für insgesamt 39 Spieler Prostituierte. Zwei ehemalige Spieler bestätigten dies inzwischen.

Manchmal mietete Shapiro ganze Hoteletagen in South Beach - im Wert von über 1,2 Millionen Dollar - oder lud gleich zu ausschweifenden Parties auf seine 1,6 Millionen Dollar teure Yacht ein.

"Wir haben damals wirklich gerockt. Das mit den Hotels wurde mir zu viel, aber ich hatte ja noch mein Boot für die Geschichten mit den Prostituierten. Mitgemacht habe ich aber nie", so der 42-Jährige.

Abtreibung bezahlt?

Um seine Jungs bei Laune zu halten, war ihm offenbar jedes Mittel recht. In einem Fall soll Shapiro sogar für eine Abtreibung bezahlt haben - ohne Wissen des Spielers.

Seine eiskalte Berechnung und Geringschätzung für die jungen Menschen kommen dabei zum Ausdruck: "Ich habe ihm einen Gefallen getan. Der Idiot hätte das Baby noch behalten wollen."

Außerdem gab es für die talentiertesten Akteure, die später seine Firma mit ihren NFL-Verhandlungen beauftragten, teure Uhren, goldene Ringe (NFL-Profi Devin Hester) oder ein mit Diamanten besetztes Hundehalsband (der verstorbene Ex-NFL-Profi Sean Taylor).

Kopfgelder auf gegnerische Spieler

Die Trainer wussten Bescheid und gestatteten ihrerseits Shapiro Privilegien, wie mit dem Team aus dem Tunnel zu laufen oder sich am Spielfeldrand ungehindert bewegen zu können.

Sein Fanatismus für die Hurricanes ging sogar so weit, dass er für verletzte Spieler der Erzrivalen Florida State oder Florida Prämien von 5000 Dollar zahlte.

Auf den heutigen NFL-Quarterback Tim Tebow (Denver Broncos) und Florida States Spielmacher Chris Rix wurden regelrecht Kopfgelder ausgesetzt.

"Wir haben sie vermöbelt. Schauen Sie sich die Spiele an. Es gab so viele harte Hits. Jeder der Jungs wollte die 5000 Dollar", brüstete sich Shapiro noch mit seinen Geschmacklosigkeiten.

Miami berüchtigt

Es ist nicht das erste Mal, dass "The U" extrem negativ auffällt. In Miami sind die Ablenkungen für 18- oder 19-Jährige besonders verlockend.

Sowohl in den 80ern - mit der späteren NFL-Skandalnudel Michael Irvin - als auch den 90er Jahren wurden das Football- das Basketball und auch das Baseballteam nach diversen Regelverstößen auf und neben dem Platz vom College-Verband (NCAA) immer wieder auf Bewährung gesetzt.

"Todesstrafe" möglich

Auch als die neuen Verfehlungen 2002 begannen, stand die Universität wieder auf Bewährung.

Die NCAA prüft gegenwärtig die Anschuldigungen. Auch eine sogenannte "Todesstrafe" für das Football-Team ist möglich.

1987 wurde die Southern Methodist University (SMU) in Dallas mit dieser Strafe belegt, da Spieler im großen Stil bezahlt wurden.

Damals wurde der Universität über Jahre verboten Football zu spielen, davon erholte sie sich finanziell - Fernsehen, Fanartikel und Werbung - und sportlich über die nächsten 20 Jahre nicht.

Ändert sich etwas?

In den letzten Jahren war der Verband sehr nachsichtig mit diversen Verfehlungen - zum Beispiel mit den Heisman-Gewinnern Reggie Bush und Cam Newton -, spätestens jetzt allerdings muss wohl etwas Grundsätzliches geändert werden, um die Sportart College-Football zu retten.

Im Fokus stehen weniger die Spieler selbst, sondern vielmehr die Uni-Präsidenten, die Sportdirektoren, Coaches, Agenten und eben finanzkräftige Edelfans.

Von Studenten, die einem Hobby nachgehen, kann jedenfalls schon seit Jahrzehnten keine Rede mehr sein.

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